Überlegungen zum Thema Geld

Geld ist eine sehr auffällige und äußerst allgemeine Verkörperung von Reichtum und Besitz. An der Erfindung des Geldes und am Umgang mit Geld zeigt sich, was Besitz und Reichtum für den Menschen bedeuten. Die erste und einfachste Form des Wirtschaftslebens bestand nicht in der Tauschwirtschaft, sondern darin, daß die Menschen Selbsterzeuger waren. Sie lebten von dem, was die Natur ihnen spendete und begnügten sich damit. Aber sie hatten es mit Mächten zu tun, die sie übertrafen. Diesen Kräften brachten sie Opfer dar. Alles verlief nach dem Gesetz von „Do ut des! – Ich gebe, damit du gibst!“, dem Gesetz von „Geben und Nehmen“.

Aus dem Menschenopfer an einen Gott oder auch an mehrere Götter erwuchs unter anderem das Geld. Ursprünglich war es nichts anderes als die Ablösung einer Naturgabe durch eine Sachgabe. Menschenopfer wurden zunächst durch Teile des Menschen, wie zum Beispiel Haare, ersetzt, dann durch Tieropfer oder andere Naturalien, letztendlich durch Sachgüter.

Anfangs gab es zwar noch keine Münzen, aber doch in gewisser Weise schon „Geld“. Zunächst tauschte man Güter gegen Güter, dann folgte dem Naturalien-Tausch das Tausch-Geld. Muschelgeld war vermutlich die erste internationale Standardwährung, da Muscheln auf allen Kontinenten vorhanden waren.

Der Mensch ist zwar nicht der Schöpfer der Natur, aber der Schöpfer seiner Dingwelt und darin ist er das Maß dieses Geschaffenen. Kaum etwas Materielles hat das menschliche Leben mehr geprägt als Geld. Geld hat der Mensch geschaffen, und wie bei allen von Menschen hergestellten Dingen liegen optimale Nutzung und Mißbrauch nahe beieinander. Geld ist eigentlich Bewußtsein und Bewußtmachen von dem, was ich gebe. So heißt es zum Beispiel: „Ich werde dir vergelten, daß du mir etwas gegolten hast; ich werde dir für deine Wohltat etwas zurückerweisen.“ Eine Gilde ist eine Opfergemeinschaft, eine Gemeinschaft derer, die dasselbe Opfer bringen.

Geld und das englische Substantiv „guilt“ (Schuld) haben dieselbe sprachliche Wurzel. Geld bedeutet im Althochdeutschen Opfer, und es hat dieselbe Wurzel wie Vergeltung. Das englische Wort „gift“ (Geschenk) verweist darauf, daß ein Geschenk eben auch etwas an Gift enthält, es ist durch eventuelles Abhängigmachen gleichsam vergiftet. Wer einem Freund zum Beispiel ohne Erklärung einen Geldschein in die Hand drückt, mag merken, daß dieser sich gegebenenfalls unwohl fühlt, weil er nicht weiß, was er davon halten soll. Mit dem Geld hat er nicht nur einen Wert entgegengenommen, sondern vielleicht auch Schuldgefühle.

Geld beinhaltet mehr als Reichtum und Nützlichkeit. Der Ursprung des Geldes liegt im Weggeben. Das erste Muschelgeld diente somit vermutlich nicht nur dem Handel, sondern auch dem Opfer. Allerdings war es kein Zeichen von Großzügigkeit oder Freundlichkeit; es diente quasi als Giftbehälter, in das der Mensch alle negativen Gefühle stecken konnte; wir nennen das heute projizieren; wodurch der Mensch sich seiner negativen Gefühle entledigt. Solche Opfergeschenke machte man Menschen oder Göttern, die stark genug waren, das Gift zu verdauen. Noch heute zeigt sich, wer uns von unserem schlechten Gewissen reinigt, hat das größte Prestige.

