Das Triumphkreuz in Münster

7.11.2020

Wieviel Opfer braucht der Glaube? – Wieviel Opfer erträgt der Mensch?

Die ersten Christen übernahmen die blutigen Opferkulte weder von den Heiden noch von den Juden. Um sich von diesen abzusetzen, wählten sie für ihren Ritus den neutralen profanen Begriff „Opfer", abgeleitet von offerre (lat.) = darbieten, entgegenbringen. Die Christen verstanden es als „in die Heiligkeit Gottes tragen“. Man opferte, um den Allmächtigen gnädig zu stimmen. Martin Luther (1483-1546) beschäftigte sich mit der Frage: „Wie finde ich einen gnädigen Gott?“ Man empfand das Opfern als Versöhnungsritual für begangene Sünden. Diese Anschauung wirkt bis in die Volksfrömmigkeit unserer Tage. Die Opfervorstellung wurde auf den Kreuzestod Jesu übertragen. Während die ersten Kreuze Triumphkreuze waren, wurden die späteren Kreuze Darstellungen des Leidens.

Die französische Schauspielerin und Mystikerin Gabrielle Bossis (1874–1950) hörte Christus sagen: „Warum opfert man mir nur Leiden? Meinst du nicht, daß deine Freuden mir nicht ebensoviel wert sind, wofern sie mir nur mit der gleichen Liebe dargebracht werden? Ich bedarf eurer Mühsale und eurer Müdigkeit, aber nicht weniger bedarf ich eurer Freuden.“