3. Adventssonntag im Jahreskreis C (16.12.2018)

„Gaudete! – Freuet Euch!“ (Phil 4,4)

„Wenn die Welt Gottes so groß ist, warum bist du in einem Gefängnis eingeschlafen?“ (Sufimystiker Rumi)

Schriftstellen:
Erste Lesung: Zef 3,14-17
Zweite Lesung: Phil 4,4-7
Evangelium: Lk 3,10-18

Merken wir es überhaupt? Dieses Gefängnis ist schön tapeziert, und im Laufe der Zeit vergessen wir, daß wir im Gefängnis sind. Im Advent erwarten wir die Ankunft des Erlösers. Aber wollen wir erlöst werden? Wovon wollen wir erlöst werden?

Wir sind am Ich verhaftet, und unser Ego ist der beste Wächter. Wir sind sowohl von den zahlreichen Dingen der Welt eingenommen als auch an sie gefesselt und haben die Weite eingebüßt.

Da kommt einer aus der Weite des Himmels in unser Gefängnis und will uns erlösen. „Freuet Euch!“

Spricht die Kirche eine Sprache, die die Menschen nicht mehr verstehen? Oder gibt die Kirche Antworten, wo es gar keine Fragen gab? „Freuet Euch! Gaudete!“ Was gibt es in der Kirche an Freude? Viele fühlen sich durch die Kirche geradezu an der Freude gehindert. Nur wird Freude gelegentlich mit Amüsement verwechselt. Was bedeutet für uns wahre Freude, Freude darüber, daß der Herr nahe ist, daß er mit uns ist, daß er uns befreit? Im „Tagebuch eines Landpfarrers“ von Georges Bernanos (1888-1948) heißt es: „Wir bringen euch die Freude, ihr könntet sie umsonst von uns haben, wenn ihr sie nur wolltet.“

Johannes der Täufer, den die Menschen schon damals fragten: „Was sollen wir also tun?“ (Lk 3,10), kündigt uns die Befreiung und Erlösung an.

Er ist derjenige, von dem Jesus sagt: „Kein Größerer ward erweckt unter denen vom Weibe Geborenen“ (Mt 11,11), und alle Evangelien geben Zeugnis von ihm:

„Er kommt und predigt, aber der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.“ (Mt 11,11) Er ist der Herold, der Rufer, sein Tod setzt Kräfte frei, so daß Herodes meint, Jesus sei der wiederauferstandene Johannes (Mk passim).

Lukas schildert die Geburt des Täufers (LK 1,57-80), und der Evangelist Johannes nennt ihn den Zeugen des Lichtes: „Er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht!“ (Joh 1,8)

Wir nennen Johannes „den Vorläufer“. Das Rufen ist sein Auftrag, somit steht das Zeugnis im Zentrum seines Wirkens. Es besteht darin, auf den Kyrios hinzuweisen. Der Täufer wird damit Repräsentant christlicher Verkündigung. Das Johannesevangelium verkündet: So wie Johannes der Täufer sich versteht, so sollte Kirche sich verstehen. Wenn die Kirche gefragt würde: „Wer bist du?“, müßte auch sie wie Johannes sagen: „Ich bin nicht der Messias!“ Oder könnte sie sagen „Ich bin Christus!“? Dann entstünde das Mißverständnis, mit Christus und mit Gott sei nicht mehr los als mit der Kirche bei uns. Sie kann nur wie Johannes sagen: „Ich bin die Stimme des Rufers in der Wüste!“ (Joh 1,23)

Die Kirche soll nicht sich selbst, sondern ihren Herrn zu Gehör bringen. Sie ist lediglich ein Orientierungszeichen am Weg der Welt, nicht dessen Ziel.

Kirche und Reich Gottes hat man schon oft verwechselt und das Wort geprägt: „Angekündigt wurde das Reich Gottes und es kam die Kirche.“ (Alfred Loisy 1857-1940)

Dieses Zitat ließe sich leicht auf die Amtskirche übertragen, aber wir alle sind Kirche und sollen den Menschen sagen: „Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt!“ (Joh 1,26) Das war schon einmal so vor 2000 Jahren, und das ist heute nicht anders; denn Christus will noch immer Mensch werden, und zwar in jedem einzelnen von uns. Durch uns will er wirken.

Die Kirche ist nicht Christus, aber durch sie will ER in der Welt wirken: „Ich habe keine anderen Hände als die euren!“ Das ist Advent, Erwartung und Freude.