Weihrauch

Wer nach einem festlichen Gottes­dienst eine Kirche betritt, erblickt nicht nur die Schönheit des Raumes oder lauscht der Orgel, die noch im Schlußspiel erklingt, sondern nimmt auch noch den Geruch des beim Gottesdienst verströmten Weihrauches wahr.

Das Verbrennen gut riechender Essenzen als „geweihter Rauch“ gehört zum uralten Brauchtum der Religionen. Ver­mutlich von Ägypten beeinflußt, kennt auch das Volk Israel das Räucher-Brauchtum. Ebenso wie die Juden haben auch die Chri­sten schon immer Weihrauch in ihren Gottesdiensten verwendet. Bereits Paulus schreibt an die Christen in Korinth: „Denn wir selbst sind ein Wohlgeruch Christi für Gott.“ (2 Kor 2,15) Schon im Psalm beteten die Juden und wir mit ihnen: „Als Rauchopfer gelte dir mein Gebet, erhebe ich meine Hände, sei dies ein Opfer am Abend.“ (Ps 140,2) Der sich in die Höhe verströmende Rauch ist ein Zeichen für das emporsteigende Gebet, so wird Weihrauch zum Symbol für Anbetung.

Gewonnen wird der Rauch aus verbrennendem Harz. Es gilt von alters her als kultische Opfersubstanz. Im Sommer erfreut uns der Duft der Blüten; beim Harz verhilft erst das Feuer zur Geruchsentfaltung. Wir kennen dies von verbrennenden Tan­nenzweigen. Im Opfer der festen Gestalt verströmt das Harz seinen Duft.

In Verbindung mit Feuer entwickelt das Räuchern reinigende Kraft. Das Beräuchern dient also nicht nur der Ehrung, sondern auch der Läuterung, wenn zum Beispiel bei einer Beerdigung ein Sarg beräuchert wird oder in manchen Ge­genden zum Dreikönigsfest Haus und Stall ausgeräuchert werden. Auch im Gottesdienst soll das Beräuchern die Gläubigen auf die Feier vorbereiten.

Früher sprach man davon, daß ein Mensch „im Geruch der Heiligkeit“ gestorben sei, und es gibt Berichte, daß die Leiber der Verstorbenen einen „Wohlgeruch verströmten“. Sa­tan hingegen hatte einen Pestilenzgeruch an sich. Auch heute noch sprechen wir von einem ruchlosen Menschen sowie von einem anrüchigen Lebenswandel, und ein Gerücht beinhaltet immer etwas Negatives.

Sind wir „ein Wohlgeruch Christi für Gott“?