Mittwoch – 4. Tag der Woche – Tag des Merkur

Gott Merkur

Zu sagen, ein Tag sei wie der andere, ist nicht ganz zutreffend; denn jeder Tag hat seine eigene Qualität, wie auch jede Zahl ihre eigene Wesenheit hat. Dazu kommt, daß die Reihenfolge der Planeten, die den Tagen ihren Namen gaben, abwechselt zwischen denen, die in­nerhalb der Sonnenbahn verlaufen wie Mond (Montag), Merkur (Mittwoch) und Venus (Freitag) und denen, die sich außerhalb derselben bewegen wie Mars (Dienstag), Jupiter (Donnerstag) und Saturn (Samstag).

Die deutsche Wochentagsbezeichnung „Mittwoch“ läßt lediglich erkennen, daß dieser Tag die Mitte, also der 4. Tag, einer Siebentagewoche ist, die mit dem Sonntag als 1. Tag begonnen hat. Im Französischen (mercredi), Italienischen (mercoledi) und Spanischen (miércoles) sowie in weiteren romanischen Sprachen zeigt sich, daß der dem Wochentag zugeordnete Planet der Merkur ist. Bei den Römern trägt der Götterbote den Namen Merkur , bei den Griechen heißt er Hermes. Er ist quirlig und lebendig wie das Quecksilber, das dem Planeten als Metall zugeordnet ist. So lebendig muß den Menschen in Lystra, einer römischen Kolonie in Kleinasien, auch der Apostel Paulus vorgekommen sein, weil sie in ihm den Götterboten Hermes erken­nen wollten; Paulus’ Begleiter Barnabas aber hielten sie für den griechischen Göttervater Zeus, der dem römischen Jupiter ent­spricht. So lesen wir in der Apostelgeschichte: „Als die Menge sah, was Paulus getan hatte, fingen sie an zu schreien und riefen auf lykaonisch: Die Götter sind in Menschengestalt zu uns herabge­stiegen. Und sie nannten den Barnabas Zeus, den Paulus aber Hermes, weil er der Wortführer war.“ (Apg 14,11f) Paulus war der unermüdliche Bote des Evangeliums in der Welt, deswegen nennt man ihn auch den Völkerapostel.

Bei den Germanen hieß der Hermes und Merkur entsprechende Gott Wodan, was noch im englischen Namen für Mittwoch „Wednesday“ zum Ausdruck kommt. Das Christentum drängte den im germanischen Bereich am Mittwoch verbreiteten Wodanskult zurück. Als Wodanstag war der Mittwoch ein heiliger Tag, an dem man keine Arbeit verrichtete. Das Christentum erklärte ihn, wie es bereits in der Antike der Fall war, zu einem Unglückstag. Im Gedenken an den Verrat des Judas, der vermutlich an einem Mittwoch geschah, wurde dieser Wochentag neben dem Freitag zum Fasttag. Das Andenken an die im Volksglauben weiterlebenden heidnischen Gottheiten ging durch die fortschreitende Christianisierung immer mehr zurück.

Menschen des Maschinenzeitalters und solchen, die sich langweilen, erscheint dennoch ein Tag wie der an­dere. Sie laufen gleichmäßig im Takt wie eine Maschine, Tag und Nacht, alltags und sonn- und feiertags. Aber Leben ist Rhythmus. Im rhythmischen Zeitablauf des Jahres hat jeder Monat seinen besonderen Charakter, ebenso haben in jedem Monat jede Woche und in jeder Woche jeder Tag ihr eigenes Gepräge. Als Münster noch vorwiegend eine Stadt von Beamten und Angestellten war, arbeiteten diese zwar noch am Samstagmorgen, genossen aber den offiziell freien Mittwochnachmittag. Viele machten zum Beispiel einen Spaziergang zu einem der damals zahlreichen Kaffeewirt­schaften rund um Münster. Inzwischen gibt es diese alteingesessene Gastronomie nur noch äußerst selten. Die meisten Lokale sind neuen Immobilien gewichen oder reine Speisegaststätten geworden.

Wie gestalten ich den heutigen Mittwoch?