29.10.2021

Perfekt oder nur gut

Ist gut nicht gut genug? Nicht selten aber legt man uns nahe, perfekt zu sein. Manchmal erwartet man sogar, daß wir es sind. Diesen Anspruch können wir aber nicht erfüllen, weil es perfekt nicht gibt. Ein spiritueller Begriff dafür ist Vollkommenheit, und diese schreiben wir Gott zu.

Mir persönlich reicht die vollkommene Unvollkommenheit. Im Buddhismus versehen die Künstler ihr Kunstwerk mit einem kleinen Makel, weil ihnen das Vollkommene nicht zusteht.

Die Spirale war für Friedensreich Hundertwasser (1928-2000) ein Symbol des Lebens. Die gerade Linie, die es in der Natur nicht gibt, betrachtete er als „Werkzeug des Teufels“. Den vollkommenen Kreis gibt es auch nicht in der Natur. Johannes Kepler (1571-1630) meinte, die Planeten hätten eine kreisförmige Umlaufbahn um die Sonne, bis er erkannte, daß sie sich auf einer elliptischen Bahn bewegen.

Viele Menschen versuchen, perfekt zu sein. Aber wer perfekt ist, ist nicht er selbst. Es gehört schon Mut dazu, anders zu sein. Das fängt mit der Kleidung an und setzt sich fort in dem Prozeß der Selbstwerdung.

Siehe auch Die vollkommene Unvollkommenheit – Der Perfekte macht sich selbst fertig.

 

„Die Unvollkommenheit des Kindes besteht erstens darin, daß es das Schreckliche nicht kennt; und daraus folgt zweitens, daß ihm vor dem graut, was nicht schrecklich ist.“ (Søren Kierkegaard 1813-1855)

Siehe auch Wert des Unvollkommenen.