Weihnachten: Fest der Geschenke oder der Gegengaben?

Oder gar Zeit des Tauschhandels?

Vielen Menschen fällt offensichtlich erst sehr spät ein, daß Weihnachten vor der Tür steht und noch Geschenke besorgt werden müssen. Was schenke ich nur denjenigen, die mir im vorigen Jahr so große Geschenke gemacht haben?

Weihnachten ist das Fest des Schenkens ... oder vielfach des Tauschhandels und der Gegengabe. Gabe oder Geschenk heißt im Englischen „gift“.  Geschenke können etwas von Gift in sich haben. Im Akt des Gebens ist die Gabe stets davon bedroht, sich in ein Tauschobjekt zu verwandeln, das nach einer Gegengabe verlangt. Man bekommt etwas geschenkt und möchte sich als höflicher Mensch natürlich sofort revanchieren, doch gerade dadurch wird aus einer Gabe ein Tauschobjekt! Die reine Gabe müßte außerhalb jeglicher Gegenseitigkeit oder Rückgabe stehen; denn sonst hört sie auf, Gabe zu sein.

Manche Familien verzichten darauf, vor allem wenn sie keine kleinen Kinder mehr haben, sich zu Weihnachten etwas zu schenken. Sie machen eher im Laufe des Jahres ohne besonderen Anlaß kleine Überraschungsgeschenke.

Ich habe es bei Freunden erlebt, daß sie bei einem Fest nicht nur beschenkt wurden, sondern auch die Gäste beschenkten, meist mit selbst hergestellten Gegenständen.

„Jesus setzt sich mit Sündern an einen Tisch. [...] Weil Jesus offensichtlich kein Haus besaß, entstand eine eigenartige Situation: Jesus gibt ein Gastmahl, bei dem er Gastgeber und Gast zugleich ist. Wenn er etwa Zachäus auffordert: ‚Ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein’ (Lk 19,5). Eine kuriose Geschichte: Zachäus genießt im eigenen Haus die Gastfreundschaft Jesu! Diese merkwürdige Begebenheit sagt etwas über die Mission Jesu: Dieser kommt, indem er von ihnen etwas annimmt. Er beschenkt sie, indem er sich beschenken lässt. Diese neue Art von Gemeinschaft, von Wechselseitigkeit und Vertrauen, öffnet dem Ausbeuter Zachäus die Augen. Damit hat in seinem Haus das Reich Gottes schon begonnen.“ (Andreas Knapp in: „Vom Segen der Zerbrechlichkeit“ – Würzburg 2018)

Ob eine neue Schenkkultur (zu Weihnachten) entstehen könnte?