Daß Geld und Opfer zusammengehören, zeigt sich auch darin, daß man das frühe Metallgeld aus den Spießen fertigte, mit denen man Opfertiere gebraten hatte, oder aus den Äxten, mit denen man sie getötet hatte. Denjenigen, der solch heiliges Geld gegen Gebrauchsgüter eintauschte, sah man als vergiftet an. Das mag auch in Bezug auf die Beargwöhnung der Juden noch eine Rolle gespielt haben, obwohl ihnen nichts anderes als der Geldhandel übrigblieb, da ihnen im Mittelalter durch das Zunftwesen ein Handwerk nicht möglich war.

Im Umgang mit Geld gibt es eine interessante Entwicklung vom Geldverbot zum Geldverleih. Im Mittelalter galt jemand, der Geld gegen Zins verlieh, als Wucherer später wurde diese Art des Vorgehens eine Basis des Kapitalismus. Die Kirche verbot ursprünglich jeden Geldverleih gegen Zins. Im 13. Jahrhundert aber wurde dem Wucherer eine mildere Strafe angedroht als die Höllenqualen, er kam nur ins Fegefeuer. Der Geldhändler konnte sein Vermögen behalten und trotzdem ins Ewige Leben gelangen. Heute hat die Kirche eigene Banken.

Psychohistoriker haben entdeckt, daß wir auch heute noch, wenn es uns zu gut geht, unbewußt Schuldgefühle haben, die aus dem Über-Ich kommen. Dann müssen Güter zerstört werden. Das kann durch einen Krieg geschehen oder auch durch eine wirtschaftliche Rezession oder sogar eine Wirtschaftskrise. Wir kennen das Sprichwort: „Wenn es dem Esel zu gut geht, dann geht er aufs Eis“. Hier zeigt sich erneut, daß das erste Geld Opfergeld war und dazu diente, unerträgliche Schuldgefühle abzutragen. So könnte man heute auch die ungeheuren Vernichtungsrituale vom Börsencrash bis hin zum Krieg erklären. Man beginnt einen Krieg nicht aus einem Gewinntrieb heraus, sondern aus dem Drang nach Selbstzerstörung. Die Selbstzerstörung dient als Reinigungsprozeß, der eine Zeitlang anhält, bevor wieder ein neuer Wohlstand aufgebaut wird, von dem man sich dann wieder lösen muß. So ist auch das Bezahlen einer Dienstleistung eine Auslösung, oft sogar eine richtige Erlösung von Schuld.

Geld ist weder gut noch böse, es ist eine ebenso neutrale Kraft wie zum Beispiel die Elektrizität. Es ist ein Mittel, dessen Moralität im wesentlichen davon abhängt, in welchem Geist und mit welcher Zielsetzung wir es nutzen. Geldausgeben kann zum Beispiel zum Statussymbol werden. Dann kommt es nicht selten dazu, daß jemand mehr ausgibt als er hat. Es kann aber auch dazu dienen, sich aus sozialen Abhängigkeiten freizukaufen; Geld ist mitbeteiligt an körperlicher und geistiger Bewegungsfreiheit.

Geist und Materie sind nicht zwei ganz verschiedene Dinge; denn alles ist eins, und es ist fraglich, ob dem Geist gegenüber der Materie der Primat zusteht. Es gibt auch verheerende Auswirkungen der Produkte des Geistes. So erzeugt ein Fortschritt in die falsche Richtung unter anderem zahlreiche verführte Opfer der Hybris des Geistes. Geld kann Leben retten und zerstören. Es ist nicht materiell das Geld, das all das verursacht, sondern die Macht, die wir ihm geben. Je größer diese Macht ist, desto größer ist auch unsere diesbezügliche Abhängigkeit. Geld ist eine unmittelbare Veräußerlichung und eine Manifestation unserer seelischen Prozesse.

Spätestens seit Aristoteles (348-322 v.Chr.G.) haben sich die Philosophen immer wieder mit der Begrifflichkeit des Geldes auseinandergesetzt. Aristoteles warf die Frage auf, ob Geld „physei“ oder „nomo“ sei, ob es wegen seiner stofflichen Zusammensetzung und seines Eigenwertes oder aber dank eines staatlichen Beschlusses Geltung habe. Es ist schwer, genau zu definieren, was Geld ist. Es gibt viele Synonyme, so zum Beispiel Mäuse, Knete, Kohle, Moos, Flöhe, Zaster, Kies, Moneten oder Mammon. Geld müßte aus der moralischen Position des bösen Gegenspielers wie „schnöder Mammon“, „goldenes Kalb“ und „teuflisches Geld“ zum guten Geist befreit werden.

