Liebe und Sexualität

Was die Kirche heute lernen und lehren könnte - 13. Februar 2019 Vortrag in Coesfeld

Foto: Nicole Dick

1. Einleitung

In diesem Vortrag habe ich Erfahrungen gebündelt, die ich in langen Jahren als Spiritual mit Menschen gemacht habe. Natürlich habe ich auch vieles zu der Thematik gelesen und in Vorträgen und Gesprächen gehört. All das ist eingeflossen in mein Denken und Empfinden und hat sich verwandelt in meine Äußerun­gen zu zahlreichen Fragen des Lebens.

Im Theologenkonvikt Collegium Borromaeum in Münster war ich 18 Jahre als Spiritual/Geistlicher Begleiter tätig. Man kann mir für diese Zeit manche Unterlassungen vorwerfen, aber nicht, daß ich zu wenig über Sexualität gesprochen hätte. Die jungen Männer sollten wissen, worauf sie sich einlassen, wenn sie sich zum Zölibat, das heißt zu einem ehelosen Leben, entscheiden.

Verbunden war damit früher vor allem die Vorstellung, der Priester müsse quasi ein asexuelles Leben führen; denn die offizielle Lehre der Kirche lautete: „Sexualität hat nirgendwo sonst einen Platz, es sei denn in der Ehe, und da auch nur zum Zeugen von Nachkommenschaft.“ Anläßlich der augenblicklichen Diskussion darüber, was alles mit der Ehe gleichzustellen sei, ist der Vorgang der Zeugung vermutlich in der Ehe am besten aufgehoben.

Nach der Lehre der Kirche gilt der Zölibat somit für alle nicht verheirateten Menschen, erst recht für Schwule und Lesben. Eigentlich auch für ältere Ehepaare, die keine Kinder mehr zeugen können.

Ideal ist es, wenn die Ehe durch eine Liebesheirat zustande kommt. Aber droht nicht manche Ehe nach der Verliebtheitsphase auch lieblos zu werden? Wie kommt es, daß die Liebe manchmal sogar in Haß umschlägt? Hier gilt vermutlich: Wenn jemand einen geliebten Menschen zu hassen beginnt, wird der Haß nicht selten um so größer, je stärker vorher die Liebe war. Andererseits ist die Verbindung von Ehepaaren bei einer Scheidung, wenn es um das Regeln aller finanziellen Angelegenheiten und gegebenenfalls das Sorgerecht für die Kinder geht, was gerichtlich geregelt werden muß, nicht selten „enger“ als vorher.

Daß die Wirklichkeit ganz anders aussieht, als die Vorstellung, die Sexualität habe nur zum Zeugen von Nachkommenschaft in der Ehe ihren Platz, haben spätestens die Mißbrauchsvorkommnisse gerade auch innerhalb der Kirche, aber auch weit darüber hinaus gezeigt. Das war für mich der Auslöser, erneut und vertieft über Sexualität in der Verbindung mit Liebe nachzudenken.

Den Untertitel des heutigen Vortrags „Was die Kirche heute lernen und lehren könnte“ hat mir Dr. Marc Röbel, Geistlicher Direktor der Katholischen Akademie Stapelfeld, vorgeschlagen. Er gehört zu meinem letzten Kurs von Priesterkandidaten, die ich bis 1993 im Collegium Borromaeum in Münster als Spiritual begleitet habe. In diesen Kursen stand in der Woche nach Ostern jeweils die sogenannte „Zöliwoche“ an, in der es um die drei Evangelischen Räte „Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit“ ging. Statt des Begriffes Ehelosigkeit wird auch Keuschheit und Enthaltsamkeit verwendet. Diesbezüglich ist aber auch zu erwähnen, daß der sexuelle Umgang in der Ehe ebenfalls keusch sein sollte. Wie aber sieht Enthaltsamkeit aus? Ich kann nicht alle Fragen beantworten, die hier angesprochen werden. Aber die Ausführungen werden genug Anstöße geben für ein Weiterdenken.

Bei den meisten Studenten war die Frage nach der Ehelosigkeit, dem Zölibat, die vorrangigste, daher auch der Ausdruck „Zöliwoche“. Für andere wiederum stand abhängig von der jeweiligen Persönlichkeitsstruktur die Armuts- oder auch die Gehorsamsfrage, zu der der Aspekt Macht gehört, im Vordergrund.

Die Kirchen, nicht nur die römisch-katholische, verstehen Sexualität vorwiegend als Gelegenheit zur Sünde, wobei in der römisch-katholischen Kirche diesbezüglich nur schwere Sünden begangen werden können und das in „Gedanken, Worten und Werken“.

Das Problem stellt sich aber auch außerhalb der Kirchen mehr oder weniger im gesamten Abendland. Viele denken: „Eigentlich müßte mein sexuelles Leben ganz anders sein.“ Über keinen Lebensbereich werden so viele anzügliche Witze gemacht wie in Bezug auf Sexualität.

Entrüstung über Fehlverhalten ist auch eine Art von Befriedigung. Die Älteren kennen noch die Bewertung von Filmen. Darüber von der Kanzel zu sprechen, war die beste Reklame. Man erinnere sich an den Film „Die Sünderin“ (1951), in dem eine junge Frau (Hildegard Knef) lediglich aus einer Distanz heraus kurz, aber eben doch völlig nackt zu sehen war. Entgegen verbreiteter Meinung war es aber nicht die Nacktszene, gegen die sich der Protest richtete, sondern die Thematisierung von wilder Ehe, Prostitution und Vergewaltigung.

Ganz anders zeigt sich das Verhältnis der Menschen zur Sexualität im Morgenland. Dort schließt sie sogar die Möglichkeit der Gotteserfahrung in sich. Aber was ist Sexualität nun wirklich? Was ist Liebe wirklich? Erfüllende und voll befriedigende Antworten vermag ich nicht zu geben. Aber Annäherungen will ich versuchen.

2. Begriffe

2a Liebe

Was ist Liebe? Wie den Tod können wir auch die Liebe nicht definieren. Definieren bedeutet eingrenzen. Wir kennen das Wort des hl. Bernhard von Clairvaux (1090-1153): „Das Maß der Liebe ist Liebe ohne Maß.“ Wir können nur ihre Erscheinungsformen aufzeigen. Im Deutschen gibt es nur ein Wort für das weite Feld, das wir Liebe nennen. Es reicht von Gott, von dem wir sagen, daß er die Liebe ist, bis zu dem, was auch noch als Rest von Liebe im Bordell vorhanden sein kann. Der Mensch hat einen unbeschreiblichen Hunger nach Liebe. Aber welche Traurigkeit birgt der Versuch in sich, dieses rare Gut käuflich zu erwerben.

Es gibt Liebe ohne genitale Sexualität, deren Ziel nicht die Erzeugung von Nachwuchs ist. Das trifft für alle Menschen zu, die noch nicht oder nicht mehr zeugen können.

Aber gibt es wahre Sexualität ohne Liebe? Leider sprechen wir im Christentum nur vom Doppelgebot der Liebe, nämlich der Liebe zu Gott und zum Nächsten. Es geht aber um ein Dreifachgebot. Ohne mich selbst zu lieben, kann ich weder Gott noch den Nächsten lieben.

