Israel Ben Eliezer (1698-1760), ein Begründer der chassidischen Lehre

17.8.2021

„Warum bist du nicht Sussja gewesen?“

Zum Thema Selbstfindung und Selbstverwirklichung habe ich schon mehrere Artikel auf „Neusehland“ eingestellt. Nachfolgend ein Beispiel aus jüdischer Sicht.

Gott, gib mir Mut zu ändern, was ich ändern kann

Die Juden des 18. Jahrhunderts in Russland haben sich in der Zeit ihrer inneren und äußeren Bedrängnis bemüht, in kurzen Erzählungen das Wesentliche ihres Glaubens zu bewahren und weiterzugeben. Diese Geschichten können auch die Christen des 21. Jahrhunderts zum Nachdenken anregen.

Rabbi Sussja soll kurz vor seinem Tod geäußert haben: „In der kommenden Welt wird man mich nicht fragen, warum bist du nicht Mose gewesen, man wird mich vielleicht fragen, warum bist du nicht Sussja gewesen?“

So werden auch wir im Sterben nicht gefragt, warum wir nicht das Maß erreicht haben, das der größte und gewaltigste Glaubende unserer Religion gesetzt hat, nämlich Jesus. Man wird uns fragen: „Warum hast du nicht das Maß erfüllt, das Gott dir ganz persönlich gesetzt hat? Warum bist du nicht das geworden, was du eigentlich hättest werden sollen?“

Gott wird uns nicht zum Vorwurf machen, daß wir nicht wie Sterne am Himmel seiner Heiligen geleuchtet haben, er wird von einem Lahmen nicht erwarten, daß er vor ihm tanzt wie einst David vor der Bundeslade.

Er wird uns fragen: „Warum bist du nicht der Mensch gewesen, der du sein solltest?“ Ich glaube fest daran, daß jeder Mensch zur Vollendung kommen soll und kommen kann und Gott uns befähigt hat, uns zu öffnen wie eine Schale, in die er seine Gaben für jeden einzelnen hineinlegt, so daß jeder aus den Umständen, unter denen sein Leben nun einmal verläuft, etwas Sinnvolles gestalten kann.

Das nach der Bibel wichtigste Buch der Christenheit des Thomas von Kempen (1380-1471) heißt nicht „Nachahmung Christi“, sondern „Nachfolge Christi“, und da gilt die Aussage von Hans Carossa (1878-1956): „Jeden mit anderer Stimme ruft Gott.“


Gebet von Reinhold Niebuhr (1892-1971):

Herr, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.