26.10.2019

 

 

 

 

 

 

Siegfried war in Xanten

Siegfried
legendärer Drachentöter u. eine der Hauptfiguren des Nibelungenliedes

Szene aus dem Xantener Domspiel „Die Ritterweihe Siegfrieds“

Unter der Überschrift „Siegfried Der Drachentöter – ‚Das Gesetz – das bin ich’“ brachte RP ONLINE vom 10. Mai 2018 ein fiktives Gespräch mit Jung-Siegfried.
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Siehe auch RP ONLINE vom 12. Mai 2018 – So schön ist das Siegfried-Spektakel – Auf den Spuren der Nibelungen. Vom Reisen im Mittelalter bis zum modernen Nibelungentourismus. Dort finden sich thematisch weiterführende Links mit Beziehung zu Karl Leisner.

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Vortrag im SiegfriedMuseum Xanten

Am Dienstag, dem 7. November 2017, spricht Prof. Dr. Eckhard Grunewald aus Hilden zum Thema „Siegfrieds Reise durch die Zeit – Der Weg des Nibelungenlieds vom vergessenen Heldengedicht zum verdrängten Nationalepos“.

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Karl Leisner beschäftigte sich intensiv mit der Nibelungensage

Unter der Überschrift „Tote begehren auf – Die Nibelungenfestspielpläne“ berichtete die F.A.Z. vom 5. Januar 2019 über die diesjährigen Nibelungenfestspiele in Worms.
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Der Dramatiker und Romancier Thomas Melle erzählt die Geschichte der Nibelungen mit dem Wissen von heute und von ihrem Ende her.

Siehe NIBELUNGEN FESTSPIELE WORMS – „Überwältigung“ 12. bis 28. Juli 2019

 

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Vor 1000 Jahren wurde der Wormser Dom geweiht

Unter der Überschrift „Von der Geschichte durchweht – Nibelungenlied, Investiturstreit, Martin Luther: Der Wormser Dom wurde vor 1000 Jahren geweiht“ berichtete Georg Blüml in der Wochenzeitung Die Tagespost vom 25. Januar 2018 über die Geschichte des Domes.

Ursprünge in frühchristlicher Zeit – laut mittelalterlicher Quellen Errichtung einer dreischiffigen Basilika ohne Querschiff u. Turm auf den Grundmauern des zerstörten römischen Forums im 7. Jhd. – Burchards Ernennung zum Bischof von Worms 1000 – Abriß der nach Ansicht von Bischof Burchard zu kleinen Kirche u. Baubeginn des Domes – Weihe 9.6.1018 – Beisetzung von Bischof Burchard im Dom 1025 – Baubeginn des Domes St. Peter im spät­ro­manischen Stil nach Abriß des Vorgängerbaues vermutlich auf Grund großer Schäden in der Bausubstanz durch Bischof Burchard II. u. dessen Nachfolger Konrad II. ab 1130 – Weihe 1181 – nach Zer­stö­rungen, u. a. durch Brand, Plünderung u. Verwüstung im Laufe der Jahrhunderte sowie durch Fliegerangriffe im Zweiten Welt­krieg, andauernde Restaurierungsarbeiten – Ende Februar 2014 wurde ein seit dem Zweiten Weltkrieg verschollener Grundstein von 1484 wiederentdeckt.

In einem Klassenaufsatz erwähnt Karl Leisner Worms zum ersten Mal.

