16.9.2022

Ohne Schatten wüßten wir nicht, was Licht ist

Das Leben ist gefüllt mit vielen Dingen, wunderbaren, schlechten und neutralen. Das Beste am Leben ist, am Leben zu sein. Aber der Tod ist genauso wichtig, weil es ein Ende geben muß, um etwas Neues zu beginnen.

Im Prinzip ist Leben ständig etwas Neues, zum Beispiel der Wechsel von Licht und Schatten.

„Es ist nichts schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen“, lautet ein Sprichwort. Gott ist der Zusammenfall der Gegensätze, aber seine Schöpfung ist polar. In ihr gibt es das „Sowohl - als auch“, das jeder Mensch respektieren sollte. Damit gäbe es Frieden auf Erden. Aber das war offensichtlich schon im Anfang nicht möglich, als Kain seinen Bruder Abel tötete (vgl. Gen 4,8).

Das Leben ist ohne Probleme auch nicht leichter.

 

Chinesischer Dichter und Philosoph Tschuang Tse 300 v. Chr. G.:
Es war einmal ein Mann, den verstimmte der Anblick seines eigenen Schattens so sehr, der war so unglücklich über seine eigenen Schritte, daß er beschloß, sie hinter sich zu lassen.
Er sagte sich: Ich lauf ihnen einfach davon. - Aber jedesmal, wenn er seinen Fuß aufsetzte, hatte er wieder einen Schritt getan, und sein Schatten folgte ihm mühelos.
Er sagte zu sich: Ich muß schneller laufen. Also lief er schneller und schneller, lief so lange, bis er tot zu Boden sank.
Wäre er einfach in den Schatten eines Baumes getreten, so wäre er seinen eigenen Schatten losgeworden, und hätte er sich hingesetzt, so hätte es keine Schritte mehr gegeben. Aber darauf kam er nicht..