5.10.2021

Wer nur nach den Geboten lebt, verpaßt das Leben

Gottes Gebote haben die Gestalt von einladenden Bitten

Jesus war kein dogmatischer Prinzipienreiter, sondern geradezu ein Regelbrecher, der immer zuerst auf die Menschen schaute, bevor er ein moralisches Urteil sprach. Er achtete die Gesetze, aber er handelte aus Liebe. Augustinus von Hippo (354-439) formuliert später: „Liebe, und tue, was Du willst!“

Abgewandelt könnte ein Jesuswort lauten: „Der Mensch ist nicht für die Gesetze da, sondern die Gesetze sind für den Menschen da“ (vgl. Mk 2,27).

Die Religion sagt: „Du sollst ...“, die Spiritualität: „Du darfst ...“. In vielen Lehrstücken zeigt Jesus uns, daß Güte wichtiger ist als Ordnung. Einer noch größeren Bedeutung als der Gerechtigkeit kommt vor allem der Barmherzigkeit zu. Auch für Papst Franziskus (* 1936) ist diese Gewichtung vorrangig.