2. Adventssonntag im Jahreskreis C (9.12.2018)

„Bereitet dem Herrn den Weg.“ (Lk 3,4)

Schriftstellen:
Erste Lesung: Bar 5,1-9
Zweite Lesung: Phil 1,4-6.8-11
Evangelium: Lk 3,1-6

Advent ist die Zeit des wachsenden Lichtes. Jeden Sonntag entzünden wir eine Kerze mehr, bis an Weihnachten der Lichterbaum erstrahlt. Wie schade, wenn all das schon vor der Advents- beziehungsweise Weihnachtszeit geschieht.

Zeuge dieses Lichtes ist der Täufer Johannes. Er wird geboren am 24. Juni, wenn die Sonne am höchsten steht, und muß abnehmen, damit Jesus, der am Tiefstand der Sonne geboren wird, „wohl zu der halben Nacht“ (Gotteslob 243,1), zunehmen kann.

Eine große und doch fast tragische Gestalt, dieser Täufer. Er ist der Vorläufer des Herrn, und doch ist sein Leben voller Schatten. Er hätte sich selbst ins Licht stellen können, alle hätten ihn für den Messias gehalten. Aber er blieb im Schatten.

Schatten kann auch ein Segen sein, zum Beispiel als Schutz vor zu greller Sonne oder zu gleißendem Licht. Dieses verwendet man unter anderem bei der Folter. Wir dürfen unserem Schatten nicht davonlaufen. Es geht nicht nur um das Böse, das wir tun. Es geht auch um zweifelhafte Motive, von denen unser Tun durchsetzt und überschattet ist.

Seinem Schatten zu begegnen, ist bitter und schmerzlich. Niemand kann ihm entrinnen, es sei denn um den Preis einer verheerenden Lebenslüge. Es ist eine Lebensaufgabe, seinen Schatten anzunehmen und sich der Wahrheit zu stellen, daß auch die dunklen Seiten zu uns gehören.

Johannes wurde am Ende seines Lebens von Zweifeln geplagt: „Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ (Mt 11,3) Er hatte sich den Messias anders vorgestellt, anders jedenfalls als Jesus sich gab und auftrat.

Jesus geht behutsam mit Johannes um. Er tadelt ihn nicht. Er verweist nur auf das, was geschieht: „Blinde sehen, Lahme gehen ....“ (Mt 11,5)

Wie den Exiljuden ruft man uns zu: „Gott will deinen Glanz zeigen aller Welt, die unterm Himmel ist.“ (Bar 5,3) Und wem gilt das Wort: „Steh auf, Jerusalem, und steig auf die Höhe! Schau nach Osten, und sieh deine Kinder: Vom Untergang bis zum Aufgang hat das Wort des Heiligen sie gesammelt. Sie freuen sich, daß Gott an sie gedacht hat.“ (Bar 5,5)?

Ich habe mit vielen Menschen zu tun, die sich selbst wegen ihrer Schattenseiten nicht mögen. Wie sollen sie glauben, daß jemand anderes sie mag? Wie sollen sie glauben, daß Gott sie mag?

Aber genau das ist das Geheimnis von Advent und Weihnachten: Gott nimmt mich an und nimmt viel auf sich, damit ich es auch glaube. Er holt mich aus dem Dunkel in sein Licht.

Vorläufer dieses Lichtes ist Johannes der Täufer. Werden wir dessen Nachfolger! Werden wir Lichtträger!