Donnerstag, 28. Januar 1932
Klassenaufsatz.
zweite Seite des AufsatzesEine Gestalt aus dem Nibelungenlied.
Das Nibelungenlied ist das schönste, furchtbarste, das deutscheste der deut­schen Heldenlieder. Die lieblichste und zugleich furchtbarste Gestalt des Liedes ist Kriemhild. Der Dichter versteht es meisterhaft, uns die liebende, trauernde und rachedürstende Frau lebendig vor Augen zu führen.
Kriemhild, die Tochter des Burgunderkönigs, wächst zu einer herrlichen, blü­henden Jungfrau heran. Zunächst will sie von Liebe nichts wissen; denn ihre Mutter hat ihr gesagt, Liebe endige immer in Leid. Als aber der tapfere Sieg­fried um sie wirbt, vergißt sie all ihre Bedenken und entbrennt in Liebe zu ihm. Allen hatte sie bis dahin widerstanden. Nur ihm kann sie sich nicht ver­sagen. So sehn wir sie als glückliche Braut und Gattin Siegfrieds. Sie zieht mit ihm nach Xanten und erlebt an seiner Seite Jahre reinsten Glücks. Sie gebärt Siegfried einen Sohn, und so ist ihr letztes Sehnen erfüllt. Aber nicht lange mehr sollte ihre Gatten- und Mutterfreude dauern. Nachdem sie schon zehn Jahre vom Hofe der Burgunder fern war, lädt ihr Bruder, der König Gunther, auf Drängen seiner Frau Brunhilde Siegfried und Kriem­hild ein, zu kommen. Sie stimmen zu und reisen an den Hof nach Worms. Hier werden sie in Liebe und mit Freuden empfangen. Zu ihren Ehren wer­den Festspiele ver­anstaltet. Dabei aber kommt es zum Streit zwischen Brun­hild und Kriemhild, wer schöner und stärker sei, Gunther oder Siegfried. Mit diesem Streit be­ginnen sich dunkle Wolken des Neides und Hasses in Brunhildens Herz zu­sammenzuballen. Sie ahnt, daß sie von Gunther betro­gen wurde, und erfährt es auch bald aus Kriemhilds Munde während des erregten Wort­wechsels vor der Kirchtür. Hiermit ist Brunhilde auf das al­lertiefste beleidigt, und jetzt sinnt sie auf Rache, auf Siegfrieds Ermordung. Hierzu gibt sich der ihr treu­ergebene grimme Hagen her. Durch seine Ränke, durch seine Hand fällt Siegfried, Kriemhildens über alles geliebter Mann.

Auf Fahrten lernte Karl Leisner Worms und den Dom näher kennen.

Mainz, Dienstag, 16. August 1932, 3. Tag
Ge­gen 16.30 Uhr starten wir nach Worms, nachdem wir uns vorher von uns­rem freundlichen Beherberger dankend verabschiedet hatten. Bald sind wir wieder auf der Straße längs des Rheins. Es ist ’ne Bullenhitze. Da sehn wir vor uns auf der Landstraß’ ’n Auto stehn. Wir fragen, ob sie uns nicht bis Worms mitnehmen könnten. Die Antwort war: „Ich glob’ ihr sit woll katho­lisch“ [Ich glaube, ihr seid wohl katholisch]. – Wir stellen unsre Rä­der an die Chaussee­bäume, ziehn uns die Badebux an und tummeln uns schwim­mend im Rhein rum. Hei, das tat gut. Über Guntersblum geht’s weiter. Wir sehn den Rhein nicht mehr von der Straße aus. Wir fahren, was das Zeug hält; denn wir hatten uns mit der Strecke doch etwas arg ver­schätzt. – Kurz vor Dunkelheit sind wir am Stadteingang von Worms. Da geht Manes [Her­mann Mies] der Träger kaputt. Er kommt zu Fuß nach. Wir fahren ohne Licht noch bis ungefähr zur DJH im Gymnasium [am Barbarossa­platz]. Gegen 21.00 Uhr sind wir da. Voll! – Wir können Notla­ger bekom­men. Egal, man rin! – Schnell kocht Willi einen Pfef­fer­minztee, wäh­rend ich für Brot etc. sorge. Gegen 22.00 Uhr sind wir fer­tig. Es geht auf die schmutzigen Stroh­säcke. Verflixt, was’n Mückenloch. Die ganze Nacht quä­len die Biester einen. Ge­pennt haben wir aber doch so leidlich.

