1.11.2021

Vor 50 Jahren starb Gertrud von Le Fort

Gertrud von Le Fort – vollständiger Name: Freiin Gertrud Auguste Lina Elsbeth Mathilde Petrea von Le Fort (* 11.10.1876 in Minden, † 1.11.1971 in Oberstdorf) – Dichterin

In der Kirche, in der ich groß geworden bin, galt das Wort des großen Religionsphilosophen Romano Guardini (1885-1968): „Die Kirche erwacht in den Seelen“.

Und uns erquickten die „Hymnen an die Kirche“ von Gertrud von Le Fort. Mir hatte es besonders das Kapitel „Heiligkeit der Kirche“ angetan mit den Versen:
„Ich bin die Straße aller ihrer Straßen:
auf mir ziehen die Jahrtausende zu Gott!
Deine Diener tragen Gewänder, die nicht alt werden,
und deine Sprache ist wie das Erz deiner Glocken.“

Gertrud von Le Forts Sprache wirkt heute fremd, aber der Inhalt ist nach wie vor von grundlegender Bedeutung.

„Großer Gott meines Lebens, ich will dir lobsingen an allen drei Ufern deines einigen Lichts! Ich will mit meinem Lied ins Meer deiner Herrlichkeit springen: unterjauchzen will ich in den Wogen deiner Kraft!“

„Hymnen an die Kirche“ von Gertrud von Le Fort neu aufgelegt

Gertrud von Le Fort
Hymnen an die Kirche
Echter-Verlag
1. Auflage 2014
ISBN 978-3-429-03741-3

Unter der Überschrift „Eine Heimat bei Gott“ berichtete Gudrun Trausmuth in der Wochenzeitung Die Tagespost vom 15. November 2014 über die Neuauflage der „Hymnen an die Kirche“.

In ihrer Rezension heißt es unter anderem:
Le Forts „Hymnen an die Kirche“ führen in ein Sprechen über die Kirche, das heute zunächst fremd, dann aber geradezu befreiend erscheint. Fernab der Monotonie heutiger Kirchendiskurse eröffnet Le Fort eine wesensmäßige Ebene, die geeignet ist, ein neues Bild der Kirche im Leser entstehen zu lassen.
[…]
… die Herausgeberin Gundula Harand [betont] als zentrales Moment der „Hymnen“: „Die Hymnen bergen eine tiefe Botschaft für den modernen Menschen. Sie weisen dem Suchenden den Weg aus der subjektiven Verschlossenheit in eine Heimat bei Gott, deren geistige Wirklichkeit durch das Geheimnis der Kirche vermittelt wird.“

Link zum Artikel

Link zum Echterverlag

Siehe auch die Artikel „Wie kann sich das Christentum einer autonom gewordenen Welt mitteilen?“ vom 30. September 2021 von Andreas Matena und „,Begegnung‘ in Oberstdorf: Gertrud von le Fort zum 50sten Todestag“ vom 25. Oktober 2021 von Ottmar Fuchs auf feinschwarz.net.

* * * * *

Karl Leisner (1915-1945) war beeindruckt von den „Hymnen an die Kirche“ und zitierte sie in seinem Tagebuch:

Kleve, Mittwoch, 6. September 1933
Aus Gertrud von Le Fort „Hymnen an die Kirche“[1], die ergreifende von der Majestät der Kirche gelesen.[2]

[1] Le Fort, Gertrud von: Hymnen an die Kirche, München 1924, erweitert 1929
[2] Der 1. Teil der Hymnen an die Kirche trägt den Titel „An die Kirche“ mit den Kapiteln „Heimweg der Kirche“, „Heiligkeit der Kirche“, „Das Beten der Kirche“ und „Corpus Christi Mysticum“.

Münster, Sonntag, 17. April 1938, Osternacht
Herr, lehr’ mich sterben, daß ich für Dich leben kann. Führ’ mich, wohin Du willst [vgl. Joh 21,18]. – Das Kreuz gib mir, die Leidenskrone! (von der Gertrud von Le Fort in ihrer Osterhymne singt!)

Ostern
Und ich hörte eine Stimme aus der Nacht, die war groß wie der Atem der Welt und rief: „Wer will die Krone des Heilands tragen?“
Und meine Liebe sprach: „Herr, ich will sie tragen.“
Und ich trug die Krone in meinen Hän­den, und mein Blut floß an dem schwarzen Dorn nieder über meine Finger.
Aber die Stimme rief zum andren Male: „Du mußt die Krone auf dem Haupt tra­gen.“
Und meine Liebe antwortete: „Ja, ich will sie tragen.“
Und ich hob die Krone auf meine Stirn, da brach ein Licht an ihr auf, das war weiß wie das Wasser in den Bergen.
Und die Stimme rief: „Siehe, der schwarze Dorn ist erblüht!“
Und das Licht rann von meinem Scheitel und ward breit wie ein Strom und zog an meinen Füßen.
Und ich rief mit großem Erschrecken: „Herr, wo­hin willst du, daß ich die Krone trage?“
Und die Stimme antwor­tete: „Du sollst sie ins ewige Leben tragen.“
Da sprach ich: „Herr, es ist eine Krone von Leid, laß mich an ihr sterben!“
Aber die Stimme sprach: „Weißt du nicht, daß Leid unsterblich ist? Ich habe das Unendliche verklärt: Chri­stus ist erstanden!“
Da riß mich das Licht hinweg – – – . [1]

[1] Gertrud von Le Fort: Hymnen an die Kirche, München 1924, erweitert 1929: 45