15.8.2020

Mariä Himmelfahrt

Ein Dogma ohne Konzil

Der Glaube an die leibliche Aufnahme Mariä in den Himmel ist seit dem 6. Jahrhundert bezeugt und wurde 1950 von Papst Pius XII. als Dogma verkündet.

Als junge Frau hat Maria Jesus geboren, der als Aufrührer hingerichtet wurde. Die Evangelien verkünden, daß Maria bei Jesu Kreuzigung anwesend war.

 

 

Aus dem Glauben, daß dieser Jesus auferstanden ist, wurde die größte Glaubensgemeinschaft der Welt. Und Maria, die Frau, die ihm das Leben geschenkt hat, wurde zu einer Projektionsfläche von religiös grundgelegten Sehnsüchten.

Die orthodoxe Kirche des Ostens bildet Maria immer mit Kind ab, wohingegen es in der katholischen Kirche des Westens auch Mariendarstellungen ohne Kind gibt, wie zum Beispiel in den im 19. und 20. Jahrhundert entstandenen Marienwallfahrtsorten  Lourdes, Fatima und Banneux. Dort wird sie als asexuelles, kinderloses Wesen dargestellt.

Wo bleibt die Mutter Maria? Als Pieta hält sie den Leichnam ihres Sohnes in den Armen.

Die Kirche verbindet beides, indem sie ihr eine Jungfrau-Mutter-Identität zuspricht. So eignet sich Maria vortrefflich dazu, den Zölibatären die Sublimation zu erleichtern.

Wenn Gott als Mann dargestellt wird, dann ist die Frau Maria die Fürsprecherin beim Vater.

Der Tiefenpsychologe Carl Gustav Jung (1875-1961) fand das Dogma genial. Er verteidigte es aus psychologischen Gründen und bezeichnete es als wichtig und für unsere Zeit sehr aktuell. Gäbe es dieses Dogma nicht, wäre das Christentum eine reine Männerreligion.

Siehe auch Gedanken zu Lesefrüchten (6.5.2019) – Geburt der Kirche

und

Impuls vom 2. Mai 2020 – Gottesmutter Maria mit ihrem Kind Jesus.