Worms, Mittwoch, 17. August 1932, 4. Tag
In aller Herrgottsfrühe stan­den wir gegen 5.00–5.30 Uhr schon auf, brausten uns und verließen die JH gegen 6.00 Uhr, holten uns einen Ge­päckträger und so begann der 4. Tag.
Unser Morgenziel war der uralte Wormser Dom. Bald stehen wir vor ihm und stehen staunend vor der Wucht und Majestät des sagenumwo­benen Got­teshauses.[1] Alles ist massiv und gewaltig an diesem Bauwerk. Wir können gerade nach der 7.15-Uhr-Schulmesse den Innenraum anschauen, ohne den Obolus beim Küster zu entrichten. Das Innere ist ro­manisch-schlicht, fast kahl. Jedoch der wuchtige Barockaltar wiegt das auf. Auch hier ist Wucht. Außer ein paar Bischofsgräbern und einigen Altären gibt’s in der Eile nichts zu sehn, denn der Domkustos wirft uns höflich raus.
[1] Karl Leisner dachte vermutlich an seinen Klassenaufsatz vom 28.1.1932 über das Nibelungenlied.

Im Studium begegnete er Worms in der Kirchengeschichtsvorlesung bei Professor Georg Schreiber.

Georg Schreiber: Kirchengeschichte des Reformationszeitalters
6. Es ist eine Verfälschung der tatsächlichen Zeitlage, wenn man sagt, der Anschlag der 95 Thesen Luthers an der Schloßkirche von Wittenberg sei etwa wie ein Blitz aus heiterem Himmel in das kirchliche Leben geschlagen und der Kirche völlig überraschend gekommen.
[…]
Auch der in Worms tätige Domprediger (1464) von Kaisersberg[1] kritisierte schon an einzelnen kirchlichen Lehren. Zu Worms wurde er aber daraufhin abgesetzt, jedoch schon einige Jahre später auf die Domkanzel von Mainz gerufen. Doch auch dort setzte man ihn nach zwei Jahren ab. Später zog er sich bis zu seinem Lebensende in ein Augustinerkloster zurück. Bibel und Vernunft sind für ihn die einzigen Quellen des Glaubens und der Wahrheit. Die Tradition wird endgültig abgetan. Ebenso wirft er das ganze Kirchen­recht (ius canonicum) und alle Konzilsdekrete als unnützen Ballast über Bord. In ihm ist ein starkes Sehnen nach der Urkirche zu verspüren.

[1] Offensichtlich handelt es sich um Johannes Ruchrath von Wesel, geboren zwi­schen 1400 und 1425 zu Oberwesel, gestorben 1481 (?) in Mainz.

Auf der Fahrt ins Allgäu (1. bis 28.8.1936) kam Karl Leisner erneut nach Worms. Über diese Fahrt sind in seinem Nachlaß keine Aufzeichnungen vorhanden. Im folgenden sind die Berichte aus dem Fahrtenbuch von Wilhelm Elshoff wiedergegeben.

Mainz, Mittwoch, 5. August 1936, 5. Tag
Um 11.15 Uhr standen wir vor dem Dom in Worms. Ein Führer zeigte uns die Gräber der deutschen Kaiser und Könige und machte uns auf beson­dere Se­henswürdigkeiten aufmerksam. Hinter Worms machten wir unsere Mittags­rast.

Auch Karl Leisners Eltern hatten Begegnungen mit Worms.

Rundbrief von Vater Wilhelm Leisner aus Kleve am Mittwoch, 7. Juni 1944, an seine Kinder und an die Verwandten in Heidelberg und Speyer:
Nach schön verlebtem Sonntag ging es Montag [5.6.] früh über Ludwigshafen nach Worms – zwei Stunden – nach Mainz – eine Stunde – Aufenthalt; dort bekam ich einen Eilzug, der mich so nach Köln brachte, daß mein Anschlußzug gerade aus dem Bahn­hof herausfuhr.

