Rot

Wer sich an den Tod Jesu Christi erinnert, hat sehr schnell das Rot des vergossenen Blutes vor Augen.
Doch gleichzeitig ist Rot auch die Farbe der Freude, die an die Auferstehung Christi denken läßt; in Erinnerung daran färben die griechisch-ortho­doxen Christen ihre Ostereier nur rot.

Rot ist als Ersatz für Blut die Farbe des Le­bens. Der rote Mars und die rote Aphrodite zeugen Harmonia. Im Hebräischen haben die Worte Blut und Rot denselben Ursprung. In der Frühzeit brachte man Rot auch mit dem Tod in Ver­bindung; die Toten wurden rot bemalt. Roter Ocker war vermutlich die erste Farbe, die in großem Ausmaß verwendet werden konnte.

Rote Kleidung durfte nicht von allen getragen werden; denn Rot war zunächst die Farbe der Ritter und Krieger, später auch die der Ge­richtsbarkeit. In Rom entwickelte sich aus der roten Tracht des Kriegers die des höheren Beamten. Die rote Tracht des Kriegers sollte seinen Mut beeinflussen. Rot signalisiert Begeisterung und Kampfesmut. Es macht ag­gressiv, wirkt erregend, stimulierend, antrei­bend, drückt vitale Kraft und Selbstvertrauen aus. Bei Rot steigt der Blutdruck, das Herz schlägt schneller, das Atmen ist hastiger.

Rot ist die erste Farbe, der der Mensch einen Namen gab und damit die älteste Farbbezeichnung in den Sprachen der Welt. In jeder Altersgruppe ist Rot der Favorit unter den Farben. Kinder bis zu 12 Jahren nennen es häufig als ihre Lieblings­farbe. Nach der Empfindung für das helle Weiß und das dunkle Schwarz scheint die Empfindung für Rot sich sehr früh entwickelt zu haben. Den Naturmenschen haben Weiß, Schwarz und Rot in seiner Phantasie am meisten beschäftigt. Als die Menschen drei weibliche Gottheiten ver­ehrten, ordneten sie diesen die Farben Weiß, Schwarz und Rot zu. Auch in dem Märchen Schneewittchen wünscht sich die Köni­gin „ein Kind, so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie das Holz an dem Rahmen“. Rot ist nach Weiß und Schwarz die erste echte Farbe. Kennt ein Volk nur zwei „Farben“, dann sind es Weiß und Schwarz, die dritte ist in jedem Fall Rot.

Der „Rote Teppich“ ist flaggenrot. Wer darauf steht, hat es weit gebracht. Rot erscheint als häufigste Farbe in den Flaggen der Erde. Auf diesem Weg wurde Rot die Farbe der Revolu­tion. Im Mittelalter verlor sie ihren kriegerischen Glanz, und wurde zur Farbe der Liebe. Parzival besiegt den roten Ritter; er legt zwar selbst die rote Rüstung an, aber er ist kein Krieger mehr, sondern einer, der Gnade und Erleuchtung sucht. Später verkommt die Farbe der ritterlichen Minne zur Farbe der Dirnen, die mit einer roten Laterne auf sich aufmerksam machen.

Als Farbe der Liebe gehört Rot auch zum Hochzeitsbrauch und als Ausdruck psychischer Erregung zu weiteren fröhlichen Anlässen, vor allem in Bezug auf zahlreiche Accessoires.

Als Farbe der Bewegung offenbart sie sich uns in der Natur beim Auf- und Untergang der Sonne.

Rot gilt auch als Signalfarbe. Rote Autos sieht man schneller als andersfarbige. Bei Verkehrszeichen verweist Rot auf Gefahr und ermahnt zur Vorsicht. Einerseits ist Rot die Farbe der Verlockung und der Liebe, andererseits sieht ein zorniger Mensch rot und wird aggressiv. Der Teufel ist rot, weil die Götter Donar und Wotan rot waren. Als diese im Christentum zu Teufeln abgewertet wurden, behielt der Teufel die rote Farbe: Rot ist sein Haar, sein Bart, sein Rock und seine Mütze. Mit Blut oder roter Tinte unterschreibt man den Teufelspakt.

Rote Meßgewänder verdeutlichen den beson­deren Charakter eines Festes im Verlauf des liturgischen Jahres, wenn die Kirche des Heiligen Geistes oder des Martyriums eines Heiligen gedenkt.

Was bedeutet für mich die Farbe Rot?