20.4.2021

Wir dürfen glauben: „Gott hat die Hölle leer geliebt – sie ist leer“

Die ersten bekannten Berichte von Höllenfahrten datieren um 2000 v. Chr. G. und stammen aus dem Vorderen Orient. Die Hölle war ein Sinnbild für die Furcht vor dem ungewissen Jenseits. Zwar kam seit der Aufklärung Skepsis auf, doch die Bilder der Hölle erwiesen sich als unverwüstlich. Der Mensch des einundzwanzigsten Jahrhunderts entdeckt, daß die Hölle in ihm selbst ist. Somit gehört sie allen.

In der griechischen Mythologie stellt der Fluß Styx die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und dem Totenreich des Gottes Hades dar. Der Fährmann Charon bringt die Seelen der Toten über den Fluß in die Unterwelt.

Als man sich die Erde noch als Scheibe vorstellte, war der Himmel oben und die Hölle unten. Inzwischen wissen wir, daß der Himmel kein Raum ist.

Als Christen warten wir auf ein Leben, das Leben und Tod übersteigt. Um es vom irdischen Leben zu unterscheiden, sprechen wir vom EWIGEN LEBEN. Zu unserem irdischen Leben gehören Licht und Dunkel; durch die Sünde ist aus dem Dunkel sogar Finsternis geworden. Wir aber warten auf das EWIGE LICHT, zu dem es weder Dunkel noch Finsternis gibt. Wir können uns auf Erden Himmel und Hölle bereiten. Ob es am Ende, wenn Gott „alles in allem“ ist, nur noch den HIMMEL gibt?

Der Theologe und designierte Kardinal Hans Urs von Baltha­sar (1905-1988) beschäftigte sich mit einer „leeren Hölle“. Laut seiner Vor­stellung sind alle Menschen, die durch den Ungehorsam Adams gefallen sind, auch in Christus erlöst worden (vgl. 1 Petr 3,19 u. 4,6). Daraus ergibt sich für den Theologen die berech­tigte Hoff­­­nung, die Hölle sei leer, wohingegen andere verkün­den: „Eine leere Hölle ist keine Hölle.“

Eine dualistische Weltsicht, die neben dem Himmel eine ewi­­ge Hölle vorhersieht, steht zu allem im Widerspruch, was wir über den schaffenden Gott und über das Wesen und das Wirken Christi glauben oder wissen.

Wenn Jesus von der Hölle spricht oder Visionäre sie sehen, so ist das keine Aussage über deren Existenz, son­dern eine Dro­hung und Mahnung, die zur Umkehr aufruft. Wenn Gott al­les in allem ist (Kor 15,28), ist für die Hölle kein Platz.

„Es gibt keine Himmelfahrt der Gotteserkenntnis ohne die Höl­lenfahrt der Selbsterkenntnis.“ (Johann Georg Hamann 1730-1788)

Der Mensch soll nicht dafür sorgen, daß er in den Himmel kommt, sondern daß der Himmel in ihm existiert; es könnte näm­lich auch die Hölle sein, die wir uns selbst bereiten. Für den ge­lebten Him­­mel gilt es Dank zu sagen.

„Halt an, wo läufst du hin, der Himmel ist in dir: Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.“ (Angelus Silesius 1624-1877)

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Stefan Alkier und Thomas Paulsen
„Die Apokalypse des Johannes. Neu übersetzt“
Verlag Ferdinand Schöning Paderborn 2020 137 S., 39,90 €

 

In dieser Übersetzung der Apokalypse kommt das Wort Hölle nicht mehr vor.

 

 

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Die katholische Theologie sprach lange Zeit von einem Ort am Rande der Hölle, „Limbus puerorum“ genannt, an dem sich die Seelen der ungetauft ver­storbenen Kinder aufhalten, die oh­ne eigenes Verschulden vom Himmel ausgeschlossen sind. Dies wurde aber nie als Glaubenswahrheit definiert, weil das biblische Fundament fehlt. 2007 wurde die Lehre vom „Lim­bus“ „abge­schafft“.