29.12.2019

 

O felix culpa - O glückliche Schuld

Was für eine gewagte Zusammenstellung von Glück und Schuld! Das Exsultet der Osternacht ruft uns diese Botschaft zu. Können wir sie glauben?

Wenn es so ist, beginnt Schuld zu leuchten und Sünde zu strahlen. Nachdem es dunkel war, geht die Sonne wieder auf.

„Wer recht in den Willen Gottes versetzt wäre, der sollte nicht wollen, daß die Sünde, in die er gefallen, nicht geschehen wäre“, formuliert Meister Eckehard (1260-1328); unter anderem wurde er wegen dieser Äußerung von der Inquisition verurteilt.

Der Schwerpunkt liegt auf „Wer recht in den Willen Gottes versetzt wäre“. Der Sünder muß also Reue erweckt und sich bekehrt haben.

Ein Sprichwort lautet: „Wem man die Dämonen austreibt, dem treibt man auch die Engel aus.“

Blaise Pascal (1623-1662) formuliert im Fragment 140: „Der Mensch ist weder Tier noch Engel, und das Unglück will, daß wer zum Engel werden will, zur Bestie wird.“

Wir können nicht fehlerlos leben, sollten aber aus jedem Fehler lernen und ihn nicht noch einmal machen.

Glück und Schmerz

Friedrich von Schiller (1759-1805)

Drum, willst du dich vor Leid bewahren,
So flehe zu den Unsichtbaren,
Daß sie zum Glück den Schmerz verleihn.
Noch keinen sah ich fröhlich enden,
Auf den mit immer vollen Händen
Die Götter ihre Gaben streun.