In der Liebe muß ich von mir selbst absehen können, vom anderen her denken, urteilen und handeln, das heißt, dem anderen Nächster sein, wie zum Beispiel der barmherzige Samariter (Lk 10,25-37). Jesus will uns sagen: „Der Nächste ist wie du – er ist du – er ist eins mit dir als Kind Gottes“, entsprechend seiner Aussage: „Ich und der Vater sind eins.“ (Joh 10.30)

Liebe heißt, auf eine gemeinsame Mitte, ein gemeinsames Ziel hin ausgerichtet zu sein. „Nicht einander anschauen, sondern gemeinsam in eine Richtung schauen.“ (Antoine de Saint-Exupéry 1900–1944)

Es zeigt sich eine gewisse Ähnlichkeit von Ehe und Zölibat: Der Zölibat verweist auf den Zustand im Himmel, wo nicht mehr geheiratet wird (Mt 22, 30). In der Ehe streben die Partner gemeinsam zum Himmel.

Gott als Person

Wir beschreiben die Transzendenz, die Wirklichkeit, die jenseits der uns erfahrbaren liegt und die uns zugleich umgibt und durchdringt, mit dem Kostbarsten, was wir kennen, unserem Personsein. Da die monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam in der Zeit des Patriarchates entstanden sind, wurde diese Person (Jahwe, Gott, Allah) ein Mann – ein alter Mann mit Bart. Im Matriarchat gab es Göttinnen. Die Naturreligionen kennen in der Regel ein Götterpaar.

Heute ist man zwar zunehmend der Meinung, es müsse vermutlich etwas Höheres, Transzendentes geben, aber man solle es Energie nennen. Es kommt aber darauf an, mit dem Transzendenten in Beziehung zu treten. Ist das mit einer Energie möglich? Ist nicht die Verbindung, die Beziehung mit einer Person, das intensivste Bild für die Beziehung zu etwas Göttlichem? Die Mystiker verwenden dazu sogar eine erotische Sprache wie zum Beispiel Theresia von Avila (1515-1582) und Mechthild von Magdeburg (1207-1282), auf die ich noch zurückkomme. Eng verbunden war mit der Entstehung monotheistischer Religionen eine hierarchische Struktur, was sich in der Kirche noch bis heute auswirkt, verbunden mit einer großen Angst vor einer synodalen Struktur. Der Zentralismus war selten so groß wie in der heutigen Zeit. Es ist zu hoffen, daß Papst Franziskus (* 1936) den Ortsbischöfen wieder eigene Kompetenzen gibt.

Wer oder was ist Gott? Was auch immer wir über ihn sagen, ist immer größer, aber auch kleiner, als wir es ausdrücken können.

In uns lebt die Sehnsucht, Gott möge gegenständlicher und dingfester sein, gar nachbildbar in einer Art Skulptur, daher stellen wir ihn als Person dar.

Gott als Liebe

Neben dem Personsein verwenden wir, um Gott zu beschreiben, ein weiteres für uns erfahrbares Kostbares, die Liebe. Wir vermögen nicht zu sagen, was Gott ist, wohl aber wie Gott ist. Als Person ist Gott wie die Liebe, bedingungslose Liebe. Diese überfließende und überströmende Liebe ruft die Schöpfung ins Dasein. Indem er, der alles in allem ist, sich zurückzieht, schafft er Raum für die Schöpfung, und am Ende der Zeiten holt er seine Schöpfung wieder heim. Dann ist Gott (wieder) alles in allem (1. Kor 15,28).

Gott ist der, an den wir glauben und auf den wir unsere ganze Hoffnung setzen. Die Besonderheit der Liebe Gottes kommt dadurch zum Ausdruck, daß sie ohne Bedingungen ist. Kinder hören von ihren Eltern manchmal: „Du bist nur lieb wenn …“ Auch sich selbst bedingungslos anzunehmen, ist sehr schwer.

Eine genaue Definition der Liebe ist meines Erachtens unmöglich. Einige Aspekte sind noch zu nennen: Durch Zuwendung erfährt der Mensch in seinem Dasein Bestätigung. Er wird am Du zum Ich. So wird Liebe zur Erfahrung des Ganzseins und hilft uns, vollständig zu werden.

Im Bereich der Liebe gelten andere Gesetzmäßigkeiten als im normalen Leben. Liebe fragt nicht: „Was habe ich davon?“ Es funktioniert auch nicht die Logik „wenn... dann ...“. In der Liebe lebt das Paradox: „Wer verliert, gewinnt.“ (Mt 16.25) „Laß mich los, damit ich zu dir kann.“ Wenn ich den anderen loslassen kann, erfahre ich für mich Halt, wenn ich ihn festhalten will, entwischt er mir, vergleichbar einem Vogel, der sich auf meine hingestreckte Hand setzt, aber davonfliegt, wenn ich nach ihm greife.

Der Intensität meiner Sehnsucht und meines Begehrens entspricht die Zuwendung meines Gegenübers. Bei einer falsch verstandenen Sehnsucht meinerseits, treten Macht und Abgründe meines Begehrens an die Oberfläche; denn ich mißbrauche mein Gegenüber, um die eigene Leere zu füllen.

Kinder möchten noch alles, was sie sehen und ihnen gefällt „haben“. Erst Erwachsenen ist es in der Regel möglich, ihr Begehren zu kultivieren, das heißt, es als eine Form des Anteilnehmens zu verstehen und nicht als Haben und Besitzen.

Liebe will sich mitteilen und teilhaben.
In der Liebe hilft kein Wissen, sondern ich darf glauben, daß mein Gegenüber mich liebt, und das bedeutet mehr als wissen.
Liebe kann ich nicht beweisen, sondern nur durch Zeichen unterstützen.

2b Sexualität

Ich verstehe unter Sexualität eine Mischung von Anziehung und Begehren. „Halb zog sie ihn, halb sank er hin“, so formulierte Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) in seiner Ballade „Der Fischer“.

Sexualität gehört neben dem Streben nach Besitz und Macht zu den unersättlichen Grundtrieben des Menschen. Dieses Verlangen nach dem MEHR verweist auf etwas jenseits der irdischen Wirklichkeit Existierendes. Im Hier und Jetzt sind diese Sehnsucht und dieses Verlangen nicht zu befriedigen. Wir kennen den Vers „Je mehr er hat, je mehr er will“ aus Johann Martin Millers (1750-1814) Gedicht „Die Zufriedenheit“.

Heute wollen wir nicht erst im Jenseits, sondern bereits in dieser Welt glücklich werden. Wir wollen sogar eine schmerzfreie, leidlose Welt. Zu solchem Glück gehört auch eine erfüllte Sexualität. Wir vergessen allzu oft, daß Tod, Leid und Schuld zu den uns nicht unbedingt gefallenden Grundkonstanten des Lebens gehören. Häufig fehlt uns auch ein Bewußtsein für die dunklen Seiten der Sexualität. Deren oft verklärte Sicht bedarf einer Entmythologisierung. Auch die dunklen und dämonischen Facetten der Liebe sind nicht zu unterschlagen. Filme wie zum Beispiel „Im Reich der Sinne“ (1976) geben Zeugnis davon. Dort erdrosselt die Frau in einem letzten Höhepunkt der Ekstase den Mann auf dessen eigenen Wunsch hin und schneidet ihm die Genitalien ab.

