13.1.2022

 

Panentheismus

Panentheismus (griech. πᾶν „alles“ und ἐν θεῷ „in Gott“)

Ein Beispiel für die Sehnsucht nach Einheit ist die Mutter-Kind-Beziehung. Manche Mutter kann ihr Kind nicht loslassen, manches Kind nicht die Mutter. Hier zeigt sich, daß im Ursprung alles eine große Einheit ist.

Wenn Kleinstkinder ein Kuscheltuch oder eine Puppe nicht loslassen können, so vermutet man darin einen Ersatz für die Plazenta der Mutter. Wir neigen dazu, zu trennen oder gar abzutrennen und spielen nicht selten das Getrennte gegeneinander aus.

Ursprünglich haben die Mütter wahrscheinlich ähnlich wie die Kängurus ihr Baby immer bei sich getragen. In den ersten Hochkulturen trennte man die Kinder tagsüber von ihren Müttern. Später verbannte man sie nachts in eine Wiege, wodurch man ihnen den beruhigenden Körperkontakt mit der Mutter völlig entzog.

Wissenschaftler meinen, „das tobende Baby in uns sei die Ursache für die universelle Neigung zu Gewalt, Krieg und Krankheit – verstanden als Krieg gegen uns selbst“.

Für mich zeigt sich an diesem einen Beispiel der Mutter-Kind-Beziehung deutlich, daß letztlich alles eine große Einheit ist in Gott, eben Panentheismus.

Gregor von Nyssa (um 335/340-nach 394)

Gebet

Mit welchem Namen soll ich dich anrufen, der du über allen Namen bist?

Du, der „Über alles“, welchen Namen soll ich dir geben?

Welcher Hymnus kann dein Lob singen?

Welches Wort von dir sprechen?

Kein Geist kann in dein Geheimnis eindringen, kein Verstand dich verstehen.

Von dir geht alles Sprechen aus, aber du bist über aller Sprache,

von dir stammt alles Denken, aber du bist über allen Gedanken.

Alle Dinge rufen dich aus, die stummen und die mit Sprache begabten.

Alle Dinge vereinen sich, dich zu feiern, das Unbewußte und das, was bewußt ist.

Du bist das Ende aller Sehnsüchte und allen schweigenden Strebens.

Du bist das Ende allen Seufzens deiner Schöpfung.

Alle, die deine Welt zu deuten wissen, vereinen sich, dein Lob zu singen.

Du bist beides; alles und nichts, nicht ein Teil, auch nicht das Ganze.

Alle Namen werden dir gegeben, und doch kann keiner dich fassen.

Wie soll ich dich also nennen, du, der du über allen Namen bist?

 

Bernhard von Clairvaux (1090-1153)

Wenn Gott und Mensch allseitig ineinander haften,

sie haften dann einseitig ineinander,

wenn sie in innigster und gegenseitiger Liebe sich einander einverleiben,

dann behaupte ich,

daß dadurch ohne Zweifel Gott im Menschen und der Mensch in Gott ist.

 

Wer hat mir das wohl schon mit 14 Jahren vermittelt?