5.5.2022

Vom Bethaus ins Gasthaus

Beten und Essen gehören zusammen

Das aber nicht nur beim Mittagessen am Küchentisch. In vielen Klöstern sind der Betraum, das Oratorium, und der Speisesaal, das Refektorium, architektonisch aufeinander bezogen. Wie der Gottesdienst einen Mahlritus hat, so vollzieht sich in den Klöstern das Essen unter Begleitung religiöser Rituale.

Es kommt nicht von ungefähr, daß in vielen Dörfern neben der Kirche das Gasthaus steht. Ich habe es in Südtirol erlebt, daß in dem kleinen Dorf Durnholz mit circa 260 Einwohnern der Dorfpfarrer auch der Gastwirt war. Nach dem Gottesdienst mußte er sich beeilen, um rechtzeitig am Tresen das Bier auszuschenken. Auf dem Foto schenkt er im Weinkeller ein.

Quelle des Fotos

Es ist bezeichnend für Jesus, daß er sein Gedächtnis in einem Speiseritus gestiftet hat. Abendmahl und Messe gehen dabei nicht nur auf das eine letzte Abendmahl zurück, sondern erinnern auch an die vielen Mähler, die er zu seinen Lebzeiten mit Menschen gefeiert hat. Von ihm stammt das Wort „Mit dem Reich Gottes ist es wie mit einem Gastmahl“ (vgl. Lk 14,15-24). Dorothee Sölle (1929-2003) hat sich einmal gewünscht: „Mehr essen beim Abendmahl und mehr beten beim Essen.“