3.10.2022

Zwischen Zeit und Ewigkeit

Dort liegt die Gegenwart, das Hier und Jetzt, umfangen von Vergangenheit und Zukunft. Aber wann endet die Gegenwart und wird zur Vergangenheit, und wann wandelt sich die Zukunft in Gegenwart? Der Kirchenlehrer Aurelius Augustinus (354-430) formuliert: „Die Zeit kommt aus der Zukunft, die nicht existiert, in die Gegenwart, die keine Dauer hat, und geht in die Vergangenheit, die aufgehört hat zu bestehen.“

Wer in der Gegenwart lebt, lebt ewig. Wir sollten im Jetzt leben, alles andere ist ohnehin Fiktion. Das Tor zur Zeitlosigkeit ist die Gegenwart.

Ich habe im Buddhismus gelernt, ganz im JETZT, in der Gegenwart, zu leben.

Heutige Philosophen unterscheiden die äußere Zeit, das Meßbare, von der inneren Zeit, die wir uns nehmen. Auf die äußere Zeit können wir kaum Einfluß nehmen, unsere innere Zeit jedoch erfüllen oder auch totschlagen. Erfüllte Zeit bedeutet: „Ich habe Zeit und nehme sie mir auch.“ Die innere Zeit ist allerdings nur innerhalb der äußeren Zeit zu haben.

Ich stelle mir das Verhältnis von Zeit und Ewigkeit wie folgt vor: „Ewigkeit“ ist wie der Mittelpunkt eines Kreises, „Zeit“ wie ein halber Kreisbogen, den ich mit dem Zirkel um dieses Zentrum schlage.

Das 2022 gesprochene Gebet für einen 1940 Verstorbenen hilft diesem in sei­­ner Todesstunde; denn beide Zeitpunkte haben dieselbe Ent­­­­­­­fer­­nung zum Mittelpunkt der Ewigkeit. Im Kreisbogen gibt es das Vorzeitige und das Nachzeitige. In der Ewigkeit ist al­les gleichzeitig.