Als fünfzehnjähriger Maurerlehrling erfuhr ich in der Baubude, daß Sex die wichtigste Sache der Welt sei, wußte mit dieser Aussage aber nicht viel anzufangen. Genaugenommen stimmt sie sogar; denn ohne Sexualität stürbe die Menschheit aus. Später hörte ich von einer Ärztin, der Koitus sei die Urszene der Menschheit. Für die Kirche hat diese Szene aber nur in der Missionarsstellung zu geschehen. Dabei projizieren die Mythen das Gegenteil bereits in die Schöpfungsgeschichte zurück. Adams erste Frau Lilith mit roten Haaren und roten Fingernägeln wollte nach jüdischer Vorstellung beim Geschlechtsakt oben liegen. Da Adam dieses mißfiel, verließ sie ihn.

Sexualität hat verschiedene Erscheinungsformen: Es gibt die Bandbreite von Asexualtität bis Bisexualität. Jeder Mensch ist auf dieser Skala irgendwo angesiedelt. Unter Asexualität versteht man: 1. Menschen, die Lust beim Masturbieren empfinden, aber nicht beim Sex mit einem anderen Menschen. 2. Menschen, die eine emotionale, aber keine sexuelle Anziehung empfinden. 3. Menschen, die sexuelle Lust mit anderen verspüren, aber nicht mit denen, die sie emotional lieben. 4. Menschen, die weder emotionale Anziehung noch einen sexuellen Trieb wahrnehmen. Bisexuelle können mit beiden Geschlechtern sexuelle Lust erfahren.

Dazwischen sind Schwule, Lesben, Transsexuelle und Intersexuelle angesiedelt. Transsexuelle fühlen sich als Mann in einem weiblichen Körper oder umgekehrt. Intersexuelle, die zum Beispiel einen Hoden und einen Eierstock haben oder eine Vagina, aber eine Klitoris wie einen Penis, wurden früher oft so operiert, daß sie dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zugeordnet werden konnten. Heute können sie das „dritte“ Geschlecht „divers“ zugesprochen bekommen. Für sie werden auch eigene Toiletten geschaffen.

2c Liebe und Sexualität

Liebe als Agape und Eros – Sexualität als Libido und Genitalität

Wenn Liebe und Sexualität miteinander harmonieren, kann dies der Himmel auf Erden sein.

Nach dem Verständnis der Bibel bedeutet Schöpfung Trennung und Spaltung in Oben und Unten, in Trocken und Naß und vieles mehr, letztlich auch in Frau und Mann. Aus dem ALL-EINEN wurde das Viele (lat. multum non multa – viel {ein Ganzes}, aber nicht vielerlei {mehrere Einzelheiten}). Ein oft verkürzt wiedergegebener Satz von Aristoteles (384-322 v.Chr. G.) lautet: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“ Das vollständige Zitat heißt: „Das, was aus Bestandteilen so zusammengesetzt ist, daß es ein einheitliches Ganzes bildet, nicht nach Art eines Haufens, sondern wie eine Silbe, das ist offenbar mehr als bloß die Summe seiner Bestandteile.“

Als Gott den Menschen schuf, war nach meiner Vorstellung das Erste eine Frau, aus der der Mann hervorging. Aber als die Bibel geschrieben wurde, lebten die Menschen im Patriarchat, in dem sich die Männer die Frage erlaubten, ob die Frau überhaupt ein ganzer Mensch sei und eine Seele habe. Der Körper der Frau galt nach damaliger Vorstellung als Treibhaus, in dem der männliche Samen heranreifte. Insofern war es unvorstellbar, daß dort etwas Weibliches herauskommen konnte. Es mußte ein defekter Mann sein. Die Männer haben neben dem x-Chromosom ein y-Chromosom und da fehlt sozusagen ein „Zacken“ in der Krone. Die Frauen haben zwei x-Chromosomen.

Es gibt auch die Vorstellung, daß der erste Mensch androgyn war, also weder Mann noch Frau, und daß es am Ende, wenn Gott die Welt wieder heimholt, auch so sein wird. Im nicht in die Heilige Schrift aufgenommenen Thomasevangelium heißt es:
„22 Jesus sah kleine (Kinder) saugen. Er sprach zu seinen Jüngern: Diese Kleinen, die saugen, gleichen denen, die eingehen ins Reich. Sie sprachen zu ihm: Werden wir, indem wir klein sind, eingehen in das Reich? Jesus sprach zu ihnen: Wenn ihr die zwei (zu) eins macht und wenn ihr das Innere wie das Äußere und das Äußere wie das Innere und das Obere wie das Untere, und wo ihr macht das Männliche und das Weibliche zu einem einzigen, damit nicht das Männliche männlich und das Weibliche weiblich ist, wenn ihr macht Augen statt eines Auges und eine Hand statt einer Hand und einen Fuß statt eines Fußes und ein Bild statt eines Bildes, dann werdet ihr eingehen in [das Reich].“

Schöpfung erfahren wir als verlorene Einheit und Ganzheit, und unsere Sehnsucht richtet sich darauf, diese Einheit und Ganzheit wiederzuerlangen. Mein letztes Buch heißt: „Sehnsucht – aber wonach? Eins zu werden mit allem, was ich nicht bin.“

Für diese Wahrheit gibt es einen Zeugen: Papst Benedikt XVI. (* 1927), der in seiner ersten Enzyklika „Deus Caritas“ wunderschöne Texte darüber schreibt. Woher er es weiß, ist mir nicht klar. Erlebt hat er es vermutlich nicht, aber ihm muß eine so glaubhafte Quelle zugrundegelegen haben, daß er formulierte:
„So wird sichtbar, daß Eros der Zucht, der Reinigung bedarf, um dem Menschen nicht den Genuß eines Augenblicks, sondern einen gewissen Vorgeschmack der Höhe der Existenz zu schenken — jener Seligkeit, auf die unser ganzes Sein wartet.

Eine ungeheuerliche Äußerung, das leibliche Einsein von Mann und Frau mit dem Himmel zu vergleichen; denn sonst wird nur die Eucharistie als Unterpfand und Angeld für die ewige Herrlichkeit bezeichnet.

Im 5. Absatz heißt es:
„Zweierlei ist bei diesem kurzen Blick auf das Bild des Eros in Geschichte und Gegenwart deutlich geworden. Zum einen, daß Liebe irgendwie mit dem Göttlichen zu tun hat: Sie verheißt Unendlichkeit, Ewigkeit — das Größere und ganz andere gegenüber dem Alltag unseres Daseins. Zugleich aber hat sich gezeigt, daß der Weg dahin nicht einfach in der Übermächtigung durch den Trieb gefunden werden kann. Reinigungen und Reifungen sind nötig, die auch über die Straße des Verzichts führen. Das ist nicht Absage an den Eros, nicht seine ‚Vergiftung', sondern seine Heilung zu seiner wirklichen Größe hin.“

Mit dem Begriff „Vergiftung“ bezieht sich Papst Benedikt auf Friedrich Nietzsche (1844-1900), der scharfzüngig formuliert hat, das Christentum habe dem Eros Gift zu trinken gegeben; er sei zwar nicht daran gestorben, aber zum Laster entartet.

Um das Einssein zu verkosten, muß man vorher das Getrenntsein gespürt haben. Am erlebnisreichsten ist das Einsein mit einem lebendigen Du. Vielleicht mußten wir getrennt werden, um den Verlust zu spüren und uns bewußt zu werden, daß der Himmel das Einssein im ALL-EINEN ist.

Warum müssen wir erst durch dieses Erdenleben, wenn wir von Gott kommen und wieder dorthin zurückstreben?

