9.1.2020

Warum heiraten Menschen?

Es geht nicht in erster Linie ums Kinderkriegen. Kinder kommen auch ohne verheiratete Menschen auf die Welt. Man sprach früher von „Kind und Kegel“, wobei mit „Kegel“ die unehelichen Kinder gemeint waren.

Um die obige Frage zu beantworten, müssen wir in die biblische Geschichte vom Anfang der Schöpfung schauen.

Die Schöpfung ist polar angelegt. Zu dieser Polarität gehört auch der Mensch als Mann und Frau. Wie in der gesamten Schöpfung gibt es auch Zwischenstufen, was heute unter anderem zu einem dritten Geschlecht geführt hat.

 

In der Bibel heißt es am Anfang der Schöpfung: „Es ist nicht gut, daß der Mensch allein ist.“ (Gen 2,18) In der Konsequenz dieser Erkenntnis beschloß Gott, ihm eine Hilfe zu machen (vgl. Gen 2,19) und formte aus der Rippe des Adam die Frau Eva. Manche Männer verstehen diese „Hilfe“ noch bis heute als „Haushaltshilfe“. Mann und Frau sind gleich­­­­­wertig und sollen sich als einander ergänzende Gegenüber sehen. Der Mann ist Mann, um der Frau das Frausein zu ermöglichen, die Frau ist Frau, um dem Mann das Mannsein zu ermöglichen.

Auch die Griechen hatten die Vorstellung, daß der Mensch eine Ergänzung sucht. Dem Mythos zufolge, wie Platon (um 427 v. Chr. G.-348/347 v. Chr. G.) es in seinem Werk „Symposion“ schildert, gab es am Anfang der Schöpfung Kugelmenschen. Diese hatten kugelförmige Rümpfe sowie vier Hände und Füße und zwei Gesichter mit je zwei Ohren auf einem Kopf, den ein kreisrunder Hals trug. Die Gesichter blickten in entgegengesetzte Richtungen. Der Gott Zeus zerschnitt jeden von ihnen in zwei Hälften. Seitdem sucht die eine Hälfte die andere. Dabei gilt sowohl „Gleich und gleich gesellt sich gern“ als auch „Gegensätze ziehen sich an“. Dennoch wird heutzutage der Ehepartner gelegentlich als „bessere Hälfte" bezeichnet. Es zeigt sich aber nicht selten, daß die „bessere Hälfte“, in welcher Beziehung auch immer, viele Teile des eigenen Charakters darstellt, und zwar den dunklen abgespaltenen Schatten, den man nicht wahrhaben, geschweige denn leben will.

Oft hält der Zustand der Verliebtheit nicht lange an. Früher oder später wird jedes Liebespaar aus dem Glücksparadies vertrieben. Doch anstatt die alte Beziehung aufzugeben, sollte man vielmehr Abschied nehmen von einer übertriebenen Erwartungshaltung, der niemand auf Dauer genügen kann und vielleicht dem Grundsatz folgen: „Lieber mit Altem etwas Neues beginnen, als mit Neuem wieder beim Alten landen.“

Aneu