27.2.2022

 

 

 

Masken nicht nur an Karneval 1

Das Wort „Maske“ könnte vom arabischen Begriff „maskara = Possenreißer“ oder vom langobardischen Substantiv „masca = Totennetz“ kommen. Ein solches Netz dient dazu, den Geist des Toten zu binden. Das Gesicht des Menschen gilt als das ausdrucksvollste Symbol des am höchsten entwickelten Lebewesens. Die an sich körperlose Seele des Menschen nimmt im Angesicht eine Form an, sozusagen eine Maske.

Wenn ein Mensch sein Gesicht mit einer gefertigten Maske bedeckt, stellt sich die Frage, ob er dadurch sein Gesicht verliert oder erst sein wahres Wesen aufdeckt. Mit dem Entstehen des Ichbewußtseins entsteht auch die Maske. Große Augenblicke der Geschichte werden durch sie vergegenwärtigt, indem sie Geister und übernatürliche Wesen in Erscheinung treten lassen. Die Maske bildet ein Ganzes mit dem Kostüm, den Attributen, dem Tanz und den Worten dessen, der sie trägt und belebt.

Eine ruhende Maske ist ebensowenig zu begreifen wie ein unbewegtes Rad. In Aktion wird die Maske dann zu einer magischen Kraft. Wichtig ist der kultische Vollzug. Diesen können wir nur ahnen, wenn wir Masken in Museen besichtigen. Uns fehlen die Sinnesorgane, Göttliches unmittelbar wahrzunehmen. Götter lassen sich vom Menschen nur in deren Masken erkennen, daher verleiht er ihnen Kräfte und Gewalten.

Die Maske dient nicht der Verkleidung, sondern der Verwandlung des Menschen. Derjenige, der eine Maske trägt, wird von dem Geist, den sie darstellt, erfaßt. Die Maske gibt dem Träger eine Macht, die seine persönliche Identität verändert. Man könnte sie als Versuch einer magischen Machtbeschwörung betrachten. Gleichzeitig wohnt der Maske eine gefährliche Macht inne, gegen die es den Träger zu schützen gilt.

Manche Frauen sagen: „Hinter der Larv´ bischt ei ganz andere Kerle!“ Ein Heiler ist Ikone oder Maske des Gottes, durch den er handelt. Die Alltagsrolle spielt keine Rolle mehr.