28.2.2019

Scivias – Wisse die Wege (10)

Die Füße unter jemandes Tisch stellen bedeutet Abhängigkeit

Der Fuß leistet mehr Sklavendienste als die Hand, deswegen ist ein Fußtritt auch entehrender als ein Schlag mit der Hand. Der Fußtritt einer vornehmen Frau für einen Diener gehört zu den Symbolen der Hauptsünde des Zornes.

Unsere Füße tragen den Körper und ermöglichen die Fortbewegung. Sie tragen uns über die Erde, jeden Menschen an einen anderen Ort, führen uns aber auch zusammen. Sie haben ein eigenes schicksalkundiges Wissen. Wir müssen alle unseren Schicksalsweg gehen, und das verlangt starke Füße.

Wir sprechen oft von Gottes Händen, aber nur sehr selten von seinen Füßen. Wir wissen von den Fußabdrücken, die Jesus bei seiner Himmelfahrt im Felsenboden hinterlassen hat. In manchen Himmelfahrtskirchen gibt es sogenannte Herrgottstritte.

Fußabdrücke heiliger Personen erinnern in allen Teilen der Welt an besondere Ereignisse. Auf der Via Appia zeugen sie zum Beispiel von der Begegnung Jesu mit Petrus. Buddhas Fußabdruck ist in ganz Asien verbreitet. Er soll den Betrachter nicht nur erinnern und belehren, sondern vielleicht sogar erleuchten.

Quelle des Fotos: Wikimedia Commons / Author: Oliver Raupach / CC BY 2.5 (abgerufen 21.2.2019)

Aber es gibt auch Teufelstritte, so zum Beispiel in der Marienkirche in München.

Von Bedeutung ist auch der Unterschied zwischen linkem und rechtem Fuß. Schon die Römer achteten darauf, mit welchem Fuß sie aufstanden oder etwas betraten. Es mit dem rechten Fuß zu tun, brachte Glück, mit dem linken Fuß verhieß es Unglück. Vor der Liturgiereform betrat man die Altarstufen mit dem rechten Fuß beginnend, um auch oben mit rechts anzukommen.

Stehen meine Füße unter meinem eigenen Tisch?