Vermutlich waren wir im ALL-EINEN mit Gott zu unbewußt, wie es auch die Kinder am Anfang ihres irdischen Daseins noch sind. Wir müssen durch dieses Erdenleben, um dort zu erfahren, was Beziehung bedeutet. Und welche wäre wichtiger als diejenige zu Gott? Wenn wir das begriffen haben, holt uns Gott wieder heim. Diese Vorstellung macht ebenfalls deutlich, warum wir geneigt sind, Gott als Person zu sehen.

Wohlstand birgt die Gefahr in sich, daß man meint, bereits den Himmel auf Erden zu haben. Wir möchten „leben wie Gott in Frankreich“ und streben nach immer mehr:
„An allem ist etwas zu wenig.“ (Ingeborg Bachmann 1926-1973)
„Es muß im Leben mehr als alles geben“. (Maurice Sendak 1928-2012)
Aber worin besteht das wirkliche MEHR? Wie läßt es sich erfahren?

Es geht um ekstatische Erlebnisse, die viele heute in der Droge suchen. Sie sind aber auch anders zu erleben, zum Beispiel im Tanz. Religiös pflegen ihn die Derwische, Mitglieder des Sufismus, einer muslimischen religiösen Ordensgemeinschaft. Im Drehen um die eigene Achse geraten sie in Ekstase.

In der sexuellen Vereinigung wird die Ichgrenze aufgehoben, die eigene Identität erschüttert, die Zeit angehalten. Der Mann gibt seine Liebe von seinem Herzen über den Penis an die Frau. Sie kann sich vom Mann über ihre Vagina bis in ihr Herz berühren lassen. Ein starkes Gefühl von Getragensein und Ergriffenheit erfüllt die Liebenden, das sie, gestärkt durch ein neues Erleben ihrer selbst und ihres Gegenübers, langsam wieder in die Realität einpendelt.

Die metaphorische Sprache sagt etwas aus, was sich auf andere Weise nicht vermitteln läßt. Sie drückt wesentlich mehr aus, als es die begriffliche Sprache vermag. Nur das erotische Vokabular scheint fähig zu sein,

Gefühle intensivster Zuneigung zwischen Menschen und auch zwischen Mensch und Gott in Worte zu fassen.

Verzückung der Theresia von Avila nach Giovanni Lorenzo Bernini (1598-1680)

Die Skulptur befindet sich heute im linken Querarm der Kirche Santa Maria della Vittoria in Rom. Sie zeigt die heilige Theresia im Augenblick ihrer Vision, bei der ihr ein Engel mit dem Pfeil der göttlichen Liebe das Herz durchbohrt.

Theresia hat dieses Erlebnis in ihrer Autobiographie wie folgt beschrieben:
„Unmittelbar neben mir sah ich einen Engel in vollkommener körperlicher Gestalt. Der Engel war eher klein als groß, sehr schön, und sein Antlitz leuchtete in solchem Glanz, daß er zu jenen Engeln gehören mußte, die ganz vom Feuer göttlicher Liebe durchleuchtet sind; es müssen jene sein, die man Seraphe nennt. In der Hand des Engels sah ich einen langen goldenen Pfeil mit Feuer an der Spitze. Es schien mir, als stieße er ihn mehrmals in mein Herz, ich fühlte, wie das Eisen mein Innerstes durchdrang, und als er ihn herauszog, war mir, als nähme er mein Herz mit, und ich blieb erfüllt von flammender Liebe zu Gott. Der Schmerz war so stark, daß ich klagend aufschrie. Doch zugleich empfand ich eine so unendliche Süße, daß ich dem Schmerz ewige Dauer wünschte. Es war nicht körperlicher, sondern seelischer Schmerz, trotzdem er bis zu einem gewissen Grade auch auf den Körper gewirkt hat; süßeste Liebkosung, die der Seele von Gott werden kann.“

Einige Kunsthistoriker haben die Möglichkeit einer sexuellen Deutungsweise erwogen: Ein Gesichtsausdruck wie eine Frau im Orgasmus.

Mechthild von Magdeburg:
„Nun geht die Allerliebste zu dem Allerschönsten in die verborgenen Kammern der unsichtbaren Gottheit. Dort findet sie der Minne Bett und Gelaß und Gott übermenschlich bereit.Da spricht unser Herr:
»Haltet an, Frau Seele!«
»Was gebietest Du, Herr?«
»Ihr sollt nackt sein! «
»Herr, wie soll mir dann geschehen?«
»Frau Seele, Ihr seid so sehr in mich hineingestaltet, daß zwischen Euch und mir nichts sein kann. Es ward kein Engel je so geehrt, dem das wurde eine Stunde gewährt, was Euch von Ewigkeit ist gegeben. Darum sollt Ihr von Euch legen beides, Furcht und Scham und alle äußeren Tugenden. Nur die, die von Natur in Euch leben, sollt Ihr immerdar pflegen. Dies ist Euer edles Verlangen und Eure grundlose Begehrung; die will ich ewig erfüllen mit meiner endlosen Verschwendung.«
»Herr, nun bin ich eine nackte Seele, und Du in Dir selber ein reichgeschmückter Gott. Unser zweier Gemeinschaft ist ewiges Leben ohne Tod.«
Da geschieht eine selige Stille, und es wird ihrer beider Wille. Er gibt sich ihr, und sie gibt sich ihm. Was ihr nun geschieht, das weiß sie, und damit tröste ich mich. Aber dies kann nie lange sein. Denn wo zwei Geliebte verborgen sich sehen, müssen sie oft abschiedlos voneinander gehen.
Lieber Gottesfreund, diesen Minneweg habe ich dir geschrieben.
Gott möge ihn deinem Herzen erschließen! Amen.“

3. Kirche und Sexualität

Von dem französischen Philosophen Paul Ricœur (1913-2005) stammt der Satz:
„Statt die Liebe zu preisen, wäre es besser, sich ernsthaft um die Sexualität zu kümmern.“

In Verlautbarungen der Kirche wird das Wesen der Liebe wunderschön umschrieben. So in den Texten des letzten Konzils und selbst in der so geschmähten „Pillenenzyklika“ Pauls VI. (1897-1978).

Konzil „Gaudium et spes“:
„Diese Liebe wird durch den eigentlichen Vollzug der Ehe in besonderer Weise ausgedrückt und verwirklicht. Jene Akte also, durch die die Eheleute innigst und lauter eins werden, sind von sittlicher Würde; sie bringen, wenn sie human vollzogen werden, jenes gegenseitige Übereignetsein zum Ausdruck und vertiefen es, durch das sich die Gatten gegenseitig in Freude und Dankbarkeit reich machen. Diese Liebe, die auf gegenseitige Treue gegründet und in besonderer Weise durch Christi Sakrament geheiligt ist, bedeutet unlösliche Treue, die in Glück und Unglück Leib und Seele umfaßt und darum unvereinbar ist mit jedem Ehebruch und jeder Ehescheidung. Wenn wirklich durch die gegenseitige und bedingungslose Liebe die gleiche personale Würde sowohl der Frau wie des Mannes anerkannt wird, wird auch die vom Herrn bestätigte Einheit der Ehe deutlich.“

