14.11.2020

Vergleichen kommt vom Teufel

Um Leistung zu vergleichen, hat man das Messen erfunden. Persönliche Leistung ist aber nicht objektiv meßbar. Daher sind auch Einkommensunterschiede nicht zwangsläufig in unterschiedlicher Leistung begründet.

Vergleichen kann gut sein zum Sam­meln von Informationen, aber schädlich, wenn es zur Selbst­auf­wer­tung oder -abwertung führt. Schlech­tes Vergleichen verführt dazu, sich mit dem zu ver­gleichen, was man nicht ist.

 

Die Wurzel des Unglücks ist der Vergleich und das Vergleichen kommt vom Teufel, wie es schon die Urgeschichte der Bibel (Gen 3,4f) aufweist, wo sich Adam und Eva, angestiftet vom Satan, mit Gott vergleichen sollten. Wa­­rum wollten sie nicht diejenigen sein, die sie waren?

 

In der Geschichte „König Akbar und die längere Schnur“ von einem unbekannten Autor lehrt der weise König seine Minister das gute Vergleichen.

 

Der weise König Akbar war es leid, daß sich seine Minister häufig stritten. Es waren zwar kluge Minister, die sich aber gegenseitig bremsten und damit auch den Fortschritt im Land von Akbar.

Da rief Akbar eines Tages seine Minister zu sich. Er zeigte mit der Hand auf eine gespannte gerade Schnur und forderte die Minister auf: „Seht ihr diese Schnur? Eure Aufgabe ist es, sie zu kürzen, jedoch ohne sie zu verknoten oder auseinanderzuschneiden. Und ihr dürft sie auch nicht berühren. Kürzt sie auf eine andere Art und Weise!“
Die Minister blickten wortlos auf die Schnur, rieben sich den Bart und grübelten, wie die Schnur gekürzt werden könnte, ohne abgeschnitten oder berührt zu werden. Selbst den Klügsten unter ihnen wollte keine Lösung für diese schwierige Aufgabe einfallen. „König, das ist nicht möglich!“, sagten sie. „Kein noch so kluger Mensch kann dieses Rätsel lösen.” Da erhob sich der König, nahm wortlos eine zweite, längere Schnur und spannte sie neben die erste. Durch diese zweite, längere Schnur wurde die erste verkürzt, ohne verknotet, abgeschnitten oder berührt worden zu sein. „Seht her!“, sagte der König. „Wir sollten die Meinung eines anderen weder antasten noch beschneiden, sondern nur unsere eigene Schnur daneben spannen. Dann möge der andere entscheiden, was länger und was kürzer, was besser oder schlechter ist. Wir sollen nicht für den anderen entscheiden, wir sollen ihm nur unsere eigene Wahrheit darlegen.“

Wer sich ständig mit anderen vergleicht, kommt selten ans Ziel; denn im Wettkampf tritt man vor allem gegen sich selbst an.