Mit den Augen eines Kindes

Wie wäre es, wenn wir die Welt mit den Augen eines Kindes sähen?
Ein zentraler Satz in dem Buch „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry (1900–1944) lautet: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Diese Weisheit ist vermutlich so alt wie die Menschheit. Laotse (6. Jh. v. Chr. Geb.) sah in der Rückkehr zur Einfalt des Kindes den einzigen Weg, ein glückliches und erleuchtetes Leben zu führen. Im Neuen Testament ermahnte Jesus seine Jünger mit den Worten: „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich hineinkommen.“ (Mt 18,3)

Der Philosoph Edmund Husserl (1859-1938) hat den kindlichen Blick auf die Welt zu einer eigenständigen philosophischen Methode erhoben, der Phänomenologie. Sein Motto lautete: „Zu den Sachen selbst.“ Es geht darum, einen unbefangenen Blick zu üben, der den gesamten Ballast von Prägungen durch Tradition und Geschichte ausblendet. Wer wagt den Blick und verkündet: „Der Kaiser ist ja nackt!“? („Des Kaisers neue Kleider“ – Märchen von Hans Christian Andersen (1805-1875) – https://maerchen.com/andersen/des-kaisers-neue-kleider.php)