Donnerstag, 16. August 1945
Mutter Amalia Leisner:

Kurz vor 8.00 Uhr ab Eßlingen über Karlsruhe, Darmstadt, Worms, Frank­furt/M., Wiesbaden bis Oestrich/Rhein[1], übernachtet bei Familie Her­mann Fuhr­mann [? Römer­straße[2]]. (5.30 bis 6.00 Uhr heilige Messe)[3]
[1] Maria Leisner aus Oestrich am 16.8.1945 an Willi Leisner in Berlin:
Von Karl bekamen wir Mitte Juni Nachricht, daß er in Planegg bei München im Sanatorium sei. Gleich haben Vater und Mutter sich aufgemacht und sind 6 Tage mit dem Güterzug gefahren. Kannst du Dir Karls Freude vorstellen. Es war herrlich. Karl war aber so krank, daß er nicht zu retten war.
[2] Zur Familie Fuhrmann gehörten Katharina Fuhr­mann und ihr Bruder P. Balthasar Fuhrmann OFM.
[3] Leisner, Amalia: Notizen vom 9.7.1945ff./II, (Manuskript): 4

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Auf den Spuren der Nibelungen. Vom Reisen im Mittelalter bis zum modernen Nibelungentourismus

Unter diesem Motto präsentiert das Xantener SiegfriedMuseum vom 30. April bis zum 4. Oktober 2017 eine Sonderausstellung.

Heinz Kühnen berichtete darüber in der Rheinischen Post vom 28. April 2017 unter der Überschrift „Das SiegfriedMuseum Xanten dokumentiert ab Sonntag, wie mobil die Menschen schon im Mittelalter waren“.

Link zum Artikel

Link zur RP ONLINE vom 3. Mai 2017 – Wie Siegfried und die Nibelungen reisten

Link zum SiegfriedMuseum Xanten

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Nibelungen-Festspiele in Worms vom 4. bis 20. August 2017

Für die diesjährigen Nibelungenfestspiele in Worms inszenierte Nuran David Calis das neue Stück „GLUT – Siegfried von Arabien“ von Albert Ostermaier. Es folgt den Stücken „Gemetzel“ und „Gold“ aus den Vorjahren.

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Karl Leisner und Worms

Worms_JohannaDie F.A.Z. vom 2. Juni 2016 brachte im Reiseblatt einen Artikel von Gundula Werger unter der Überschrift „Derbe Szenen soll es geben – Aber der Dom ist der Star: Ein Spaziergang durch die Nibelungenstadt Worms und eine Vorschau auf die Nibelungenfestspiele.“

Link zum Artikel

Im Gespräch mit Gestaltern der vom 15. bis 31. Juli 2016 stattfindenden Nibelungenfestspiele begibt sich Gundula Werger mit dem Leser „auf Schatzsuche im goldenen Worms“. Sie führt ihn zu den Schauplätzen der einzelnen „Events“ durch die mittelalterliche Stadt. Dabei fehlen weder geschichtliche Hintergründe noch kulinarische Genüsse. Und im Mittelpunkt des gesamten Geschehens steht immer wieder der geschichtsträchtige Dom.

Im August 1932 besichtigte Karl Leisner auf der Fahrt mit seinen Freunden in die Schweiz die Stadt Worms.

