2. Fastensonntag im Jahreskreis C (17.3.2019)

„Auf ihn sollt ihr hören!“ (LK 9,35)

Schriftlesungen:
Erste Lesung: Gen15,5-12.17-18
Zweite Lesung: Phil 3,17-4,1
Evangelium: Lk 9,28b-36

Der Weg in der Nachfolge Jesu und seiner Jünger führt durch Höhen und Tiefen; im Vertrauen auf den Verklärten kann der Christ die Herausforderungen bestehen. Die Verklärungsgeschichte stellt die Frage nach Art und Bedeutung dieses wunderhaften Vorgangs für die Jünger damals ebenso wie für uns heute.

Eines allerdings muß gesagt sein: Die Bibel setzt es als selbstverständlich voraus, daß es so etwas wie Wunder, Visionen und Erscheinungen gibt. Lukas will nicht in eine Diskussion über den Einbruch übernatürlicher Kräfte in das Diesseits einsteigen. Er will zeigen, daß in den Umkreis göttlicher Machterweise und Offenbarungen nun auch Jesus hineingehört.

Das Licht der Verklärung ist kein mysteriöses Spektakel und kein Psi-Phänomen, sondern der Schein göttlicher Gegenwart im Dunkel der Jetztzeit; eine Erfahrung, die einlädt zum Vertrauen auf Jesus und zum Glauben an seine Botschaft. Die Verklärungsgeschichte kann uns helfen, selber ein paar Schritte in diese Richtung zu gehen.

Lenken wir unsere Aufmerksamkeit zunächst einmal auf die Vorgeschichte des Geschehens: Wie so oft zieht sich Jesus mit seinen Jüngern zum Gebet in die Einsamkeit und Stille zurück. Dieses vordergründige Nichtstun aber ist keine Faulenzerei und keine Zeitverschwendung. Denn gerade diese fromme Tradition und die oft geschmähte gute Gewohnheit in religiösen Dingen stellen hier den Rahmen dar für das Wunder, werden zum Gefäß der Gnade.

Oft fehlen dem religiösen Alltagsleben neue Impulse und herausragende Ereignisse. Wer mit Jesus und seinen Jüngern den Glaubensweg geht, so die Verheißung unseres Evangeliums, darf immer wieder überraschend neu das Gipfel-Erlebnis einer „Tabor-Stunde“ erwarten.

Wir klagen gerne über Gottesferne und Glaubensarmut. Doch haben wir nicht manchmal wie die Apostel auf dem Berg durch Resignation und Schläfrigkeit manche Chance der Gottesbegegnung verpaßt? Haben wir nicht oft Augen, Ohren und Herzen, die für alles andere aufgeschlossener sind als für das Licht des Verklärten und die Stimme seines Vaters? Die Gefahr ist groß, daß wir uns immer wieder in die selbstgebauten Hütten unserer Bequemlichkeit, der Selbstgerechtigkeit und Besserwisserei, der Zweifel und der Vorurteile verkriechen, bevor uns überhaupt jenes Licht aufgeht, als dessen Quelle sich uns Christus zeigt und in dessen Schein wir unser Leben neu erkennen können.

Und haben wir nicht schon manche Taborstunde erlebt, die uns nur nicht mehr bewußt ist? „Wie kann Gott so etwas zulassen?“, fragen wir sehr schnell angesichts mancher Not in der Welt. Und dies mit Recht. Doch ebenso schnell vergessen wir den geschuldeten Dank für einen Machterweis der Gnade Gottes in unserem Leben, weil eben das Gute allzu selbstverständlich erscheint und wir meinen, ein Anrecht darauf zu haben. Sollten wir daher nicht öfter den Ruf der Klage ergänzen um ein frohes: „Mein Gott, wie hast du mich so reich beschenkt!“?

Wir dürfen aber nicht versäumen, das Erlebnis der Verklärung bei Lukas in Beziehung zum weiteren Geschick Jesu zu sehen: Unmittelbar danach folgt zum zweiten Mal eine Ankündigung seines Leidens. Somit ist der Spannungsbogen benannt, der sowohl das Leben Jesu als auch das Geschick des Christen bestimmt. Dazu gehören das Licht und das Bewußtsein der Gottesgegenwart genauso wie das Dunkel und die Verzweiflung der Gottverlassenheit am Kreuz. Tabor und Golgotha stehen in einer engen Verbindung.

Die Sternstunden der Verklärung sind zwar bereits ein Vorschein der kommenden Auferstehung, ein Ausblick auf die österliche Herrlichkeit, aber diese Vollendung gibt es nicht ohne den Weg zum Kreuz. Genauso gilt jedoch: Golgotha ist nicht das Ende des Weges. Das letzte Wort hat der Vater, der Jesus von den Toten auferweckt.

Durch Ostern wird all dies bestätigt und auf ewig in Kraft gesetzt, was Jesus in Galiläa und Jerusalem, im Umkreis von Tabor und Golgotha gesagt und gewirkt hat.

In seiner Nachfolge gibt es nicht nur lichtvolle Momente zu erleben. Doch im Vertrauen auf ihn entdecken wir selbst im Kreuz noch Heil. Die Geschichte von der Verklärung will uns vor Ostern schon den langen Atem der Erlösungshoffnung lehren.

Wer auf dem Tabor bereits ein Stück vom Himmel gesehen hat, für den kann auch Golgotha nicht den ganzen Horizont verdunkeln.

Durch die Erzählung von der Verklärung Jesu weiß ich mich ermuntert, Jesus, dem Christus, zu vertrauen, jenem Zeugnis, das stellvertretend für Israel Mose und Elija ablegen. Jenem Wort, das in Gegenwart dieser Schriftgrößen die göttliche Stimme offenbart: „Dieser ist mein Sohn, der Erwählte, auf ihn hört!“