Enzyklika:
„8 Die eheliche Liebe zeigt sich uns in ihrem wahren Wesen und Adel, wenn wir sie von ihrem Quellgrund her sehen; von Gott, der ‚Liebe ist (6)’, von ihm, dem Vater, ‚nach dem alle Vaterschaft im Himmel und auf Erden ihren Namen trägt (7)’. Weit davon entfernt, das bloße Produkt des Zufalls oder Ergebnis des blinden Ablaufs von Naturkräften zu sein, ist die Ehe in Wirklichkeit vom Schöpfergott in weiser Voraussicht so eingerichtet, daß sie in den Menschen seinen Liebesplan verwirklicht. Darum streben Mann und Frau durch ihre gegenseitige Hingabe, die ihnen in der Ehe eigen und ausschließlich ist, nach jener personalen Gemeinschaft, in der sie sich gegenseitig vollenden, um mit Gott zusammenzuwirken bei der Weckung und Erziehung neuen menschlichen Lebens. Darüber hinaus hat für die Getauften die Ehe die hohe Würde eines sakramentalen Gnadenzeichens und bringt darin die Verbundenheit Christi mit seiner Kirche zum Ausdruck.“

Bei der Sexualität aber geht es in den Äußerungen der geistlichen Autorität oft vor allem um das, was verboten ist. Was ergibt sich aber aus der von Gott gewollten Schöpfung des Menschen als geschlechtliche Wesen, als Mann und Frau?

Offizielle Lehre ist, daß jede Art von Sexualität, die nicht innerhalb der Ehe stattfindet, Unzucht ist und ein Verstoß gegen die Natur der menschlichen Geschlechtlichkeit selbst. Selbst innerhalb der Ehe ist die Geschlechtslust ungeordnet, wenn sie um ihrer selbst willen gesucht wird.

Jede Form von Sexualität, die den anderen als austauschbar, verdinglicht oder käuflich ansieht, jede Form von Sexualität, die sexuelle Begegnung dazu nutzt, das eigene Selbstbewußtsein, den eigenen Status zu erhöhen, kann daher nicht gut sein, ganz egal, ob im Zusammenhang mit einer gültigen Ehe oder auch ohne.

Die Erlaubtheit von gelebter Sexualität hängt nach Lehre der Kirche von der gültigen Ehe ab. Wie diese dann gelebt wird, ist weniger wichtig.

An erster Stelle müßte die Achtung vor der Würde des Menschen stehen, das Verbot von Gewalt in der Ehe.

Folgender Vergleich sollte nachdenklich machen:
Ein verheirateter Mann kommt nach Hause, dezimiert das Porzellan und zieht dann seine Ehefrau ins Bett.
Ein unverheiratetes Liebespaar findet sich in einer Sommernacht auf einer Wiese ineinander ...
Bei wem ist Sünde im Spiel?

Die Kluft zwischen der gelebten Sexualität vieler Christen und den vom Lehramt gepredigten Moralnormen ist und bleibt vermutlich auch weiterhin sehr groß. Statt detaillierte Verbotsnormen vorzugeben, sollte die Kirche die Sexualmoral als Beziehungsethik formulieren und die Sexualität als eine besondere Form der Kommunikation darstellen, in der Zuneigung, Wertschätzung, Fürsorge und Annahme einen bedeutenden Stellenwert einnehmen; denn in Beziehungen geht es um das Übernehmen von Verantwortung für diejenigen, denen man emotional und leiblich nahekommt und nicht um das Abwägen von Grenzen, innerhalb derer Befriedigung erlaubt und jenseits derer sie verboten ist.

Es stellen sich unter anderen folgende Fragen:
Was ist mit Paaren, die keine Kinder bekommen können oder zu alt dafür sind? Sollen sie ihre Sexualität nicht leben? Was ist mit Partnern, die kein weiteres Kind bekommen möchten, weil sie finanziell oder psychisch an ihre Grenzen gekommen sind?

Im Codex Iuris Canonici – Kanonischen Recht CIC/1917 sprach man vom zweifachen Ehezweck: primärer Ehezweck (Zeugung und Erziehung von Nachkommen), sekundärer Ehezweck (gegenseitige Hilfe und geordneter Gebrauch des Geschlechtstriebes).

Im neuen Kirchenrecht erfolgte eine leichte Abschwächung.
„CIC/1983: Die Ehe ist gleichermaßen auf das Wohl der Ehepartner und auf die Zeugung und Erziehung von Nachkommen hingeordnet.“

Von meinem ersten Pastor, dem Propst von Xanten, habe ich als Kaplan gelernt:
„Was der Liebe und dem Leben dient, ist erlaubt.“ Dieser Satz erinnerte mich an die Worte des großen Kirchenvaters Augustinus (354-430): „Liebe und tue was du willst.“

Er hat uns aus seinen persönlichen Schwierigkeiten mit der eigenen Sexualität etwas hinterlassen, was bis heute nachwirkt. In seinen „Bekenntnissen“ schildert er seinen jahrelangen Kampf um die Befreiung von der Sexualität. Für ihn war sie eine Fessel, eine ewige Gier, eine unkontrollierte Leidenschaft, die ihn überfiel, ohne daß er es wollte. Er rief aus: „Herr, gib mir Keuschheit und Enthaltsamkeit, aber noch nicht jetzt.“

Der christliche Gelehrte Origenes (184-253) soll sich seinen Penis abgeschnitten haben, weil dieser gegen seinen Willen erigierte.

Im KZ hat man Mönchen eine Kutte über den nackten Leib gezogen, ihnen pornographische Bilder gezeigt, die Kutte gehoben und mit Hinweis auf das erigierende Glied ausgerufen: „Seht, dieses Schwein!“

Augustinus war der Ansicht, in der Ehe solle der Sex ohne Lust sein, nur willentlich und kontrolliert. Er hielt die Begierde für eine Folge der Ursünde.

Der Theologe und Diplompsychologe Ernst Ell (1915-2015) formulierte bereits 1972:
„Sexualität ist eine Qualität der Person und nicht der Institution Ehe. [...] Mit welchem Recht wird sexuelles Leben an die Ehe gebunden? Zwar ist es einsichtig, daß Ehe und Sexualität zusammengehören, nicht aber ebenso einsichtig, daß Sexualität und Ehe notwendig und ausschließlich zusammengehören; wie auch jedermann versteht, daß Schule und Geist zusammengehören, aber nicht, daß Geist und Schule notwendig und ausschließlich zusammengehören: es kann deshalb außerhalb der Schule sehr viel Geist bester Qualität geben, ebenso auch außerhalb der Ehe sehr viel Sexualität ebenfalls bester Qualität geben, und wie in der Schule der Geist, so kann auch in der Ehe die Sexualität verkommen.“

Die katholische Kirche denkt in Jahrtausenden. Daß das Problem mit der Sexualität so groß ist, hat nicht die Predigt Jesu verursacht, sondern die Philosophie der Griechen, die sich die Seele wie einen Vogel im Käfig vorstellten. Dadurch ist im christlichen Glauben die Trennung von Leib und Seele entstanden. Die Kirche sieht Leib, Geist und Seele nicht als Einheit, sondern spricht nur die geistige Dimension an. Sie wertet die dazu polare Dimension des Leibes ab. Die Polaritäten des Lebens aber verlangen nach einer Balance, die zum Beispiel in Bezug auf die Sexualität jedweder Art von Beziehung Raum zum Atmen läßt.