Dienstag, 16. August 1932, 3. Tag
Ge­gen 16.30 Uhr starten wir nach Worms, nachdem wir uns vorher von uns­rem freundlichen Beherberger dankend verabschiedet hatten. Bald sind wir wieder auf der Straße längs des Rheins. Es ist ’ne Bullenhitze. Da sehn wir vor uns auf der Landstraß’ ’n Auto stehn. Wir fragen, ob sie uns nicht bis Worms mitnehmen könnten. Die Antwort war: „Ich glob’ ihr sit woll katho­lisch“ [Ich glaube, ihr seid wohl katholisch]. – Wir stellen unsre Rä­der an die Chaussee­bäume, ziehn uns die Badebux an und tummeln uns schwim­mend im Rhein rum. Hei, das tat gut. Über Guntersblum geht’s weiter. Wir sehn den Rhein nicht mehr von der Straße aus. Wir fahren, was das Zeug hält; denn wir hatten uns mit der Strecke doch etwas arg ver­schätzt. – Kurz vor Dunkelheit sind wir am Stadteingang von Worms. Da geht Manes [Her­mann Mies] der Träger kaputt. Er kommt zu Fuß nach. Wir fahren ohne Licht noch bis ungefähr zur DJH im Gymnasium [am Barbarossa­platz]. Gegen 21.00 Uhr sind wir da. Voll! – Wir können Notla­ger bekom­men. Egal, man rin! – Schnell kocht Willi einen Pfef­fer­minztee, wäh­rend ich für Brot etc. sorge. Gegen 22.00 Uhr sind wir fer­tig. Es geht auf die schmutzigen Stroh­säcke. Verflixt, was’n Mückenloch. Die ganze Nacht quä­len die Biester einen. Ge­pennt haben wir aber doch so leidlich.

Mittwoch, 17. August 1932, 4. Tag
In aller Herrgottsfrühe stan­den wir gegen 5.00–5.30 Uhr schon auf, brausten uns und verließen die JH gegen 6.00 Uhr, holten uns einen Ge­päckträger und so begann der 4. Tag.

Unser Morgenziel war der uralte Wormser Dom. Bald stehen wir vor ihm und stehen staunend vor der Wucht und Majestät des sagenumwo­benen Got­teshauses.[1] Alles ist massiv und gewaltig an diesem Bauwerk. Wir können gerade nach der 7.15-Uhr-Schulmesse den Innenraum anschauen, ohne den Obolus beim Küster zu entrichten. Das Innere ist ro­manisch-schlicht, fast kahl. Jedoch der wuchtige Barockaltar wiegt das auf. Auch hier ist Wucht. Außer ein paar Bischofsgräbern und einigen Altären gibt’s in der Eile nichts zu sehn, denn der Domkustos wirft uns höflich raus.
[1] Karl Leisner dachte vermutlich an seinen Klassenaufsatz vom 28.1.1932 über das Nibelungenlied.

Auch 1936 auf der Fahrt ins Allgäu (1. bis 28.8.1936) kam Karl Leisner nach Worms. Über diese Fahrt sind in seinem Nachlaß keine Aufzeichnungen vorhanden. Die folgende Notiz stammt aus dem Fahrtenbuch von Wilhelm Elshoff.

Mittwoch, 5. August 1936, 5. Tag
Um 11.15 Uhr standen wir vor dem Dom in Worms. Ein Führer zeigte uns die Gräber der deutschen Kaiser und Könige und machte uns auf beson­dere Sehenswürdigkeiten aufmerksam. Hinter Worms machten wir unsere Mittags­rast.

Während seiner Haft im Gefängnis von Freiburg beschäftigte sich Karl Leisner erneut mit den Nibelungen.

Dienstag, 28. November 1939
Karl Leisner aus dem Gefängnis in Freiburg/Br. an seine Familie in Kleve:
Meine Lieben daheim!
Bis 19.00 Uhr bete und lese ich dann noch. Die letzte halbe Stunde in einer „Deutschen Helden­sage“[1]. Die Nibe­lungen und Gudrun habe ich schon gelesen. Das ist herrlich.

[1] vermutlich Weiß, Eckehart: Nibelungen- und Gudrun­lied, Leipzig 1922

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Ob Karl Leisner dieses Buch gefiele?