Friedrich August von Hayek (1899-1992) formulierte: „Das Geld ist eines der großartigsten Werkzeuge der Freiheit, die der Mensch erfunden hat.“ Tatsächlich zwingt der Mangel an Geld zu erheblichen Einschränkungen und macht abhängig; denn die elementarste Freiheit besteht darin, nicht hungern zu müssen.

Gold und Silber sind Grundmaterie von Geld. Was einst den Göttern als Gabe galt, wurde zum Tauschmittel der Menschen. Geld ist ein uraltes Hilfsmittel der Menschen, Waren zu tauschen oder mit ihnen zu handeln. Anläßlich seines Besuches bei den Chinesen bestaunte Marco Polo (1254-1323) schon Papiergeld, das bei uns erst im 18. Jahrhundert aufkam, und die Entwicklung geht zunehmend zum bargeldlosen Handel. Tausende von Euro in bar zu zahlen, macht heutzutage verdächtig. Aber hier liegt ein psychologisches Problem. Die individuelle Verschuldung wächst, weil der konkrete Bezug zum Geld immer mehr verlorengeht. Schecks, Kreditkarten, Sparbücher, Kontoauszüge, Lohnabrechnungsformulare und Bankeinzugsvollmachten machen das Geld zu einer abstrakten Ware ohne den sinnlichen Zugang zu dem doch so wichtigen Existenzfaktor. Nur wenige Menschen nehmen sich noch die Zeit, Geld mit allen Sinnen zu betrachten und wahrzunehmen. Dabei ist es ein ganz fundamentales menschliches Bedürfnis, das konkret anzufassen, was man besitzt. Geld wird immer mehr zu einem Abstraktum. Ich habe als Maurerlehrling noch erlebt, daß freitags der Polier die Lohntüten verteilte, in der bis zu Pfennigbeträgen das verdiente Geld mit nach Hause genommen wurde; allerdings litten die Frauen etlicher Kollegen darunter, daß nicht der vollständige Inhalt der Lohntüte nach Hause kam, sondern einiges bereits unterwegs in einer Kneipe ausgegeben wurde.

Die eigentliche Geldwährung bei entwickelter Wirtschaftstechnik hat vermutlich schon vor dem 7. Jahrhundert vor Christi Geburt von Persien aus ihren Ausgang genommen. Es wurde zu umständlich, Kühe gegen Salz und Bernstein gegen Felle zu tauschen. Die Phönizier brachten Silberklumpen in Umlauf und prägten Stempel mit Widdern und Ochsen darauf. Die Römer nannten diese Silberlinge „pecunia“, was eigentlich „Vermögen durch Vieh“ („pecus –Vieh“) bedeutet.

König Salomo (10. Jh.v.Chr.G.) prägte wohl als erster seinen Namen in Goldmünzen. Alexander der Große (356-322 v.Chr.G.) benutzte die Münze als Instrument politischer Propaganda und ließ sein Antlitz auf die Münzen prägen. Philipp V. von Makedonien (238-179 v.Chr.G.) ließ das Zeusbild auf der silbernen Tetradrachme nach seinem eigenen Porträt anfertigen. Die Geschichte um den Steuergroschen im Neuen Testament, von dem alle Synoptiker berichten, endet in der Forderung: „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ (Mk 12,17, vgl. Mt 22,21; Lk 20,25), und zeigt die Verlegenheit der Pharisäer, die den Denar bei sich tragen, obwohl er mit dem Kaiserbild etwas darstellt, was sie als Juden verabscheuen müßten. Im Mittelalter waren dann die Kathedralen und auch die Stadtbauten sozusagen „Fabriken“; denn dort entstanden Arbeitsplätze. Zu dieser Zeit war bereits der Übergang von der Naturalwirtschaft zur Kapitalwirtschaft erfolgt. Die Löhnung der teilweise von weither kommenden Arbeitskräfte war nur noch durch Geld zu lösen.

