2. Sonntag im Jahreskreis C – Jesus auf der Hochzeit zu Kana (20.1.2019)

„Jesus offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn.“ (Joh 2,11)

Schriftstellen:
Erste Lesung: Jes 62,1-5
Zweite Lesung: 1Kor 12,4-11
Evangelium: Joh 2,1-11

Wie wir in der 2. Lesung hörten, gibt es verschiedene Gaben und damit auch verschiedene Berufe und Berufungen. Krankheiten zu heilen, steht dem Arzt zu. Aber im Laufe der Zeit haben sich immer mehr Spezialisierungen herausgebildet. Nicht jeder Arzt darf und kann jede Krankheit behandeln.

Es ist uns aus dem Blick geraten, daß es eine Zeit gab, in der ein und dieselbe Person Arzt und Priester zugleich war. Wir denken an Schamanen und Medizinmänner. Diese Denkweise ist ebenso wie die Aussage des Evangeliums sehr westlich orientiert, im Sinne von: Ein Arzt heilt Krankheiten.

Aus östlicher Sicht erhält der Arzt Gesundheit. Dafür wird er bezahlt. Wenn sein „Patient“ krank wird, erfolgt die Einstellung der Zahlung.

In beiden Fällen hilft bei der Gesunderhaltung beziehungsweise bei der Beseitigung der Krankheit eine Person von außen.

Gute Ärzte wußten schon immer, daß nicht sie heilen können, sondern jemand anderes dies tut. In der Lesung heißt es: „Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen.“ Und Jesus sagt bei jeder Heilung: „Dein Glaube hat dich gesund gemacht!

In Anlehnung an den griechischen Arzt Hippokrates formulierten die alten Römer: „Medicus curat, natura sanat – Der Arzt behandelt, die Natur heilt.“

Unter Natur läßt sich eine vom Menschen unabhängige Schöpferkraft verstehen, etwas, was von einer menschlichen Tätigkeit unabhängig und unverändert da ist: „Ein und derselbe Geist; der alles bewirkt, wie er will“, im Unterschied zum Übernatürlichen einerseits und zur Kultur und Technik andererseits.

Das führt zum eigenen inneren Arzt, dem Arzt in uns selbst. Ebenso wie es einen inneren Meister gibt, von dem, angefangen von Augustinus bis zu Karlfried Graf Dürckheim, alle großen Menschen zeugen, so gibt es auch den inneren Arzt. In diesen Zusammenhang gehört auch der Placeboeffekt, die Heilung durch ein „Scheinmedikament“.

Gesundheit als geistliche Aufgabe wird in einer Zeit entdeckt, in der zahlreiche Menschen an Zivilisationskrankheiten leiden. Die meisten körperlichen Krankheiten und Beschwerden sind seelisch bedingt, Ausdrucksformen und Signale seelischer Konflikte, also psychosomatisch. Daher ist es bei körperlichen Beschwerden und Krankheiten von großer Bedeutung, neben der medizinischen Behandlung die seelischen Konflikte aufzuspüren und bewußt zu machen, um die für den Genesungsprozeß so wichtigen Selbstheilungskräfte zu aktivieren.

Gesundheit ist nicht unser höchstes Gut, wohl aber ein wichtiger Teil des Heil-Seins. Es gibt einen Unterschied zwischen gesund und heil. „Gesund“ ist eine „irdische“ Dimension, Jesus macht nicht nur gesund. Er heilt den Menschen. Wenn Jesus heilt, geht dies immer über das Zeitliche hinaus, es hat Ewigkeitswert.

Für die Gesundheit können wir etwas tun. Das zeigt sich in der zunehmenden Gesundheitsvorsorge. Es gilt zum Beispiel, das Immunsystem zu stärken.

Manche Menschen sind derart gestärkt, daß weder Keime noch Viren ihrer Gesundheit etwas anhaben können. Solche Menschen haben die Fähigkeit der Anpassung. Von seiner Veranlagung her ist der Mensch ein Anpassungskünstler, ein Geschöpf mit hoher Selbstbehauptungskraft. Greifen die einzelnen Glieder seiner körpereigenen Selbsterhaltungskraft harmonisch aufeinander abgestimmt ineinander, so kann ihn so schnell nichts erschüttern. Auch Menschen, die fest im Glauben stehen, entwickeln diesbezüglich starke Kräfte.

Der sterbliche Mensch hat einen sichtbaren und einen unsichtbaren Teil. Der sichtbare Leib ist das Vergänglichste. Aber kennen wir ihn überhaupt, oder beschäftigen wir uns nur mit unserer unsterblichen Seele? Haben wir zumindest eine vage Vorstellung von seiner Konstitution und inneren Anatomie? Was tun wir, um uns „etwas vom Leib zu halten“? Wie stellen wir uns den verklärten Leib eines Verstorbenen vor?

Bei gesundheitlichen Beschwerden interessieren sich die meisten Menschen vorwiegend für die klinische Ursache, vor allem für den medizinischen Befund, das vermeintlich Objektive, weil sie das, was meßbar ist, für realer halten als ihr eigenes subjektives Befinden. Alle Lebenserscheinungen des Organismus versucht man, nach Analogie der Physik und Chemie zu erklären. Auf Grund dessen unterschätzt der kranke Mensch nicht selten die Notwendigkeit seines eigenen Mitwirkens zur Aktivierung seiner Selbstheilungskräfte.

Heilung hat verschiedene Aspekte:

1. Heilung als Reparatur, als Wiederherstellung von Gesundheit. Dieser Heilungsbegriff herrscht in der naturwissenschaftlichen Medizin vor.

2. Heilung als Annahme von Leiden und Endlichkeit.

Im Zusammenhang eines menschlichen Umgangs mit chronischer Krankheit, Tod und Sterben muß sich dieser Heilungsbegriff bewähren.

3. Heilung als Kraft, mit Behinderungen zu leben. Dieses Verständnis von Heilung kommt eher aus der Pädagogik als aus der Medizin. Nicht die Krankheit wird hier beseitigt, sondern es wird die Fähigkeit entwickelt, mit der Krankheit „gesünder“ umzugehen.

4. Heilung als Eröffnung einer neuen Erfahrung und einer neuen Beziehung zu sich selbst und zu anderen. Dieser Heilungsbegriff kommt dem, was Christen als „Heil“ durch Gott erhoffen, am nächsten.

Welche Haltung habe ich gegenüber Erkrankungen? Will ich nur wieder funktionieren oder aus einer Krankheit lernen? Die hl. Hildegard zum Beispiel war dauernd krank, hat aus jeder Krankheit ihre Erfahrungen geschöpft und wurde die große Heilerin.

Vielleicht ist der Mensch am kränksten, der nur gesund sein kann. „Hauptsache gesund!“, höre ich oft. Für mich persönlich gilt: „Hauptsache gelassen!“ In Gelassenheit das tun, was ich tun kann, und auf Gott, dem ich mich überlasse, vertrauen, daß er mich liebt und es gut mit mir meint.

Vertrauen wir auf die Worte des Apostels Paulus aus der 2. Lesung: „Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will.“