Öl

Öle haben im religiösen Leben eine große Bedeutung. Schon in unserem Namen „Christen“ wird deutlich, daß wir Gesalbte sind, und Johannes sichert uns zu, daß diese Salbung in uns bleibt (vgl. 1 Joh 2,27).

Während uns das Wasser in seiner natürlichen Form begegnet, verhält es sich bei Wein und Öl anders. Beide befinden sich in lebendigem Gewebe, müssen aber erst daraus gewonnen werden; sie sind also Kulturprodukte.

Öl ist Speise für das Licht. In den Katakomben entzündeten die ersten Christen kleine Öllämpchen, aber nicht nur des Lichtes, sondern auch des Duftes wegen.

In der Natur dient Öl als Vorratsstoff und bewahrt den Samen vor Fäulnis. Alle Kulturen haben dem Öl reinigende, heiligende und das Böse abwehrende Wirkung zugeschrieben.

Könige, Propheten und Priester wurden und werden mit dieser vollkommenen Substanz gesalbt, weil sie das Vollkommene und Höchste repräsentieren.

Nichts außer Brot und Wein erhält eine so bedeutsame Weihe wie das Öl. In der katholischen Kirche geschieht dies durch den Bischof in der Chrisam-Messe am Gründonnerstag. So geweihtes Öl besitzt Segensgewalt. Ein armenischer Theologe formulierte: „Der Heilige Geist ist im Chrisam so gegenwärtig wie Christus in Brot und Wein.“

Wir kennen heute drei Arten von geweihtem Öl: Krankenöl, Katechumenenöl und Chrisam.

Salbung mit Öl ist ein urmenschlicher Akt der alten Volksmedizin. Die Krankensalbung symbolisiert den Beistand des Heiligen Geistes.

Katechumenenöl dient zur Salbung der Taufbewerber. Es ist eine Stärkung gegen den Satan und die Sünde; denn Öl macht den Körper geschmeidig und gelenkig zum Kampf und erschwert dem Gegner ein festes bezwingendes Zugreifen.

Chrisam gilt als das kostbarste Öl, ihm ist Balsam beigemischt. Mit Chrisam wird bei der Taufe, bei der Firmung und bei der Priester- und Bischofsweihe gesalbt. Auch Kirchen, Altäre und liturgische Geräte werden durch die Salbung mit Chrisam geheiligt.

Ist mir als Christ bewußt, daß ich gesalbt bin?