25.12.2019

Geschenkfülle zu Weihnachten

Nicht selten „stapeln“ sich kunstvoll verpackte Geschenke im Übermaß unter dem Weihnachtsbaum. Aber sehr vielen Menschen ist gar nicht mehr bewußt, warum sie sich zu Weihachten gegenseitig beschenken. Manchen wird es sogar schon zu viel, und sie vereinbaren, sich nichts mehr zu schenken.

Die Christen gedenken der Menschwerdung Gottes in Jesus und betrachten genau das als ein Geschenk.

Beschenkte rätseln, was wohl in einem Paket, das im vollen Glanz auf dem Gabentisch liegt, enthalten sein könnte.

Als Kind ließ ich es mir nicht nehmen, die Schleife ganz behutsam aufzuziehen und den Knoten zu lösen. Die Umhüllung ließ soviel von dem Umhüllten erahnen. War es vielleicht das gewünschte Geschenk? Manchmal war es ganz spannend, wenn sich nach dem Lösen der Umhüllung noch ein in Geschenkpapier verpacktes Paket zeigte.

Anthropologen nehmen an, daß Menschen, bereits lange bevor sie Waren tauschten, einander Geschenke machten. Folglich scheint Schenken zwar ein menschliches Urbedürfnis, aber nicht unbedingt ein Zeichen von Uneigennützigkeit und Nächstenliebe zu sein. Hinter Geschenken können auch Hintergedanken stecken, so zum Beispiel entsprechend der lateinischen Redewendung „do ut des = ich gebe, damit du gibst“. Ja es kann sich sogar um Bestechung handeln.

Bei Geschenken zu besonderen Festen plagen sich manche Menschen mit der Überlegung: „Wir haben damals das und das bekommen, also müssen wir etwas heute Wertgleiches schenken.“ So ist ein Geschenk oft auch ein Gegengeschäft. Vollkommen zweckfreie Geschenke ganz ohne hintergründige Absicht sind selten.

Bei den Maori bedeutet die Zurückweisung eines Geschenkes eine Kriegserklärung. Der Volksmund weiß: „Einem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul.“

Es kommt auch vor, daß ein Geschenk eines Tages als Mitbringsel wieder bei seinem ursprünglichen Besitzer landet.

Hat der Wohlstand das Schenken unmöglich gemacht? Je mehr wir uns leisten können, desto weniger bleibt zu schenken übrig. Was war nach dem Krieg ein Paket Kaffee oder ein Pfund „gute“ Butter für ein Schatz! Was aber schenkt man heute dem, der sich selbst alle Wünsche erfüllen kann?

Schenken hat mit Liebe zu tun. Damit sind wir wieder bei Weihnachten. Gott schenkt sich selbst aus Liebe.

Wunschzettel eines sechsjährigen Mädchens in den 1950er Jahren

 

Weihnachtserinnerungen aus den 1950er Jahren von Henning Stoffers (* 1944)