Leben nach dem Kalender

Als Verzeichnis von einzelnen Tagen, Wochen und Monaten eines Jahres in ihrer chronologischen Abfolge enthält der Kalender je nach Ausführung Sonn- und Feiertage, letztere sowohl religionsübergreifender als auch weltlicher Art. Unfreiwillig wirkt die schwindende Prägekraft des Christentums am Kalender mit: Allerheiligen wird zu Halloween, aus dem Weihnachtsfest werden Winterfeste und vieles mehr. Festliche Termine geben dem Jahr Struktur. In Jerusalem kann man erleben, daß an drei aufeinander folgenden Tagen jeweils einzelne Geschäfte geschlossen sind; denn der Freitag ist für Muslime ein ähnlich wichtiger „Wochentag“ wie der Sabbat für Juden und der Sonntag für Christen.

Die gesamte Welt, seit 1949 auch China, orientiert sich bis heute am Kalender von Papst Gregor XIII. (1583).

In Revolutionen hat man versucht, eine andere Wocheneinteilung zu realisieren. Die französische Revolution führte 1792 eine Dekade, das heißt einen Zeitraum von 10 Tagen, ein, und der Dikatator Stalin versuchte 1929 in Rußland zeitweilig, eine gleitende Fünftagewoche mit einem gestaffelten freien Tag durchzusetzen und den christlichen Sonntag als Ruhetag abzuschaffen. Der französische Revolutionskalender (22.9.1792-31.12.1805) scheiterte ebenso wie der sowjeti­sche Revo­lutionskalender (1.10.1929-1940).

Die Ordnung der Woche, die schon die Hebräer kannten, da es im Buch Exodus heißt: „Sechs Tage kannst du deine Arbeit verrichten, am siebten Tag aber sollst du ruhen!“ (vgl. Ex 23,12; Ex 34,21), scheint dem Lebensrhythmus des Menschen am gemäßesten zu sein. Diese sieben Tage entsprechen den ursprünglich sieben bekannten Planeten, zu denen auch Sonne und Mond gerechnet wurden, obwohl sie keine Planeten sind. Der Rhythmus der sieben Wochentage ist den Weltgesetzen abzulesen.

Einerseits erinnert uns der Kalender an Vergangenes, andererseits hält er uns die Zukunft vor Augen. Wir notieren für uns persönlich wichtige Termine. Dabei sollte, vor allem in unserer heute so schnellebigen Zeit, der Kalender nicht unser Befehlshaber sein, sondern unser Diener bleiben.

Welche Bedeutung hat der Kalender für mich?