Der libanesische Dichter und Philosoph Khalil Gibran (1883-1931) schreibt von der Ehe:
„Aber laßt Raum zwischen euch. Und laßt die Winde des Himmels zwischen euch tanzen. Liebt einander, aber macht die Liebe nicht zur Fessel: Laßt sie eher ein wogendes Meer zwischen den Ufern eurer Seelen sein.“

 

Unvergleichlich schön spiegelt sich diese Vorstellung in Auguste Rodins (1840-1917) aus zwei rechten Händen bestehendem Kunstwerk „La cathédrale“ wider. Vermutlich hat aber seine Geliebte Camille Claudel (1864-1943) die Hände geschaffen und Rodin hat sie zusammengefügt.

 

 

Die im Indischen existierende Polarität wird Shiva und Shakti genannt. Hierbei handelt es sich um Personifizierungen. Shiva (männlich) und Shakti (weiblich) sind jedoch ein Paar. Es wird also mehr der verbindende und ergänzende Aspekt betont als der trennende und gegensätzliche. Schon allein die Verwendung dieser für uns weniger besetzten Begriffe kann einen neuen Blick und eine andere Haltung ermöglichen.

Shiva (wörtl.: der „Gütige“, verehrt als eine oberste Gottheit der Hindu-Trinität) steht hierbei unter anderem für die kosmische Energie, für Bewußtsein, für das Erschaffende, für das Ewige, das transzendente Absolute.

Seine „Gemahlin“ Shakti (wörtl.: die „Kraft“, verehrt als die „göttliche Mutter“) symbolisiert die Energie und die Erscheinungen der Erde, das Naturhafte und das Körperliche, also die Urenergie und alles aus ihr Geschaffene.

Shakti und Shiva

Nach indischer Vorstellung sitzen Shakti und Shiva in Ewigkeit ineinander verschlungen. Dennoch lassen sie einander genügend „Freiraum“.

Yoga (von yuj, in der Bedeutung „sich verbinden, sich verheiraten“, lat.: iungere) ist eine Praxis mittels derer der Mensch lernt, die beiden Pole in sich zu verbinden und so die Dualität zu überwinden. Die Mystiker bezeichnen dies als „unio mystica – heilige Hochzeit“.

Das Tantra bezeichnet neben verschiedenen Strömungen innerhalb der indischen Philosophie unter anderem auch eine Sexualpraktik, in der nicht der Orgasmus Ziel und Endpunkt des Geschlechtsaktes darstellt. Es handelt sich vielmehr um ein darin Aufgehen, so daß der gesamte Akt „orgastischen“ Charakter annimmt. Damit dies gelingt, müssen die Partner ihre Fixierung auf den Orgasmus lösen.

Dem Tantra entspricht im Westen in gewisser Weise die Karezza (ital. carezza – Streicheln, frz.: caresser). Während diese Sexualpraktik früher unter anderen als Verhütungsmethode empfohlen wurde, stellt sie heute eher eine Spiritualisierung der Sexualität dar. Diese kann gelingen, wenn nicht nur der Mann bewußt auf den Samenerguß verzichtet, sondern beide Partner ihre Fixierung auf den Orgasmus aufgeben. So vermag diese Methode auch zur vollen Integration und darüber hinaus zur Sublimierung der Sexualität verhelfen.

Die traditionelle Moraltheologie hat zu wenig getan, um dem Menschen als sexuellem Wesen gerecht zu werden. Sie bleibt weitgehend sprachlos. Sexualität war bis in die 1960er Jahre noch ein Tabu. Heute ist das geschlechtliche Klima ins Gegenteil verkehrt. Man kann eher jemanden nach seinen sexuellen Praktiken fragen, als nach dem, was er wirklich glaubt. Kinder wachsen schon mit Pornographie auf. Für die heranwachsende Generation ist das eine Tragödie. Für nicht wenige ist Sexualität eher eine schnelle Lust und Technik als ein Geheimnis der Liebe.

Vermutlich treibt man Jugendliche sogar noch stärker in die Orientierungslosigkeit, wenn man ihnen nur ein Ideal verkündet, das ihnen wie eine Botschaft von einem anderen Stern vorkommt und mit ihrer Lebenswirklichkeit nichts mehr zu tun hat.

Obwohl Jesus von Nazareth die kultischen Reinheitsvorstellungen des Alten Testaments überwunden hatte und statt dessen die Reinheit des Herzens in den Mittelpunkt stellte, wurde in der jungen Kirche relativ schnell die Beschränkung zur entscheidenden Leitkategorie für das Verständnis von Sexualität.

Darin liegt auch der Grund dafür, daß es eine Abwertung der Ehe gegenüber der Lebensform der Jungfräulichkeit gab. Vor der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) gab es Meßfeiern für Martyrinnen und Jungfrauen und danach für Frauen, die weder Martyrinnen noch Jungfrauen waren. Ehefrauen wurden wieder zu Jungfrauen, wenn man sie als Heilige verehren wollte, so geschehen bei der hl. Irmgard von Aspel, oder sie mußten als Witwen zur Heiligkeit aufgelaufen sein, wie die hl. Elisabeth, beziehungsweise einen Orden gegründet haben.

Im Umgang mit Sexualität sieht die Kirche fast ausschließlich die Gelegenheit zur Sünde, anstatt deren schönen und befriedigenden Möglichkeiten zu vermitteln. Sie verhält sich, als sei Asexualität das Ideal, eine Vorstellung, die manchen Menschen allerdings auch entgegenkommt.

Eines meiner vielen frühen Motive, warum ich Priester werden wollte, war auch meine Angst vor der Sexualität an sich und meinem eigenen Umgang mit ihr.

In dem Buch „Katholische Moraltheologie“ von Heribert Jone (1885-1967), nach dem meine Generation noch lernen mußte, war von ehrbaren, weniger ehrbaren und unehrbaren Körperteilen die Rede.

Jone

Was für ein großartiges Ereignis war es für mich als Maurerlehrling, der ich vor allem am Montag und in Regenzeiten in der Baubude mitbekam, wie die Kollegen ihre sexuellen Erlebnisse austauschten, als Pius XII. 1950 Maria Goretti (1890-1902) heiligsprach, die lieber sterben, als ihre Jungfräulichkeit verlieren wollte. Ich erinnere mich noch gut, wie wir in der Berufschule im Religionsunterricht ausführlich darüber sprachen. Den Film „Himmel über den Sümpfen (Maria Goretti), den ich direkt nach dessen Erscheinen 1951 mit 15 Jahren gesehen habe, habe ich sehr geliebt. Vermutlich war ich sogar ein wenig in die Hauptdarstellerin Ines Orsini verliebt.

Als Kaplan mußte ich vor der Messe junge Mütter an der Kirchtüre „aussegnen“, damit sie wieder kultisch rein wurden und an der Meßfeier teilnehmen durften. Hier ist die große Verwechselung zwischen moralischer und kultischer Unreinheit angesiedelt. Schon bei den Juden war eine kultische Unreinheit schnell zu erlangen, zum Beispiel wenn man mit Blut in Berührung kam, erst recht mit Menstruationsblut.

Ich kenne einen Priester, der Frauen während ihrer Menses keine Kommunion reicht. Allerdings frage ich mich, woher er weiß, wann das der Fall ist.

In der kultischen Unreinheit liegt auch ein Grund für die endgültige Einführung des Zölibates in der Westkirche auf dem Zweiten Laterankonzil 1139; denn mit seiner Frau zu schlafen, machte einen Priester kultisch unrein. Besonders schwierig wurde die Problematik, als im Westen die tägliche Eucharistiefeier üblich wurde.

