Ostermontag 22.4.2019

Sie erkannten ihn, als er das Brot brach (Lk 24,31)

Schriftstellen:
Erste Lesung: Apg 2,14.22-33
Zweite Lesung: 1 Kor 15,1-8.11
Evangelium: Lk 24,13-35

Kurt Marti (1921-2017):
Ein Grab greift tiefer als die Gräber gruben,
denn ungeheuer ist der Vorsprung Tod.
Am tiefsten greift das Grab,
das selbst den Tod begrub,
denn ungeheuer ist der Vorsprung Leben.

Jeder von uns wird das kennen: Wir haben etwas von einem Menschen erwartet und werden ent­täuscht, wir wollten etwas aus uns machen, aber es ist uns nicht gelungen.

Wie gehen wir mit solchen Enttäuschungen um? Bleibt alles beim alten? Oder ändert sich doch etwas? Geht es doch irgendwie weiter, aber wie?

Die Emmausjünger haben so etwas erlebt: „Wir aber hatten gehofft ...“, und Jesus sagte zu ihnen: „Mußte nicht der Messias all das erlei­den?“

Was Kurt Marti in seinem Gedicht zum Ausdruck bringt, mußten die Emmausjünger noch lernen. Wir hörten heute im Evangelium von der Erfahrung der Jünger mit dem Auferstandenen. Sie erlebten den Ablauf einer Heiligen Messe mit „Wortgottesdienst“ und „heiligem Mahl“, indem Jesus ihnen die Schrift erklärte und das Brot mit ihnen brach.

Es war alles so hoffnungs- und verheißungsvoll, wie sie Jesus erfahren hatten und was er für sie bedeutete. Nun war alles vorbei, und sie verließen Jerusalem. Das Ereignis der Kreuzigung muß für sie und für alle, die auf Jesus gesetzt hatten, niederschmetternd gewesen sein.

Nun ist er wieder bei ihnen, aber wie die Frauen am Grab erkennen auch sie ihn nicht.

Die beiden Jünger erleben auf wunderbare Weise einen unbekannten Fremden. Er öffnet ihnen die Augen des Herzens, es brennt in ihnen, aber sie erkennen ihren Begleiter nicht. Dennoch scheinen sie zu spüren, daß da etwas Besonderes im Gange ist; denn sie wollen nicht von ihm lassen: „Herr, bleibe bei uns; denn es will Abend werden, der Tag hat sich schon geneigt!“

Sie setzen sich zu Tisch, das Brot knackt beim Brechen, Jesus spricht den Lobpreis darüber und teilt es aus. In diesem Moment gehen ihnen die Augen auf, und sie erkennen Jesus, weil sie vermutlich neben den zwölf Aposteln und vielleicht sogar Frauen auch beim Abendmahl dabei waren. Nun feiert Jesus mit ihnen das Brotbrechen.

Wieso knackt das Brot? Vermutlich war es kein übliches, sondern ohne Sauerteig zubereitetes Brot, wie die Juden es bei der Flucht aus Ägypten kennengelernt hatten. Israel feiert jedes Jahr das Fest der ungesäuerten Brote, in Erinnerung an das Brot der Befreiung aus dem Sklavenhaus Ägyptens, hart und heilig. Es mußte gebrochen werden.

Ich habe lange Zeit angenommen, es sei die unvergleichliche Art und Weise, wie Jesus das Brot brach, woran die Jünger ihn erkannten. Inzwischen habe ich dazugelernt, daß es das knackende Geräusch war.

Bis heute noch ist das Brot für die heilige Messe ungesäuert, und es knackt.

Im heutigen Evangelium erfahren wir, daß Jesus im Brotbrechen gegenwärtig wird. Die ersten Christen sagten nicht: „Wir gehen zur Kirche“, oder „Wir gehen zur Messe“, sondern „Wir gehen zum Brotbrechen.“

Nachdem die Jünger Jesus erkannt hatten, war er nicht mehr zu sehen und doch gegenwärtig, übergegangen in das ungesäuerte Brot, von dem er behauptet hatte: „Das ist mein Leib!“

Jesus will auch von uns erkannt werden, sich an uns in der heiligen Kommunion verschenken. Die Auferstehung selbst wird nicht beschrieben, aber wir dürfen sie glauben, was mehr ist als wissen. Der Auferstandene lebt und ist jetzt bei uns. Er schenkt uns sein Wort und kommt uns nahe im Brotbrechen und als Speise in unserem Mund und damit in unserem Herzen. Ihm sei Dank für dieses große Geschenk!

Predigt in Billerbeck am Ostermontag 2019