4. Sonntag im Jahreskreis C – Wie Gott oder bei Gott sein? (3.2.2019)

Kann der Mensch sein eigener Schöpfer sein?

4. Sonntag im Jahreskreis C
Erste Lesung: Jer 1,4-5.17-19
Zweite Lesung: 1 Kor 12,31-13,13
Evangelium: Lk 4,21-30

Der Mensch will seit Anbeginn wie Gott sein, nachdem ihm der Versucher in der Gestalt der Schlange diese Möglichkeit vor Augen gestellt hat. Dabei hätte es genügt, bei Gott zu sein. Es wäre spannend, bei jeder Sünde, die wir begehen, der Frage nachzugehen: „Wieso will ich wie Gott sein, wenn ich dies oder das tue, beziehungsweise unterlasse?“ Ich lasse diese Frage einmal so stehen.

Sie können sich ja selbst damit beschäftigen, soweit Sie den Eindruck haben, Sünde komme in Ihrem Leben noch vor, weil Sie sich noch nicht gebessert hätten, aber auch, wenn Sie überzeugt sind, Sünde komme in Ihrem Leben überhaupt nicht vor; denn schließlich sei ja alles erlaubt.

Sie kennen die Idee, einen bekannten Text leicht zu verändern, damit etwas ganz anderes herauskommt als ursprünglich gesagt werden sollte. Dazu reizte mich der Anfang der heutigen Lesung:

„In den Tagen Joschijas, des Königs von Juda, erging das Wort des Herrn an mich: Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt.“

Meine veränderte Version:
„In den Tagen des N.N. der BRD erging das Wort des Chefarztes an mich: Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich aus einem Katalog ausgesucht, noch ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, war klar, was aus dir werden sollte, warst du ein Nobelpreisträger, eine Schönheitskönigin ...“

Jahrhundertelang waren Menschen überzeugt, das Leben komme von Gott, es sei Gabe und Aufgabe. Jedes Leben hat eine Bestimmung. Manche nennen sie auch Schicksal. Wem das Schicksal nicht paßte, der stand vor der Frage: „Warum ich?“ So reagierten zum Beispiel die Propheten auf ihre Berufung, ihr Schicksal, unterschiedlich: Jeremia wehrt sich, wohingegen Jesaia stramm steht und „Jawohl!“ sagt. Jona flieht und gibt Fersengeld. Alle aber erfüllen letztendlich ihren Auftrag.

Das Leben ist uns zu Bewußtsein gekommen, und wir haben viele Möglichkeiten, unsere Lebensumstände zu verändern. Meistern wir aber die Problematik, daß alle Erfindungen auch zum Schlechten dienen können, letztlich unserem Egoismus?

Frühere Entdeckungen waren eher harmlos. Aber spätestens seit der Erfindung des Schwarzpulvers um 1380 durch den Mönch Berthold Schwarz hat sich das Zerstörungspotential ins Unermeßliche gesteigert. Unsere Zeit segnet sich mit Reproduktions- und Gentechnik und schafft Menschen nach Maß.

Aber der Mensch taugt nicht zum Schöpfer! Wir sind mit der Schöpfung nicht zufrieden. Gott hätte es besser machen sollen. Nun tun wir es selbst, dabei wäre Demut angesagt! Wir haben erlebt, daß die Erfindungen des Menschen, um das Leben schneller, vielleicht auch angenehmer zu machen, immer häufiger versagen.

Computer stürzen ab, Züge verunglücken, Flugzeuge verschwinden vom Radar, Seuchen verbreiten sich und vieles mehr. Der Wunsch, große Mengen Fleisch möglichst preiswert zu verspeisen, ruft Kriminelle auf den Plan, die ohne Rücksicht auf das Leben der Verbraucher Tierfutter herstellen und chemische Mastverfahren entwickeln, die allenfalls ihrem eigenen Geldbeutel nutzen, aber nicht der Gesundheit der Konsumenten.

Auch die Nahrungsmittelproduktion ist industrialisiert worden. Der Mensch hat solche Situationen anscheinend nicht im Griff. Die Gier nach Reichtum, nach schnell verdientem Geld beherrschen ihn. Er taugt nicht zum Schöpfer!