7.1.2022

Wann gilt es im Leben zu teilen?

Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten.

Zur Zeit der Pandemie muß hier und da eine Triage-Regelung getroffen werden. Es wird ausgewählt, wer zuerst versorgt wird, weil für alle nicht genügend Möglichkeiten bestehen. Eine sehr schwierige Aufgabe.

Siehe auch den Kommentar „Eine irritierende Entscheidung zur Triage“ von Daniel Deckers in der F.A.Z. vom 28. Dezember 2021.

Der heilige Martin hatte es als Soldat leichter, indem er mit einem Bettler seinen Mantel teilte.

 

 

 

 

 

 

 

Sterntaler gibt alles hin, was sie besitzt, und wird danach reich beschenkt.

 

 

 

 

 

 

 

Bei dem Gleichnis von den 10 Jungfrauen (Mt 25,1-13) verhält es sich noch anders. 5 Jungfrauen haben zu wenig Öl und bitten die anderen, ihnen etwas abzugeben. Aber dann hätte keine mehr genug, um an der Hochzeit mit dem Bräutigam teilzunehmen. In dieser Hochzeit drückt sich das Verhältnis des Menschen zu Gott aus.

Das Öl steht in dem Gleichnis für Gnade. Diese aber gilt es bereits zu Lebzeiten zu erarbeiten. Wer in ihr lebt, hat das Öl, das bei der Hochzeit leuchten soll, bei sich und trägt auch das entsprechende Gewand.

Wenn der Bräutigam kommt, besteht keine Möglichkeit mehr, aus der erfüllenden Liebe zu Gott etwas abzugeben. Davor ist es im hohen Maße möglich, und wer etwas überläßt, wird reich beschenkt.

Es hat aber keinen Sinn, eine Wohltat zu erweisen, die am Ende niemandem hilft.

Nach dem großen Erwachen ist es zu spät, dann hilft auch der Nachbar nicht mehr, obwohl er ein guter Christ ist. Dann muß jeder für sich geradestehen. Ausgeschlossen wird nur, wer sich freiwillig ausgegrenzt hat. Für diejenigen, die sich um ein Leben mit Gott bemühen, ist das Gleichnis von den 10 Jungfrauen eine Botschaft der Freude.

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Es gibt zu dem Thema aber auch witzige Situationen.

Tünnes und Schäl sitzen am Tisch. Auf einem Teller liegen ein großes und ein kleines Stück Fleisch. Tünnes greift sich das größere Stück. Da sagt ihm Schäl: „Ich hätte aber das kleinere genommen.“ Darauf antwortet Tünnes: „Das hast du jetzt ja auch.“

Fünfzig Jahre Höflichkeit
Ein älteres Ehepaar feierte nach langen Ehejahren das Fest der goldenen Hochzeit. Beim gemeinsamen Frühstück dachte die Frau: „Seit fünfzig Jahren habe ich immer auf meinen Mann Rücksicht genommen
und ihm immer das knusprige Oberteil des Brötchens gegeben. Heute will ich mir endlich diese Delikatesse gönnen.“ Sie schmierte sich das Oberteil des Brötchens und gab das andere Teil ihrem Mann.
Entgegen ihrer Erwartung war dieser hocherfreut, küßte ihre Hand und sagte: „Mein Liebling, du bereitest mir die größte Freude des Tages. Über 50 Jahre habe ich das Brötchen-Unterteil nicht mehr gegessen,
das ich vom Brötchen am allerliebsten mag. Ich dachte mir immer, du solltest es haben, weil es dir so gut schmeckt.“
(aus: Nossrat Peseschkian „Der Kaufmann und der Papagei“)