4. Adventssonntag im Jahreskreis C (23.12.2018)

„Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen.“ (Lk 1,42)

Schriftstellen:
Erste Lesung: Mi 5,1-4a
Zweite Lesung: Hebr 10,5-10
Evangelium: Lk 1,39-45

Maria wird dargestellt in Erwartung; es kommt der Engel als Bote Gottes und bringt der Hörenden eine Botschaft: „Den Sohn Gottes wirst du gebären.“ Maria denkt darüber nach und fragt kritisch zurück; der Engel gibt eine Erklärung; Maria stimmt zu durch ihr FIAT.

Alle Frauen Israels waren in Erwartung, den Messias gebären zu dürfen. Nun geschieht es Maria. Das wäre Grund genug gewesen, sich zu freuen und bei dieser Freude zu bleiben. Aber sie hat von ihrer Base Elisabeth erfahren, die ihrer Hilfe bedarf, und sie macht sich auf über das Gebirge (vgl. Lk 1,26-56).

An der Verkündigungsszene wird die christliche Gebetsstruktur sehr deutlich. Im Gegensatz zur heidnischen Vorstellung vom Gebet, nach der der Mensch Gott an­sprechen, ihn für sich interessieren und versuchen muß, die Ab­sichten Gottes zu ändern, befaßt sich Gott in der christlichen Vorstellung schon immer mit dem Menschen, und der Mensch muß, wenn er ihn wahrnehmen will, auf ihn, der zu ihm spricht, hören.

Beten stellt nicht erst eine Beziehung zu Gott her; Beten macht diese Beziehung sichtbar, da sie bereits existiert. Gebet ist aus dem Glauben heraus Antwort darauf, daß Gott sich in Jesus Christus dem Menschen zugewandt hat. Nicht Gott, sondern der Mensch muß sich ändern.

Beten heißt, sich Gott öffnen, damit er uns für andere öffnet; Gebet führt so zur Tat. Als Struktur jeglichen Betens sowohl in der Eucharistiefeier als auch im Stundengebet ergibt sich daraus folgender Ablauf: Eröffnung und Einstimmung, Hören des Wortes Gottes, Überdenken und Besinnen, Antwort geben – Aktion, Abschluß und Ausklang.

Mache es wie Gott, werde Mensch! Mache es wie Maria, laß Gott in dir Mensch werden.