NibelungenBuchSteinfest, Heinrich: Der Nibelungen Untergang
Mit einem Storyboard von Robert de Rijn
120 S. 60 Ill.
Geb. mit Schutzumschlag. Format 16 x 24 cm
ISBN: 978-3-15-010949-6
EUR (D): 19,95

Link zum Buch

 

 

 

Unter der Überschrift „Die Sage, in der Siegfried zum Zwerg wurde. Der Schriftsteller Heinrich Steinfest, bekannt für seine Krimis, hat das Nibelungenlied nacherzählt. Dafür hat er sich allerlei Beistand geholt, von Tom Cruise bis zu Michael Jackson. Und die Tarnkappe erklärt er zum Fetisch. Kann das gutgehen?“ rezensierte Joachim Heinzle das Buch von Heinrich Steinfest in der F.A.Z. vom 29. Januar 2015 und kommt zu dem Schluß: „Das Fazit bleibt trübe. Steinfest hat nicht nur Siegfried geschrumpft, er hat das ganze Epos verzwergt. Mag sein, dass er damit einen Nerv getroffen hat. Jede Zeit hat das Nibelungenlied, das sie verdient.“

Link zum Artikel unter „Rezensionen” bei buecher.de

Karl Leisner und Siegfried
Xanten gilt als einer der Geburtsorte des legen­dären Siegfried. So lernte es auch Karl Leisner in der Schule.

 

zweite Seite des Aufsatzes

zweite Seite des Aufsatzes

Bei der Viktortracht in Xanten 1936 wurde das Laienspiel „Die Ritterweihe Sieg­frieds“ von Franz Johannes Weinrich aufgeführt.[1] Aus dem Jahr 1936 sind im Nachlaß von Familie Leisner kaum schriftli­che Unterlagen vorhanden. Insofern ist nicht klar, ob Karl Leisner dieses Spiel gesehen hat. Aber er hat sicherlich darüber in der Zeitschrift Am Schei­de­wege gelesen.
[1] Weinrich, Franz Johannes: Die Ritterweihe Sieg­frieds. In: Das Xantener Domspiel, Frankfurt/M.: St. Georgs-Verlag 1936, S. 41–50.
Das Xantener Domspiel enthält sechs Teile: 1. Teil Die Legende vom Stabe des heiligen Petrus, S. 5–17 – 2. Teil Das Martyrerspiel, S. 18–32 – 3. Teil Helena, Kaiserin und Herbergswirtin, S. 33–40 – 4. Teil Die Ritterweihe Siegfrieds, S. 41–50 – 5. Teil Das Spiel vom hl. Bonifatius, S. 51–69 – 6. Teil Das Zeugnis der Zeiten und Geschlechter, S. 70–80

Siegfried

 

 

Szene aus dem Xantener Domspiel „Die Ritterweihe Siegfrieds“

 

 

 

 

Im Spiel spielen, sprechen und singen: Sieg­fried, der Bischof, der Priester Gerold, der Diakon, der Subdiakon, vier Gefährten Sieg­frieds, Gefolge und Sängerknaben.

Schueler_1936

 

 

Xantener Domspiel „Die Ritterweihe Siegfrieds“: Die Sängerknaben

 

 

 

 

Das Spiel griff den Siegfried-Mythos auf und stellte in äußerst pathetisch-nationalistischer Wei­se Sieg­fried als Beschützer der (katholischen) Kirche gegen die heidnischen Hunnen unter König Etzel dar.

In seiner Predigt am 6. September 1936 ging Bischof Clemens August Graf von Galen auf die Thematik Viktor und Siegfried ein:
„Victor“ heißt auf deutsch „Sieger“. Als Held, als Sieger wurde St. Victor hier verehrt, lange ehe die deutsche Sage ihrer schönsten Helden­gestalt, dem edlen Siegfried, Xanten als Hei­mat gab. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die dichtende Sage gerade darum Xanten zur Heimat Siegfrieds gemacht hat, weil alle deut­schen Gaue davon wußten, daß in Xanten tat­sächlich einst ein Held, ein Sieger gelebt hat, und weil damals schon Jahrhunderte lang St. Victor, der sieghafte Held in Xanten, die höch­ste Verehrung genoß.[1]
[1] Löffler, Peter: Bischof Clemens August Graf von Galen, Akten, Briefe und Predigten 1933–1946. 2 Bde., Pader­born 21996: Bd. I, S. 439f.