Die Ostkirche kennt den Zölibat nur für Ordensleute und Bischöfe. Da sie nur am Sonntag die Eucharistie feiert, war das Problem der kultischen Unreinheit weniger groß.

Die Verehrung Mariens als geschlechtslose Kindfrau, die Idealisierung von Reinheit und Keuschheit, die Vorbildlichkeit mancher Heiligen, die dieses Ideal verkörpern, sind keine Grundlagen für den Entwurf einer neuen christlichen Sexualmoral. Diese braucht andere spirituelle Ideale.

Es braucht eine neue Körpermoral, die kritisch mit dem Begriff Natur umgeht und den Eigensinn des Körpers achtet, fördert und kultiviert. Dann müßte das kirchliche Urteil über Sexualität auf den Anspruch verzichten, ein komplettes und komplexes Regelwerk zu entwerfen und Verhaltensweisen, die sich davon unterscheiden, ohne Bewertung der Umstände und Zusammenhänge als in sich unmoralisch oder als Sünde zu bewerten. Sexualität und Lust sollten nicht tabuisiert oder abgespalten werden. Damit würden sie bewußt oder unbewußt in ein unkontrolliertes und verschmähtes Eigenleben abgedrängt.

Die Kirchen drücken sich beim Thema Sexualität um klare Aussagen. Wo bleibt da der ganzheitliche Ansatz, der zeigt, wie Sexualität in das Ganze des Lebens zu integrieren ist?

Die Kirche beruft sich auf das Naturrecht. Gut wäre es, wenn sie ihre gesamte Sexualmoral nach den Regeln der Güterabwägung revidieren und dem Verhältnis von Handlungen und Nebenwirkungen mehr Beachtung schenkte.

„Die Kirche muß befreiend und wertschätzend von Körperlichkeit und menschlicher Sexualität sprechen und mit einer befreienden zukunftsfähigen Sexualethik auf die Fragen der Menschen von heute zeitgemäß antworten“, so das Positionspapier der kfd.

4. Umgang mit den Trieben

Hat nicht die Natur einen Unrechtsdrall und Verführbarkeit in sich? Die Schöpfung ist zwar gut, aber sie ist nicht unversehrt. Die Festigkeit eines Charakters erkauft sich der Mensch durch die Strenge, die er der Natur in sich antun muß. Odysseus ist dafür ein Beispiel: Er läßt sich anbinden, um den Verlockungen der Circe nicht zu erliegen, während er seinen Gefährten die Ohren zustopft.

Die Triebe sind schlechte Herrscher, aber sie vermögen gute Diener zu sein; letztlich gilt es, sie zu Freunden zu machen. Der Mensch steht zwischen Freiheit und Notwendigkeit; aber es gibt keine Freiheit ohne innere Moralität. So muß der Mensch an sich arbeiten. Aus Angst vor der Gewalt der Triebe werden sie aus Scheu, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, oft unterdrückt.

Die Triebe gleichen einem wilden Tiger, der eingefangen werden muß, aber nicht, um ihn zu töten oder auch nur um ihn gefangenzuhalten, sondern um ihn zu reiten. Das bringt „Die Geschichte vom Tiger und dem Wärter sehr gut zum Ausdruck.

Machen wir es wie der Tiger und der Wärter. Wie das Beispiel zeigt, braucht der Mensch viel Geduld, um seine Triebe zu zähmen. Oft ist dies ein jahrelanger Prozeß; denn der gute Umgang mit den Grundstrebungen erfolgt nicht plötzlich, sondern entfaltet sich stufen- und phasenweise im Laufe des Lebens und will wie alles andere erlernt sein. Doch selbst, wenn dies gelungen ist, gilt, wie es der Volksmund formuliert: „Die Katze läßt das Mausen nicht!“ Trotz ihrer Anpassung als Haustiere haben viele Tiere einen erheblichen Anteil an Ursprünglichkeit in ihrem Verhalten bewahrt. Übertragen auf unser Menschsein und -werden bedeutet dies ein ständiges Üben, um nicht wieder in alte Verhaltensmuster zurückzufallen.

Haltungen gegenüber den Grundstrebungen

Verdrängung
Das Bedürfnis wird nicht wahrgenommen, sondern verdrängt. Der Vorgang ist unbewußt. Die Triebenergie kommt nicht zum Ziel und findet kein Objekt.

Unterdrückung
Das Bedürfnis wird wahrgenommen und dann sofort unterdrückt. Der Vorgang ist bewußt. Der Unterdrücker wirkt verkrampft und gehemmt gleich einem fahrenden Auto mit angezogener Bremse.

Befriedigung
Das Bedürfnis wird wahrgenommen und befriedigt.

Kompensierung
Die Energie des Bedürfnisses wird auf einen Pseudowert gerichtet.

Sublimierung
Die Energie des Bedürfnisses wird auf einen hohen Wert gerichtet.

Integrierung
Das Bedürfnis wird bejaht und so geordnet, daß es eine mit der Lebenswahl übereinstimmende Bedeutung gewinnt.

Verzicht und Opfer
Auf Grund der Integration eines Bedürfnisses kann auf eine Befriedigung verzichtet werden, ohne daß negative Folgen wie ekklesiogene Neurosen entstehen.

Mit dem Zölibat ist eine große Verdrängungsleistung verbunden; denn wer ist fähig, die Sexualität gesund zu sublimieren? Praktisch wird erwartet, asexuell zu sein.

Unser Leib gehört der sinnlichen Welt an. Er vermittelt uns die Sinneseindrücke, an denen sich unserer Triebe, Begierden und Leidenschaften entzünden. Unsere darauf beruhende sinnliche Natur steht zunächst im Widerstreit mit unserer geistig-moralischen Einstellung.

Was ist der Sinn des menschlichen Bedürfnisses nach Zärtlichkeit, Lust und sinnenhafter Freude? Widerspricht dem nicht die überlieferte Lehre des christlichen Glaubens über Kreuz und Leid, Verzicht und Buße, über die Rolle von Askese und Opfer in unserem Leben?

Anzustreben ist, die Sinnlichkeit mit dem Licht des Geistes zu durchdringen und sie dadurch zu veredeln. Eine Läuterung unserer sinnlichen Natur bezieht sich zunächst auf unser seelisches Leben, mit der Zeit bewirkt sie aber auch eine Veredelung bis in unsere physische Leiblichkeit hinein. Verzicht und Opfer sind nicht nur schwer, weil sie etwas lassen müssen, sondern können auch beglückend sein, weil sie etwas gewinnen lassen. Die Triebe, Begierden und Leidenschaften werden auf einer höheren Ebene wiedergeschenkt.

Opfern heißt, „in die Heiligkeit Gottes tragen“. Die französische Schauspielerin und Mystikerin Gabrielle Bossis (1874–1950) hörte Christus sagen:
„Warum opfert man mir nur Leiden? Meinst du nicht, daß deine Freuden mir nicht ebensoviel wert sind, wofern sie mir nur mit der gleichen Liebe dargebracht werden? Ich bedarf eurer Mühsale und eurer Müdigkeit, aber nicht weniger bedarf ich eurer Freuden.“

5. Bedeutung von Zärtlichkeit

Um den Theologiestudenten einen Eindruck zu vermitteln, wie ein Arzt idealerweise mit seinen Patienten umgeht, habe ich als Spiritual in den 1980er Jahren einen Hautarzt für einen Vortrag ins Collegium Borromaeum eingeladen; denn ich war der Ansicht, er könne den jungen Männern Wichtiges sagen. Ich habe diesen Arzt als Menschen und nicht als Mediziner erlebt. Er behandelt wirklich die Menschen. Seine Methoden sind sehr beeindruckend. Da er sehr groß ist, hat er einen kleineren Stuhl als der Patient, um diesem auf Augenhöhe zu begegnen. Entgegen der Vorschrift setzt er sich auf das Bett des Patienten. Er singt, wenn er operiert, vor allem wenn es sich dabei um Kinder handelt, und vieles mehr.

