Violett

Bei der Überlegung, welche Farbe am besten für Gott zu verwenden sei, würden vermutlich nur wenige Menschen Violett wählen, obwohl die einzige öffentliche Institution, die ihre Bediensteten in Violett kleidet, die katholische Kirche ist. Auch die Talare der Theologieprofessoren waren violett.

Violett entsteht aus den Grundfarben Rot und Blau; auch Purpur und Lila gehören in diesen Farbbereich. Im Violett findet sich Blau als Farbe des Schattens des Sonnenlichtes, der Gefühllosigkeit und Kälte, der Distanz und Ferne. Im Violett ist auch Rot enthalten als Farbe der sich überschlagenden Lichthelligkeit, der Lebens­fülle und der ungebrochenen Triebhaftigkeit. Da die Mischfarbe aus Rot und Blau je nach Lichteinfall eher rötlich oder bläulich erscheint, gilt sie als Signal für Täuschung, Gift und Elend. Sie wirkt deprimierend, niederdrückend und traurig und ist Symbolfarbe des Leidens, der Passion und des Fastens. Der Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) formulierte: „Violett ist der Schrecken eines Welt­untergangs“, und der Maler Wassily Kandinsky (1866-1944) schrieb: „Violett hat etwas Krankhaftes, Er­löschtes, Trauriges an sich.“

Violett, Purpur und Lila sind seltene Farben in der Natur. Es gibt nur wenige Blumen mit dieser Farbe; in vielen Sprachen tragen Veil­chen den Namen der Farbe Violett und Flieder den Namen der Farbe Lila. Die dem Violett verwandte Farbe Purpur symbolisierte Macht, und wer die Macht hat, hat auch die Gewalt. Diesbezüglich ist klarzustellen, daß die Farbbezeichnung Violett sich nicht aus dem lateinischen Substantiv „violentia“ herleitet; denn dieses bedeutet nicht Gewalt von Amts wegen, sondern kriegerische Gewalt. Die Farbbezeichnung hat ihren Ursprung im lateinischen Blumennamen „viola“ für Veilchen.

Es war kostspielig, Purpur herzustellen. Ge­wonnen aus dem farblosen Schleim der Pur­purschnecke, ist diese Farbe vollkommen lichtecht, sie entsteht durch das Licht. So war Purpur wie geschaffen als Symbolfarbe für die Ewigkeit. Schon im Alten Testament ist Purpur die kost­barste Farbe. Mose sollte den Vorhang des Tempels aus purpurfarbenem Stoff fertigen; auch die Priesterklei­dung sollte derart durchwirkt sein. Die Farbe zu Ehren Gottes war in der antiken Welt auch die Farbe der Herrscher. Purpur zu tragen, war ein höheres Privileg, als Gold zu tragen. Im römi­schen Reich durften nur der Kaiser, die Kai­serin und der Thronfolger Mäntel aus Purpur tragen. Würdenträger hatten lediglich einen purpurfarbenen Besatz. Der Purpur blieb die Farbe der Macht, solange es den echten Purpur gab. Das endete mit der Eroberung Konstantinopels durch die Türken. Seitdem ließ sich auf Grund der zur Verfügung stehenden geringeren Anzahl von Purpurschnecken nur noch die Farbe Purpurrot gewinnen, die heute noch die Kardinäle tragen. Als litur­gische Farbe ist Violett die Farbe der Besin­nung, der Umkehr und der Buße. Die Farbe der Macht wird zur Farbe der Demut: Könige herrschen durch Gewalt, die Kirche sollte sich durch Demut auszeichnen. Das Veilchen wurde zur Symbolblume für Tugend und Bescheiden­heit. Der Bischofsring aus violettem Amethyst – das griechische Wort „amethysos“ bedeutet „nicht trunken“ – deutet auf Nüchternheit und Demut hin.

Blau und Rot werden dem Männlichen und dem Weiblichen zugeordnet; vereinigtes Blau und Rot ergeben Violett, Männliches und Weibliches in einer Einheit ergeben den an­drogynen Menschen, den Hermaphroditen. Violett gilt so als Farbe zwischen den Ge­schlechtern und wurde in unserer Zeit zur Farbe der Lesben- und Schwulenbewegung. Als Farbe für die Vereinigung des Männlichen und Weiblichen ist sie neben Blau Farbe der Treue, des Maßes und der Mäßigung, zugleich ist sie auch die königliche Farbe, die Farbe des Aus­gleichs und der Liebe.

Was bedeutet für mich die Farbe Violett?