18.2.2019

Scivias – Wisse die Wege (1)

Scivias ist ein 1151 oder 1152 entstandenes illustriertes Werk christlicher Mystik von Hildegard von Bingen OSB. Sie beschreibt darin insgesamt 26 selbst erlebte religiöse Visionen. Es ist ihr Erstlingswerk und gilt als eines ihrer bekanntesten Bücher.

Der Weg
Der Weg zeigt die Richtung an und verbindet Anfang und Ende, er verlangt eine Entscheidung, wenn er an Weggabelungen und Kreuzungen führt, so zum Beispiel in der Lehre von den zwei Wegen (Ps 1, Mt 7,13f, Jer 21,8) und in der Botschaft der Federn: Wanderburschen bliesen an Wegkreuzungen eine Feder in die Luft und folgten ihrer Bahn.

Das Kreuz Jesu Christi ist das Ende aller Kreuzungen und Durchkreuzungen in unserem Leben. Wichtig ist, daß wir unser Kreuz aus freiem Willen auf uns nehmen und aktiv an der Bewältigung unserer jeweiligen Problematik mitarbeiten. Auch der Held im Märchen ist nicht nur passiv begnadet, sondern muß sich ebenfalls aktiv selbst entscheiden.

Es gibt den Weg der Frommen und den Weg der Ruchlosen. Letzterer führt ins Nichts, verläuft sich, führt in den Abgrund, wird zum Nicht-Weg oder zum Unweg (Ps 1,6).

Wir wissen mehr von den falschen als von den richtigen Wegen. Umkehr beginnt mit der Auswegsuche. Wer ein Ziel weiß, ist statt leerer Schritte oder im Kreis Laufen bereits auf einem richtigen Weg.

Wer ein Ziel verfolgt, muß planen, den rechten Weg und die dafür notwendigen Mittel suchen. Zum Weg gehört ein Ziel, dieses ist charakterisiert durch das Unterwegssein und das Noch-nicht-Angekommensein. Es schließt auch das Leiden ein, und es gibt immer mehrere Wege zum Ziel. „Viele Weg führen nach Rom.“ Die kürzeste Verbindung zwischen Start und Ziel ist nicht unbedingt der richtige Weg, daher ist es nicht sinnvoll, einfach loszugehen.

Solange es Zeit gibt und uns in der Zeit, sind wir noch nicht angekommen. Aber es gibt auch die Vorstellung von der ewigen Wanderschaft der Verstorbenen. Die Totenleuchten auf den Friedhöfen sind dafür ein Zeugnis. Diese Leuchten bringen den Toten das Ewige Licht, das die Menschen in den Gotteshäusern noch nicht sehen können.

Xanten/D

 

Sarlat/F

 

Fenioux/F

Bin ich auf dem rechten Weg?