Er hatte seiner Sekretärin den Vortrag diktiert und entdeckte dann auf dem Ausdruck anstelle des Wortes „Kontaktfell“ das Wort „Kontaktfeld“.

Diese beiden Ausdrücke bilden in gewisser Weise eine Einheit; denn die Haut als unser größtes Kontakt- und Sinnesorgan bildet durch ihre Größe von circa 2 m² und einem Gewicht von ungefähr 20-40 Kilo (mit Fettgewebe) ein großes „Kontaktfeld“ für das gesamte „Kontaktfell“.

Nicht nur Berührung oder Druck, sondern auch Wärme oder Kälte beeinflussen unser Fühlen und Empfinden. Das Spüren der warmen Haut der Mutter ist für das Neugeborene der erste Akt der Eingliederung in die menschliche Gesellschaft. Später gibt es dem Kind immer wieder Sicherheit, wenn es die Mutter anfassen kann. Das Berühren überzeugt mehr vom Vorhandensein des anderen als das Sehen und Hören. Wichtig für Berührungen sind Lippen und Finger. Welche Bedeutung haben gerade in der Liebe der Kuß und das Streicheln. Liebende können durch Gesten der Zärtlichkeit mehr ausdrücken als durch Worte. Insofern bedarf es dringend eines Wandels der nicht seltenen Feststellung: „Mann will Sex und nimmt Zärtlichkeit in Kauf – Frau will Zärtlichkeit und nimmt Sex in Kauf.“

Angesichts der Tatsache, daß meine Theologeneration noch gelernt hat:
„Keine Tactus – immer einen Tisch dazwischen!“, ist es wohltuend, Papst Franziskus als einen Menschen ohne jegliche Berührungsscheu zu erleben, der sogar Frauen die Füße wäscht.

Priestern, die über mangelnden Hautkontakt klagen, habe ich zur Buße aufgegeben, sich massieren zu lassen. Das vermittelte ihnen ganz neue Erfahrungen.

Als Übung habe ich auch aufgegeben, bis in den Beckenboden hinein zu atmen. Welch neue Erfahrung diese Übung vermitteln kann, zeigt die Rückmeldung: „Weißt Du auch, was Du damit auslöst?“

Ich antwortete: „Das weiß ich sehr wohl; denn ich selbst habe beim Rebirthing fast wie eine Frau ein Brett geboren, das ich auf der Gürtellinie in meinem Leib trug.“

Auf Grund dieser eigenen Erfahrung habe ich die Therapeutin gebeten, einen Rebirthingkurs für die Studenten im Collegium Borromaeum zu leiten. Die Studenten, die daran teilgenommen haben, waren sehr dankbar für die neuen Körpererfahrungen.

Unsere Hände sind Künstler und Universalgenies für ganz unterschiedliche Tätigkeiten. Dazu gehören neben Holzhacken, Operieren und Wunden vernähen auch so zarte Beschäftigungen wie Streicheln. In gewisser Weise ist die Hand das wichtigste Sexualorgan. Durch Berühren werden die Glückshormone Serotonin, Dopamin und Oxytocin freigesetzt. Wir fühlen uns angenommen, aufgehoben und geborgen.

Worin liegt die Kraft der Zärtlichkeit? Es ist nicht einfach, etwas mit Worten zu umschreiben, was Berührungen viel besser zeigen. Wahrscheinlich ist Zärtlichkeit eine Mischung aus sinnlicher Erfüllung und aus Sehnsucht; denn auch in dieser ist bereits Zärtlichkeit enthalten. Glückliche Erfahrungen aus frühen Kindertagen sind Erinnerungen an Einigkeit und Innigkeit.

Einfache Berührungen haben erstaunliche Kraft. Sie können heilen. Handauflegen kann Schmerzen lindern, Ängste, Depressionen und Aggressionen abbauen und vieles mehr. Daher halte ich auch die Handauflegung bei der Lossprechung in der Beichte für eine wichtige Handlung.

Wenn es möglich wäre, würde ich gerne eine Zärtlichkeitsschule für Männer aufmachen. Kurse für Fuß- und Gesichtsmassage, die ich mit den entsprechenden Fachkräften als Spiritual in Haus Aspel gegeben habe, habe ich auch an anderen Orten gehalten. Zunächst nahmen vorwiegend Frauen daran teil. Diese wiederum schenkten hier und da ihren Männern einen Kurs zu einem Festtag. Bei diesen Kursen hörte ich dann unter anderem: „Ich habe noch nie die Füße meiner Frau solange in der Hand gehabt.“ Bei einigen Paaren erwachte durch die Massagen manches, was zuvor eingeschlafen oder nicht bewußt wahrgenommen war.

Liebe und Sexualität – ein unerschöpfliches Thema, aber ein existentielles. Vielleicht gibt dieser Vortrag einige Anregungen zum Bewußtwerden der Beziehung zur eigenen Sexualität und zur Art der Auswirkungen in der Liebe zu einem Gegenüber.

Als ideale Voraussetzung für eine gute Beziehung verstehe ich die Otto von Bismarck zugeschriebene Äußerung, ein Staatsmann müsse über die drei großen H verfügen: Hirn, Herz und Hoden. Übertragen auf eine Frau, sind diese „großen Drei“: Hirn, Herz und Hystera. Meines Erachtens gelingt eine Beziehung, wenn zwei Menschen fähig sind, sich auf allen drei Ebenen gut zu begegnen.

Mögen Sie etwas von der Glückseligkeit erfahren, von der Papst Benedikt geschrieben hat!

Papst Franziskus schrieb am 17. September 2018 in Vatican News:
„Sexualität, Sex, ist ein Geschenk Gottes. [...] Ohne Tabu. Ein Geschenk Gottes, ein Geschenk, das der Herr uns gibt. Es hat zwei Ziele: sich lieben und Leben hervorbringen. Es ist eine Leidenschaft, leidenschaftliche Liebe. Die wahre Liebe ist leidenschaftlich. Wenn die Liebe zwischen einem Mann und einer Frau leidenschaftlich ist, bringt sie dich immer dazu, Leben zu geben. Immer. Und mit Leib und Seele.“

Weihbischof Dieter Geerlings in einem Interview mit Markus Nolte für Kirche + Leben vom 3. Februar 2019:
„Mir geht es um Folgendes: Sexualität, Selbstbestimmung und Individualität haben in ihrer Bezogenheit aufeinander einen großen Wert. Das muss Kirche sehen und sich auch fragen, ob Sexualität wirklich ausschließlich ehebezogen lebbar und gut ist. Sie müsste sich stärker für eine Sexualmoral einsetzen, die lebbar ist, die sich an der Menschenwürde, an Menschenrechten und Gewaltlosigkeit orientiert.“