Die Tempelritterorden des Mittelalters mit seinem weitverzweigten Netz von Beziehungen belebten das Wirtschaftsleben dadurch, daß sie Schecks ausstellten. Wenn zum Beispiel Pilger von Brindisi aus ins Heilige Land wollten, wandten sie sich an die Templer der Stadt, hinterlegten bei ihnen ihre Schätze und ließen sich einen Schein geben, auf dem der Wert der abgegebenen Güter bestätigt war. Sobald sie in Akkon ankamen, gingen sie dort wieder in die Templerkomturei, zeigten ihren Schein und bekamen, was sie brauchten.

Hartnäckig hält sich die Spruchweisheit, und sie wird sogar Teresa von Avila (1515-1582) zugeschrieben: „Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt!“ Geld ist notwendig, es kann Not wenden, aber auch in Not führen. Geld macht nicht glücklich, weil es den Nachteil hat, daß es immer gleich und auch dasselbe ist, Glück aber lebt von Spannung und Abwechslung. Bei steigendem Wohlstand einer Menschengruppe steigen die materiellen Wünsche, die nur mit Geld zu verwirklichen sind. Steigender Komfort wird aber damit erkauft, daß das Leben immer langweiliger wird, weil äußere Reize fehlen. Was wünschen sich Menschen, die alles haben; was schenkt man ihnen? Wann habe ich so viel, daß ich mit noch mehr nichts mehr anfangen kann? Menschliche Unzufriedenheit resultiert einerseits aus Hunger, Durst und Schmerzen, andererseits aus Langeweile. Die Römer wirkten dem schon durch „Brot und Spiele“ entgegen.

Geld macht wohl jene glücklich, die es nicht haben; denn es symbolisiert das, was sie nicht besitzen; aber wenn sie es haben, symbolisiert es nichts mehr – außer Reichtum. Reiche können nur noch ihr Geld und ihren Luxus vorführen, weil sonst kaum Werte vorhanden sind. Reiche sind arme Leute mit viel Geld. Viele bezahlen mit Geld, um nicht auf eine andere Weise bezahlen zu müssen, zum Beispiel mit Liebe, Dankbarkeit oder Solidarität.

In Bezug auf den oben zitierten Satz: „Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt!“, wollen Wissenschaftler sogar die beruhigende Seite in Frage stellen. Reiche Erben begegnen dem Neid und der Mißgunst ihrer Mitmenschen, und irrationale Ängste und Schuldgefühle nagen an ihrer Seele. Psychologen sprechen von einer neuen Krankheit, die sie „Affluenza“ nennen: das Leiden an Reichtum und Überfluß. Diese Krankheit äußere sich in mangelndem Selbstwertgefühl; dafür, daß solche Menschen kaum aus eigener Kraft ihr Leben meistern müssen, sei Unsicherheit der Preis; es fehle die Kraft, sich für Ziele einzusetzen und Entbehrungen zu erdulden; daran scheiterten auch viele Beziehungen. Dorfbewohner, die in die Stadt zogen, um reich zu werden, bekennen später: „Damals im Dorf waren wir arm, aber glücklich und zufrieden. Unsere Feste haben wir wirklich gefeiert, wie sie fielen. Jetzt ist jeder Tag ein Fest, aber wir können nicht mehr froh sein.“

Man könnte auch sagen: „Geld macht weder glücklich noch geist-reich“, eine seit König Krösus (595-547 v.Chr.G.) bekannte Erfahrung. Aber wo Geld und Geist sich zusammentun, kann beiden geholfen werden. Es gibt eine Bindung zwischen Geld und Geist; ohne Geist ist mit Geld nicht richtig umzugehen. Aber nicht jeder, der Geld hat, besitzt auch den entsprechenden Geist.

