7. Sonntag im Jahreskreis C – Liebet eure Feinde! (24.2.2019)

Schriftlesungen:
Erste Lesung: 1 Sam 26,2.7-9.12-13.22-23
Zweite Lesung: 1 Kor 15,45-49
Evangelium: Lk 6,27-38

Was wir bei Matthäus Bergpredigt nennen, heißt bei Lukas Feldrede. Aber der Inhalt ist der gleiche. Es geht um die Feindesliebe. Eine Forderung des Christentums, die bei vielen Menschen auf Verwunderung stößt. Wie kann man seine Feinde lieben?

Auch die Christen haben diese Forderung nie ganz erfüllt, sondern kräftig auf andere eingeschlagen. Man erinnere sich nur an die Kreuzzüge, zu denen unter anderen Papst Urban II. (um 1035-1099) und später der heilige Bernhard von Clairvaux (1090-1153) offiziell aufgerufen haben Die Theologen hatten jeweils schnell eine Rechtfertigung dafür zur Hand.

Denkmal für Urban II. vor der Kathedrale Notre-Dame in Clermont-Ferrand

Bernhard verstand das ritterliche Ideal der Kreuzzüge, das Sterben für den Herrn, als hohes Verdienst. Er trat entschieden für die „geistlichen Soldaten“, die Tempelritter, ein.

In diesem Zusammenhang wird oft auf andere Religionen und Menschen verwiesen, die diese Forderung genauer erfüllt haben als die Christen. Ein Beispiel ist Mahatma Gandhi (1869-1948).

Laut heutigem Evangelium sollen wir auch noch die andere Wange hinhalten, wenn wir auf die eine geschlagen wurden. Doch selbst Jesus handelt, als er vor Pilatus steht, nicht nach dieser Forderung. Vielmehr fragt er: „Warum schlägst du mich?“

Es lohnt sich, einmal zu überlegen, wer unser Feind ist beziehungsweise inwieweit wir ein Feindbild brauchen. Bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts läßt sich eine sogenannte „Russophobie“ beobachten. Vor allem in der Zeit des Zweiten Weltkrieges äußerte sich diese Angst in dem Ausruf: „Die Russen kommen!“ Inzwischen hat sich das Feindbild vielfach verlagert.

Wir sollten aber auch bedenken, daß wir von unseren Feinden durchaus etwas lernen können, manchmal sogar mehr als von unseren Freunden. Denn die Feinde halten uns einen Spiegel vor, so daß wir Dinge sehen, die wir gar nicht sehen möchten und die unsere Freunde uns nicht zu sagen wagen.

Vermutlich will Jesus uns auch nahelegen, uns mit unserem inneren Feind auszusöhnen.

Versetzen wir uns einmal in die Situation des Kapitäns auf einem Schiff. Die schmucken Offiziere haben wir sicherlich sehr gerne. Aber wie verhält es sich mit den rußverschmierten Männern im Maschinenraum und den blinden Passagieren?

Meine Schattenseiten kann ich verwandeln, wenn ich den Schatten annehme und lerne, ihn zu lieben. Ich bin in dem Maße heil, in dem ich imstande bin, mich selbst als den Menschen zu lieben, der ich tatsächlich bin, mit aller Verzerrung und Verwundbarkeit und nicht als den, der ich irgendwie in ferner Zukunft einmal werden möchte. Denn ich kann mich nicht ablehnen und zugleich erwarten, am nächsten Tag liebenswerter zu sein. Nur die Annahme meiner selbst und die Liebe zu mir selbst lassen mich „ganz“ werden; denn wenn ich etwas in mir ablehne und verteufle, dann packt es mich wie einen Teufel.

Lieben wir also unsere Feinde!