Luft als Symbol

Leben bedarf der Luft. Ohne Luft ersticken wir. Ohne sie können wir nicht leben. Sie verbindet alle Lebewesen miteinander. Das wissen die Menschen von alters her. Aber heute müssen wir dringend etwas tun, um reine und gesunde Luft um uns zu haben.

Luft ist ständig in Bewegung. Als Wind ist sie der belebende Weltatem, gewaltig als Sturm, zart als Hauch. Wirbelstürme und Orkane bringen den Tod, Windhauch über dem Kornfeld bringt Leben.

Viele Bewegungen der Luft sind denen des Wassers ähnlich. Je schneller die Luft aber strömt, um so mehr macht sie ihre Eigenart geltend: Sie bleibt nicht mehr volumenbeständig, sondern dehnt sich aus und zieht sich zusammen, wird dünner oder dichter. In ihrer schnellen Wellenbewegung wird ihre Elastizität deutlich; ihr Wesen läßt keine feste Form zu; sie bewirkt ständig etwas Neues. Da Luft unsichtbar und ungreifbar ist, ist sie ein Symbol für die immateriellen Kräfte, vor allem für die Kraft des Geistes. Viele Sprachen bringen diesen Zusammenhang zum Ausdruck: Geist und Hauch haben den einen Begriff, „spiritus“ im Lateinischen, „pneuma“ im Griechischen, „ruach“ im Hebräischen und „duch“ im Russischen. Im Japanischen bedeutet „iki“ zugleich Hauch und Leben, und das althochdeutsche „wiho atum“ bezeichnet den „Heiligen Geist“.

Dieser Geist, an dessen Kraft wir glauben, belebt das Weltall. Besonders in der Woche vor Pfingsten bitten wir um diese Kraft des Geistes.

Luft selbst ist nicht wahrnehmbar, sondern wir spüren nur ihre Wirkung als Duft, Wärme und Ton, oder sogar als Kraft des Geistes in uns. Luft ist das Medium der Sprache und der Musik. Die Bewegungen der Luft lassen Töne entstehen. Die Welt der Klänge wird als bewegte Form sichtbar. Auch unser Kehlkopf formt am Luftstrom und prägt ihn zum Sprechstrom aus. Das gesprochene Wort ist mehr als eine gedankliche Bezeichnung der Dinge, mehr als ein Name für die Dinge, es ist Gestalt unseres schaffenden Geistes.

Mit Augustinus beten wir: „Atme in mir, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges denke. Hüte mich, du Heiliger Geist, daß ich das Heilige nimmer verliere.“

Ist der Heilige Geist für mich „Luft“?