5. Sonntag im Jahreskreis C – „Auf dein Wort hin!“ (10.2.2019)

„Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen.“ (Lk 5,5) – Martin Luther: „Auf dein Wort hin!“

Schriftstellen:
Erste Lesung: Jer 6,1-2a.13-6
Zweite Lesung: 1 Kor 15,1-11
Evangelium: Lk 5,1-11

Oft gehörte Worte nehmen wir zu selbstverständlich, um noch zu begreifen, was sie im Tiefsten aussagen. So geht es uns auch mit Bibelworten. Ich versuche mir vorzustellen, was da am Ufer des Sees Gennesaret geschah.

Da sind Fischer am Werk, die ihr Handwerk verstehen. Da leben Menschen mit den Rhythmen der Natur und wissen, wann und wo sie Fische fangen können; denn das geht nicht zu jeder Zeit und an allen Orten. Aber selbst solches Wissen und Handeln garantiert nicht immer den erhofften Erfolg.

Jesus trifft auf Petrus und dessen Begleiter, die nach erfolgloser Arbeit vermutlich in deprimierter Stimmung ihre Netze waschen, um dann nach Hause zu gehen und auf die nächste Gelegenheit zu warten.

Aber Jesus beansprucht sie. Er will ihr Boot benutzen, um, etwas weniger bedrängt von den Menschen, in Ruhe zu diesen zu sprechen.

Es ist nicht überliefert, was Jesus seinen Zuhörern und damit auch Petrus und dessen Begleitern gesagt hat, aber es war offensichtlich so eindringlich, daß Petrus wider besseres Wissen erneut zum Fischen hinausfährt.

Eigentlich hätte er antworten müssen: „Du bist wohl nicht bei Sinnen!“

Petrus war ein Fachmann in Bezug auf das Fischen und hatte im Laufe seines langen Lebens viel Erfahrung gesammelt. Da kommt nun ein Mann daher, der nichts vom Fischfang versteht, und sagt: „Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus!“ (Lk 5,4)

Jesus verstand allenfalls etwas vom Zimmermannshandwerk, das er bei seinem Vater erlernt hatte, aber im Augenblick zog er nur predigend durch die Lande. Was ist da geschehen, daß Petrus nicht sagt: „Du hast keine Ahnung vom Fischen! Wenn es zur günstigen Zeit der Nacht schon erfolglos war, dann jetzt erst recht! Die Mühe kann ich mir sparen!“? Statt dessen antwortet er: „Auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.“ (Lk 5,5) Welch großes Erstaunen muß der Erfolg bei allen Beteiligten hervorgerufen haben.

Nach Jesu Tod am Kreuz kehrten Petrus und seine Freunde wieder in ihren Beruf zurück. Als sie wieder einmal nichts fingen (vgl. Joh 21,3), erschien ihnen Jesus, und die Szene von damals wiederholte sich. Johannes berichtet das Ereignis als Auferstehungserscheinung Jesu. Petrus wird sich an das Erlebnis erinnert haben und tut, was Jesus sagt: „Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen.“ (Joh 21,6) 153 große Fische gerieten ins Netz.

Wo weiß ich in meinem Leben, wie es zu laufen hat, und tue etwas wider dieses Wissen, weil Jesus es mir sagt? Habe ich den Mut dazu, oder habe ich Angst, daß man mich deshalb für verrückt erklärt?