1.3.2022

Masken nicht nur an Karneval 3

In Afrika ist der beste Vermittler zu den Göttern der Ahne. Mit ihm darf nicht der einfache Mensch, sondern nur der Priester in Verbindung treten. Das geschieht durch Masken, denen übernatürliche Kräfte innewohnen.

In Ozeanien ist das Vorbild der Maske der übermodellierte Ahnenschädel. Dieser ist nicht Denkmal oder Erinnerungsgebilde, sondern dient als Wohnsitz der seelisch-geistigen Kräfte des Ahnen. Die Masken erhalten nur durch diesen Glauben ihre Bedeutung.

Ein großer Wendepunkt der Maske kommt mit der griechischen Tragödie. Einerseits fördert die Urangst des Menschen das Maskenwesen, andererseits aber auch die Lebenslust. In den Frühlingsriten der Griechen werde die Masken der guten Götter getragen, zum Beispiel die des Weingottes Bacchus. Unter der Maske wird nun die Eigenpersönlichkeit nicht mehr aufgegeben. Nachdem sich der Mensch dann ganz vom Mythos entfernt hat, trennt er sich auch von der Maske.

Das Christentum lehnt den antiken Kult ab. Bei Mysterienspielen kann es aber nicht auf die Personifikation des Bösen verzichten. So wird die Maske zum Werkzeug, Gestalten der Unterwelt zu verkörpern. Da das Christentum das Maskenwesen verdrängt und es dessen Inhalt falsch versteht, werden aus Fruchtbarkeitsgöttern Teufel und aus Göttinnen Hexen. Das Christentum bewirkt eine Bewußtseinsveränderung. Diese Entwicklung des Wachbewußtseins verläuft aber auf Kosten des Unbewußten. Zum Nachteil des hellen, wachen Bewußtseins wurde das Dunkle verdrängt und damit dämonisiert.

Ganz im Gegensatz zu den verschleierten Frauen in zahlreichen Ländern des Islam dürfen wir in unserer Kultur unser Gesicht mit Stolz zeigen. Tätigkeiten des Leibes, die in größerer Nähe des Kopfes stattfinden, sind geachteter als weiter entfernte Funktionen. Die Entblößung des Gesäßes gilt als anstößig. Wir bewundern körperliche Fähigkeiten, die die Kraft des Geistes demonstrieren, aber zeigen wir damit schon unser wahres Gesicht?