19.5.2022

Unsere Erinnerung

Unsere Erinnerung ist keine Kopie des Gewesenen, sondern ein sich ständig wandelndes Ereignis. Dieses ändert sich, mischt sich mit unseren Wünschen und kann sich so verwandeln, daß es mit dem tatsächlichen Geschehen nicht mehr viel gemeinsam hat. Das zeigt sich zum Beispiel an den unterschiedlichen Erinnerungen der Menschen zu ein und demselben Ereignis. Jeder speichert es in seinem Gehirn ab, wie er es persönlich erlebt hat. Dabei handelt es sich aber nicht um eine digitale Eins-zu-eins-Kopie. Unser Speicher läßt sich eher mit einem Kornspeicher vergleichen, in dem sich das frische Korn durch Ablagerung verändert.

Der Hirnforscher Wolf Singer (* 1943) formuliert: „Erinnerungen sind datengestützte Erfindungen“.

In dem Buch „Ghosting“ von Tina Soliman heißt es: „Unser Gedächtnis ist keine Videothek, sondern ein Mosaik, das immer wieder neu zusammensetzt wird. Jedes Bruchstück kann richtig sein oder verzerrt oder aus einem völlig anderen Zusammenhang stammen.

Siehe auch Wieviel Verlaß ist auf unsere Sinne?
und
Schaltzentrale Gehirn – Wie tickt unser Gedächtnis?