5.2.2020

Zum Glauben gehört der Zweifel

Kirche + Leben Nr. 49 vom 8.12.2019 zitierte in dem Artikel „Jauch glaubt an ein Leben nach dem Tod“ unter anderen die Äußerung von Günther Jauch, er sei „nie ein Zweifelnder“ gewesen.

Zum Glauben und zur Liebe gehört der Zweifel; denn dort sind kei­ne Beweise möglich. Nur dem Agnostizismus ist jeder Zwei­­­fel fremd.

Die Fragen um Zweifel und Wahrheit sind Be­zie­hungsfragen. Erst die Fähigkeit zu zweifeln macht uns menschlich. Glau­be ist suchender Zweifel. Zweifel beinhaltet das Akzeptieren des Bezweifelten. Der Zweifel ist der Vorhof zum Tem­pel. Wer Zweifel hat, hängt einem Glauben an, nicht einem Wissen. Wo der Zweifel blüht, fruchtet die Er­kennt­­nis. Wir müssen glau­­ben, wenn wir nicht verzweifeln wol­len. Während der Be­trug sich bewei­sen läßt, ist die Treue im­mer mit einem Zwei­­fel behaftet.

Der Glaubende lebt aber von einem Glauben, der vom Zwei­fel gestört wird. Dieser ist eine grundlegende Un­ge­wiß­heit, die sich nicht leicht von Glauben oder Nichtglauben aus der Bahn werfen läßt.

Glaube bedarf immer wieder der Erneuerung, weil er kein unverlierbarer Besitz ist und häufig durch Er­fahrungen, die ihm zu widersprechen scheinen, in Zweifel und Anfechtung gerät.

Zweifel beinhaltet das Akzeptieren des Bezweifelten. Glaube soll nicht dazu benutzt werden, fertige Antworten zu finden.