1. Fastensonntag im Jahreskreis C (10.3.2019)

„Der Mensch lebt nicht nur von Brot.“ (Lk 4,4)

Schriftlesungen:
Erste Lesung: Dtn 26,4-10
Zweite Lesung: Röm 10,8-13
Evangelium: Lk 4,1-13

 

Es beginnt die Fastenzeit – die Österliche Bußzeit. Fasten prägte früher durch weniger essen, vor allem durch Verzicht auf Fleisch, die Tage bis Ostern. Das Evangelium zeigt neben dem Fasten noch weitere Bußwerke auf: Gebet und Almosen. Zur Einheit verschmelzen alle drei Werke, wenn man Fasten als Selbstreinigung betrachtet. Das bedeutet, im Leerwerden Zeit haben für Gott, zum Gebet finden und das gesparte Geld als Almosen geben.

„Kehrt um und glaubt an das Evangelium“ ist der Kernsatz der Österlichen Bußzeit. Das griechische Wort für Buße: „metanoiete“ heißt aber nicht nur Umkehr als „zurück zum Ursprung“, sondern bedeutet auch: „Laß dir etwas Neues einfallen!“, oder mit der Bibel gesagt: „Wandelt euch durch ein neues Denken!“ (Röm 12,2) Buße in der Beichte ist nicht nur Wiedergutmachung, sondern auch Zeichen für Erneuerungsbereitschaft.

Buße ist also nicht nur Abkehr von der Sünde und Rückkehr zum Gesetz, sondern personale Hinwendung zu Gott. Das betrifft nicht einzelne Sünden, sondern die gesamte innere Haltung. So ist Buße ein Akt des Glaubens, so wie Sünde letztlich mangelnder Glaube ist.

Was ist Sünde? Es ist zu wenig, nur von der Übertretung eines Gebotes zu sprechen; wesentlich ist der personale Bezug. Letztlich ist Sünde die Verweigerung, an der Liebesgeschichte mit Gott mitzuwirken. Sünde besteht auch darin, Gutes zu unterlassen, doch das ist uns oft gar nicht bewußt.

Als Kinder haben wir Handlungen gebeichtet: 5 x gelogen, 7 x unandächtig gebetet, 10 x genascht.

Als Erwachsene sollten wir Haltungen bekennen: Wie steht es mit meiner Lebenswahrhaftigkeit, wie mit meiner Gottesbeziehung, wie mit meiner Beziehung zum eigenen Körper?

Sünde kann von unterschiedlicher Qualität sein. Früher beurteilte man mehr die objektive Seite, so waren zum Beispiel der Verzehr von zuviel Gramm Fleisch am Freitag oder Diebstahl ab 5,00 D-Mark schwere Sünden. Heute orientiert man sich mehr an der subjektiven Seite. Dabei geht es um die Grundentscheidung im Guten wie im Bösen. Man unterscheidet absichtliche und nur partielle Handlungen. Liebe ich zum Beispiel aus ganzem Herzen oder nur so nebenbei? Wir sollten nicht fragen: „Was kann ich mir noch erlauben?“, sondern nach der je größeren Liebe streben.

Wir neigen heute dazu, Schuld zu bagatellisieren, nicht selten sogar begleitet von einem gewissen Unschuldswahn. Wenn es Schuld gibt, dann suchen wir sie bei anderen. Man begegnet sogar Christen, die sich ihrer Sündenlosigkeit sicher sind, doch zeugt ein solches Bewußtsein eher von einer Blindheit des Herzens. So wird die Beichte zum vergessenen Sakrament.

Wir beichten zwar nicht mehr, wollen aber auch nicht in der Schuld anderer stehen. Schuld hat nur dann einen Sinn, wenn wir sie in die Verantwortung nehmen, sonst mündet sie in Selbstquälerei.

Das Leben eines Christen unterscheidet sich dadurch von dem anderer Menschen,

daß er trotz aller Schuldverstrickung noch immer auf den liebenden und vergebenden Gott hofft. Die Juden hatten ein eigenes Fest der Versöhnung.

Es geht nicht um die Rechtfertigung der Schuld, sondern um die Beantwortung der Frage, wie man trotz der Schuld leben kann. Christsein ist nicht eine Befreiung von Schuld, sondern vom Schuldigwerden. Man kann nicht hinter die Schuld zurück, man muß sie bewältigen.