1. Adventssonntag im Jahreskreis C (2.12.2018)

Die Menschen werden vor Angst vergehen. (Lk 21, 26)

Schriftstellen:
Erste Lesung: Jer 33,14-16
Zweite Lesung: 1Thess 3,12-4,2
Evangelium: Lk 21,25-36

Der Advent ist die Zeit des Erwartens. Wir Menschen können nicht nur warten, sondern auch erwarten, hierbei handelt es sich sozusagen um ein qualifiziertes Warten. Wenn wir im Advent zur Wachsamkeit aufgerufen werden, dann ist das mehr als nicht schlafen. Wenn es heißt: „Wachet und betet!“, dann ist auch damit ein qualifiziertes Wachen gemeint. Die Zeit, in der das geschehen soll, ist angebrochen. Die folgenden drei Aspekte des qualifizierten Wachens könnten uns in der Adventszeit und auch darüber hinaus begleiten:

  1. Wachen als Präsenz
    Es fällt uns in der Regel sehr schwer, ganz bei dem zu sein, was wir gerade tun. Das trifft besonders auf das Beten und die Mitfeier des Gottesdienstes zu. Viele Menschen üben ganz bewußt, präsent zu sein. Die Meditation, bei der sich lediglich der Atem bewegt, ist eine gute Übung, wenn es gelingt, auch den Affenkäfig der Gedanken ruhigzustellen, keinem aufkommenden Gedanken nachzugehen, beziehungsweise ihn sofort loszulassen, sobald man versucht ist, sich mit ihm zu beschäftigen. Kinder vermögen im Spiel ganz bei sich zu sein, und die Zeit vergeht wie im Flug, ähnlich ergeht es Liebenden, wenn sie zusammen sind. Warum fällt es uns so schwer, wenn wir vor Gott sind?
  2. Wachen als Bewußtheit
    Sigmund Freud hat das Unbewußte nicht erfunden, es gehört zum Menschen. Aber er hat uns aufmerksam gemacht, wie viele Dinge in unserem Leben vom Unbewußten beeinflußt werden. Bewußtwerden ist eine wichtige Aufgabe bei der Entwicklung zum reifen Menschen. Auf einer Säule am Apollotempel in Delphi stand die Aufforderung: „Erkenne dich selbst!“ Es sollte uns ein Anliegen sein, zu erwachen und Licht in das Dunkel unserer Schatten zu lassen.
  3. Wachen als Erwarten
    Wachen hängt zusammen mit Erwarten. Es läßt sich leichter wachen, wenn ich etwas erwarte. Aber warte ich überhaupt auf etwas? Paßte es überhaupt in meinen Plan, wenn der Herr meine Bitte: „Dein Reich komme!“, ernst nähme und wahrmachte? Die Urkirche rechnete mit einer Naherwartung. Und wir? Können wir wirklich und existentiell etwas erwarten. Wie erwarten wir das Reich Gottes heute und in diesem Advent?

Noch keine Zeit in der Geschichte der Menschheit hat so vergangenheitsbezogen gelebt wie wir; die Zahl der Museen und auch deren Besucherzahl nimmt ständig zu, wir leben sozusagen in einer musealen Zeit. Dazu gehört auch die Expansion der Flohmärkte. Noch nie war den Menschen die Vergangenheit so teuer, und noch nie veraltete der Fortschritt so schnell wie heutzutage, man denke nur an Computer, Handys und Ähnliches. Wenn die Bausubstanz unserer Städte sich im Jahr nur um 2-3% ändert, verlieren die Städte ihre Vertrautheit und werden zu Fremden. Daraus ergibt sich eine Vergangenheitsseligkeit.

Aber unser Heil liegt in der Zukunft, in der Ankunft des Herrn, die wir erwarten. Erwarten wir sie wirklich?