3. Ostersonntag im Jahreskreis C – „Ich gehe fischen“ (5.5.2019)

„Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer.“ (Joh 21,4)

Schriftstellen:
Erste Lesung: Apg 5,27b-32.40b-41
Zweite Lesung: Offb 5,11-14
Evangelium: Joh 21,1-19

Bekanntlich waren unsere Evangelisten weniger Schriftsteller als vielmehr Redaktoren, das heißt, sie sammelten Material über Jesus, das sich in der mündlichen Tradition erhalten hatte und hier und da vermutlich auch schon schriftlich fixiert worden war.

Dieses Material bearbeiteten sie, versahen es mit Überleitungen und Zwischenbemerkungen und fügten es zu einer fortlaufenden Erzählung nach Art eines Fleckenteppichs zusammen.

Dabei geschah es, daß ein bestimmter „Flecken“ bei dem einen Evangelisten am Anfang des „Gewebes“ seinen Platz fand, während ihn ein anderer an den unteren Rand des Teppichs und damit an den Schluß seiner „frohen Botschaft“ setzte.

Das heutige Evangelium bietet uns für dieses Vorgehen ein gutes Beispiel.

Wir alle kennen aus dem Lukas-Evangelium (5,1-11) die Wundererzählung vom „reichen Fischfang“. Sie dient bei Lukas dazu, den erstberufenen Jüngern, vor allem Petrus, Jesu Vollmacht zu demonstrieren und sie zum Eintritt in dessen Nachfolge zu bewegen.

Der Endredaktor des Johannesevangeliums hat das Ereignis in eine nachösterliche Situation versetzt und es mit einer Erscheinung des Auferstandenen kombiniert. Dabei hat er als Theologe, der gern mit Symbolen arbeitet, in die Erzählung Züge eingefügt, die in der Realität schwer verständlich sind, aber eine tiefere Bedeutung offenbaren, wenn man sie als „Sinn-Bilder“ zu lesen versteht.

Da ist zum Beispiel die Mitteilung, daß sich die Apostel die ganze Nacht vergeblich abmühen, aber sofort Erfolg haben, als sie auf Jesu Wort hin das Netz „auf der rechten Seite“ auswerfen.

Die rechte Seite ist nach psychologischer Interpretation unsere bewußte Seite. Die Jünger tun auf Jesu Aufforderung hin dasselbe, was sie vorher getan haben, aber jetzt mit einer neuen Einstellung, mit einem neuen Bewußtsein, und das führt zu einem wunderbar reichen Fang.

Dann gibt es noch die merkwürdige Angabe, Petrus sei zunächst nackt, werfe sich aber dann das Obergewand über, um rasch ans Ufer zu schwimmen.

Realistisch gesehen ist dieses Verhalten unverständlich; denn mit einem langen Gewand kann man nicht gut schwimmen. Symbolisch ausgelegt offenbart sich aber in Petrus’ Verhalten folgendes: Petrus ist durch die Verleugnung Jesu den sündigen Stammeltern gleich geworden, die sich nach dem Sündenfall auch ihrer Nacktheit schämten und sie notdürftig zu verhüllen suchten.

In Bezug auf das Ergebnis des wunderbaren Fischfangs läßt der Evangelist Johannes Jesus sagen: „Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt. Da ging Simon Petrus und zog das Netz ans Land. Es war mit 153 großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriß das Netz nicht.“

Petrus handelt an dieser Stelle alleine. Nur er birgt den reichen Fang, der aus 153 großen Fischen besteht. Es ist ziemlich klar, daß der Evangelist Johannes mit dieser Angabe den Vorrang des hl. Petrus betonen will. Er ist der bevorzugte „Menschenfischer“. Er leitet und koordiniert die frühchristliche Missionsarbeit. Klar ist ferner, daß auch die Zahl 153 etwas versinnbildet.

Neuere Kommentatoren bekennen einmütig, man kenne zwar nicht die exakte Zahl, aber sie müsse irgendetwas mit Fülle und Ganzheit zu tun haben.

Der Kirchenvater Hieronymus (347-420) meinte, es habe im See Genesareth 153 Fischarten gegeben. Andere antike Bibelausleger sahen in der Zahl 100 die Heidenwelt, in der Zahl 5 die Juden symbolisiert und in der verbleibenden 3 die Trinität, zu deren Ehre alle Missionsarbeit geschieht. Der hl. Augustinus war der Ansicht, 10 sei die Zahl des Gesetzes (wegen der 10 Gebote) und 7 die Zahl der Gnade (wegen der 7 Gaben des hl. Geistes). 10 + 7 ergibt 17. Wenn man alle Zahlen von 1 bis 17 zusammenzählt (1 + 2 +3 ... + 17), erhält man 153.

Das heißt, diese Zahl ist ein Symbol für alle Menschen, die entweder durch Gesetz oder durch Gnade zu Jesus und damit zu ihrem Heil geführt wurden.

Wir wollen uns dankbar der Fülle des Lebens bewußt werden, die uns der auferstandene Christus geschenkt hat, indem er uns in die Gemeinschaft seiner Kirche berufen hat.

Siehe auch Predigt vom 5. Sonntag im Jahreskreis C (10.2.2019).