Taufe des Herrn – Du bist mein geliebter Sohn (13.1.2019)

„Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“ (Mt 3,17)

Schriftstellen:
Erste Lesung: Jes 42,5a.1-4.6-7
Zweite Lesung: Apg 10,34-38
Evangelium: Mt 3,13-17

Zu Weihnachten haben wir das Geheimnis der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus gefeiert. Gott wird Mensch, damit wir uns nicht schämen müssen, menschlich zu sein. Das einzige, dessen wir uns schämen müssen, ist die Sünde. Sie geschieht, weil wir nicht genügend Vertrauen haben, weil wir Angst haben, unser Menschsein würde uns nicht genügen, weil wir meinen, wir müßten wie Gott sein.

Während wir gewohnt sind, das Geheimnis der Menschwerdung Gottes mit einem Stall in Verbindung zu bringen, denkt die Ostkirche immer an eine Höhle, wie es auf allen Weihnachtsikonen zu sehen ist. Gott wird das, was er geschaffen hat: Er wird Mensch bis in die tiefste Tiefe hinein.

Die Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas berichten alle von diesem Ereignis. Mit Jesu Taufe beginnt sein öffent­liches Wirken. Jesus läßt sich von Johannes dem Täufer taufen, obwohl dieser sich zunächst dagegen wehrte; denn er wollte lieber selbst von Jesus getauft werden.

Das Fest der Taufe des Herrn vertieft die Wahrheit, daß Jesus ganz in die irdische Wirklich­keit eintaucht. Jesus läßt sich an der tiefsten Stelle der Erde taufen. Die Jordansenke liegt circa 400 Meter unter dem Meeresspiegel. Auf den Ikonen der Ostkirche sind um das Taufgeschehen hohe Felswände zu sehen. Das Eintauchen in die irdische Wirklich­keit ist der äußerste Gegensatz zur lichtvollen Herrlichkeit Gottes im Himmel. Alle Evangelien berichten davon, daß sich im Augenblick der Taufe der Himmel öffnet und Gott sich zu seinem Sohn bekennt.

Jesus bekundet durch die Taufe seine Unterwerfung unter den Willen Gottes und wird als Gottes Sohn anerkannt und bestätigt. In der Kraft des Geistes Got­tes, der in der Gestalt einer Taube auf Jesus herabkommt, wird Jesus seinen Auftrag erfüllen; Gottes Geist rüstet ihn dazu aus.

Als Jesus am Kreuz sein Werk der Erlösung vollbracht hat, öffnen sich die Gräber und Tote stehen auf (vgl. Mt 27,52). Die Verbindung zwischen Himmel und Erde war durch die Sünde der Menschen gestört. Jesus reißt die trennende Wand nieder (vgl. Eph 2,14). Der Himmel begegnet der Erde, die Erde öff­net sich dem Himmel. Jesus sprengt alle Schlösser.

Das Geheimnis unserer Taufe liegt im Sterben und Auferstehen mit Jesus Christus. Das Eintauchen in das Wasser stellt ein sym­bolisches Sterben dar, und das Wiederauftauchen macht eine Auferstehung zu neuem Leben sichtbar.

Im Glau­bensbekenntnis bekennen wir diese Wahrheit mit dem Satz „Hinabgestiegen in das Reich des Todes (vgl. 1Petr 3,19), auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel“. Gott kommt uns Menschen in Jesus Christus bis in die tiefste Tiefe, zu der wir gesunken sind, entgegen, damit wir neu werden für ein neues Leben mit Gott. Dieses Geheimnis bedenken wir, wenn wir die Taufe des Herrn feiern und uns dabei an unsere eigene Taufe erinnern.