8. Sonntag im Jahreskreis C – (Karneval 3.3.2019)

Gott schaut hinter unsere Maske

Schriftlesungen:
Erste Lesung: Sir 27.4-7
Zweite Lesung: 1 Kor 15,54-58
Evangelium: Lk 6,39-45

Wir begehen Fastnacht und dazu gehört die Verkleidung, die Maske. Vordergründig könnte man meinen, Masken gebe es nur zu Karneval. Spielen wir aber nicht immer alle eine Rolle im großen Welttheater?

Masken begleiten uns von der Geburt bis zum Tod in je verschiedener Art: Bei der Geburt tragen Arzt und Hebamme sie zum Schutz vor Infektionen; dem Toten wird die Totenmaske abgenommen, um sein Antlitz zu bewahren; wir kennen Schutzmasken in verschiedenen Berufen; aus dem Krieg sind die Gasmasken in Erinnerung; hier und da brauchen wir Schutz vor lästigen Fragen und peinlichen Blicken.

Und nun ist Karneval! Könnte es sein, daß wir uns nicht hinter der Maske verstecken, sondern unser eigentliches Wesen offenbaren oder zumindest eine ungeliebte Seite? So trägt zum Beispiel die stille, ordentliche Sekretärin eine Katzenmaske, und der impotente junge Mann, der Angst vor Mädchen hat, tritt als Revolverheld auf.

Masken galten in der Antike als etwas Göttliches, so auch heute noch in Afrika und Ozeanien. Die übermenschlichen Wesen, die die Masken darstellen, offenbaren und verkörpern sich in ihren Trägern. In jedem von uns will etwas von dem göttlichen Funken aufleuchten.

Unsere Gesellschaft drängt uns viel Rollenverhalten auf. Könnte es sein, daß es bei der permanenten Lebenslüge notwendig ist, die Maske als Akt der Ehrlichkeit anzulegen, so daß Karneval zum Fest der Befreiung wird?

Gott schaut hinter unsere Masken, nicht weil er alles sieht, das wäre zu einfach, sondern weil er den Blick der Liebe hat. Vor diesem Blick besteht keine Maske! Freuen wir uns, daß wir vor Gott keine Maske brauchen. Wir dürfen ihn einmal schauen von Angesicht zu Angesicht (1 Kor 13,12).