Gegen die Siegfriedsage stellte der Bischof die Grabfunde im Dom als wissenschaftlich bewiese­nes, christliches Martyrertum.

Dr. Michael Knieriem vom Stadtarchiv Xanten am 21. Juni 2012 an Hans-Karl Seeger:
Erst nachdem das Nibelungen-Lied (um 1780 durch Jakob Hermann Obereit [1725–1798]) entdeckt worden war und sein Wert als Zeug­nis der aufscheinenden deutschen Natio­nal­lite­ratur erkannt wurde und in einer Über­tragung von Karl Simrock [1802–1876] popularisiert wurde, begann die Stadt Xanten selbst sich der Wer­bewirk­samkeit Siegfrieds zu Be­ginn des 20. Jahrhunderts und dann vollends im Dritten Reich bewusst zu werden. Aber bereits im 19. Jahrhundert gab es Ver­suche, auf Siegfrieds Heimat hinzuweisen. (Vgl. den Aufsatz von Friedrich Engels: Sieg­frieds Hei­mat (Hamburg 1840), wobei nicht uninter­essant ist, dass Engels als Erster vom St. Viktors Dom in der Literatur spricht).

Spuren der Siegfriedsage finden sich in Xanten noch in den Namen von Straßen und Gebäuden:

  1. Siegfriedmuseum (ehemals Nibelungen(h)ort), Kurfürstenstraße 9
  2. Kriemhildmühle
  3. Nibelungenrelief in der Nähe der Kriemhild­mühle
  4. mehrere Straßenbenennungen (Siegfriedstraße, Kriemhildstraße, Guntherstraße, Brunhild­straße)
  5. Siegfriedbrunnen auf dem Marktplatz
  6. Steinskulptur „Nibelungentor“ auf dem Nibe­lungen­platz (Kreisverkehr in der Nähe des Ein­gangs zum Archäologischen Park)
  7. Hotel Nibelungenhof, Niederstraße 1
  8. ehem. Nibelungenbad der Freizeitzentrum Xanten GmbH in Xanten-Wardt

Laut Auskunft von Dr. Michael Knieriem und Klaus Haan vom Stadtarchiv Xanten stammen alle genannten Straßenbezeichnungen und Ge­bäude­­namen aus dem 20. Jahrhundert. Es gibt weder archäologische noch archivalische Über­reste, Spuren oder Belege bezüglich der Existenz eines historischen Siegfrieds. Alle Namen sind Se­kun­därbildungen, die an ein Ereignis bezie­hungs­weise an Personen erinnern. Lange Zeit geisterte auch der Irrtum durch die Literatur, das Relief des St. Vik­tor vor dem Dom stelle Sieg­fried dar.[1]
[1] Seeger, Hans-Karl: Karl Leisner und der Xantener Dom, Rees 2012, S. 17 – 26

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„In Xanten spielt ein Kind mit der Pumpgun“

cover2Unter dieser Überschrift besprach Tilman Spreckelsen in der F.A.Z. vom 26. November 2016 das Buch

Ulrike Draesner
Nibelungen . Heimsuchung. Illustrationen von Carl Otto Czeschka. Originalausgabe. Hardcover mit Prägung. Format: 17,5 x 25 cm. 130 S. (ISBN 978-3-15-011005-8)

Link zur PDF des Buchmusters (Maquette)

Link zum F.A.Z.-Artikel unter Rezensionen bei buecher.de

Link zum Artikel von Michael Braun „Das tosende Licht“ – Ulrike Draesners poetische Neuinterpretation des Nibelungen-Epos unter signaturen-magazin.de

Link zum Gespräch von Jan Drees mit Ulrike Draesner vom 10. Oktober 2016 im Deutschlandfunk – „Ein Schatzstück aus dem Schatz der Nibelungen“
In dem Gedicht „feld elternlos“ von Ulrike Draesner heißt es am Ende
„in ihrem letzten traum zu ihrem kind
das in xantens hag mit der pump
gun spielt“

Link zum Gedicht unter poetenladen.de