19.2.2019

Scivias – Wisse die Wege (2)

Der Weg führt in die Ferne

Der Erwachsene richtet seinen Blick auf das Ziel, vor allem auf das Erreichen des Ziels. Da er rasch ankommen will, setzt er sich immer mehr und neue Ziele. Viele Menschen scheitern allerdings an ihrer Unfähigkeit, erreichbare Ziele zu finden. Das Ziel des Lebens läßt sich nur dann erreichen, wenn wir unterwegs bleiben. Ein Kind ist auf den Weg ausgerichtet. Hier und da stolpert es und entdeckt dadurch Neues.

Das letzte Ziel aller Wege ist Gott. Er ist schon in uns daheim, nur wir sind noch in der Fremde.

„Halt an, wo läufst du hin? Der Himmel ist in Dir!
Suchst Du Gott anderswo – du fehlst ihn für und für!“ (Angelus Silesius, 1624-1677)

Das Ziel bestimmt die Beschaffenheit des Weges: steil, schmal, weit oder eben. Manche Menschen suchen den Weg hier auf Erden, andere beobachten ihn in Ruhe am Himmel, indem sie den Gang der Gestirne verfolgen.

Ein Weg läßt sich sowohl als ein vom Menschen geschaffenes und angelegtes Objekt bezeichnen als auch als ein Lebewesen, das sich schlängelt, steigt, fällt oder abbiegt.

 

Eine Brücke auf dem Weg erinnert an Übergangssituationen des Lebens.

Es ist gut, auf natürlichem Boden zu gehen. Aber auch ein gemusterter Boden hat seine Bedeutung, er leitet zum aufmerksamen Gehen an. Kinder bringen manchmal sogar etwas Magisches in ihren Weg, indem sie zum Beispiel nur jede zweite Pflasterplatte betreten „dürfen“.

 

Wie schön ist ein ins Pflaster eingebrachtes Muster. Die Beine und Füße wollen nicht mehr geradeaus, sondern entsprechend dem Muster mit dem Pflaster Kreise ziehen, im Zickzack gehen oder einem Mäanderrhythmus folgen. So ist es zum Beispiel beim Labyrinth in der Kathedrale von Chartres oder auf dem Vorplatz der Kirche Heilig Geist in Münster.

War das Labyrinth schon einmal mein Weg?