„Geld regiert die Welt“ ist nicht nur der Titel eines Romans von Hans Natonek (1892-1963) aus dem Ende der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts, sondern auch eine bittere Erfahrung für viele Menschen, die sich verkaufen, statt sich zu verwirklichen, selbständig zu werden und dann eigenständig Geld zu verdienen. Geld ist eine Form von Energieertrag für den, der sich Macht und Image durch Geld erkaufen muß. Viele machen sich zu Sklaven des Geldes, indem sie sich dem Materiellen verschreiben. Wer Geld hat, ist geborgen unter den Fittichen des Mammon, nimmt teil an dessen Größe. Manch einer gehorcht dem Geld, weil es das Zepter über das schwingt, was er begehrt.

Ein arabisches Sprichwort lautet: „Auf Geld schimpft nur, wer es nicht hat.“ Wie machtlos der Mensch ohne Geld zu sein scheint, zeigt das Sprichwort: „Umsonst ist der Tod“, und es wird noch erweitert durch den Hinweis: „Und selbst für den muß man bezahlen.“ Nicht selten hört man auch folgende Ergänzung: „Und der kostet das Leben.“

„Liebe und Geld regieren die Welt!“, lautet ein weiteres Sprichwort. Es beinhaltet die drei Grundstrebungen des Menschen: Liebe mit ihrer Geschlechtlichkeit, Geld als Besitz und Regieren als Macht. Um es auf Besitz und Reichtum einzugrenzen, müßte man formulieren: „Liebe zum Geld regiert die Welt!“

Vermutlich hat nichts anderes an Materiellem das menschliche Leben so sehr geprägt wie das Geld. Hier und da wirkt es als Klammer, die Verbindungen aufrechterhält. Andererseits ist unter Bekannten, Freunden und Verwandten eine besondere Sorgfalt in Sachen Geld notwendig; denn es führt nicht selten zu Streit und Auseinandersetzungen. Nicht von ungefähr heißt es: „Bei Geld hört alle Freundschaft auf.“

Seit Sigmund Freud (1856-1939) ist uns der anale Ursprung des Geldes bewußt. Geld steht für unser Unbewußtes und für Kot. Die Reichen „stinken vor Geld“ und scheinen einen „Dukatenscheißer“ zu haben. Der Goldesel frißt Stroh und gibt Gold von sich. Wer aber Schulden hat, „steckt bis zum Hals in der Scheiße“. Israel hatte sich in der Wüste gegen Jahwe versündigt, indem es ein Goldenes Kalb fertigte. Zur Strafe mußte es dessen zermahlenes Gold essen; sie nahmen Gold zu sich und gaben Kot von sich.

Der mythische König Midas hatte den Wunsch, daß alles, was er berühre, zu Gold werde. Die Götter gewährten es ihm, aber so wurde ihm sein Wunsch zum Fluch; denn Gold läßt sich nicht essen. Heute scheint sich dieser Fluch global auszuwirken, da alle Schätze der Erde zu Gold gemacht werden, ohne Rücksicht auf die Ressourcen, die nicht beliebig vermehrbar sind. Die Erde wird so ihrer Bodenschätze beraubt und zubetoniert, das Wasser verschmutzt und vergiftet und die Regenwälder als Lunge der Erde abgeholzt.

Geld wurde früher dem Element Luft zugewiesen, weil es als beweglich galt. Im 19. Jahrhundert hat man es dem Element Erde zugeteilt. Erde steht für das Konkrete, Greifbare, für Besitz und Struktur. Das scheint einleuchtend; denn im 19. Jahrhundert verstand man Reichtum vor allem als Immobilienbesitz. Interessant ist in diesem Zusammenhang das Verhalten von Börsianern. Rationales Verhalten an der Börse ist eine Fiktion, es ähnelt eher dem Verhalten von Roulettespielern. Für viele spielt, wenn auch unbewußt, die Sehnsucht nach Nervenkitzel eine Rolle. In unserer Versicherungs-Gesellschaft, in der auch schon junge Menschen ihre finanzielle Zukunft bis ins hohe Alter durchplanen können, fehlt es nicht wenigen an Unsicherheit. Wenn alles sicher ist, ist alles tot.

Tatsächlich aber ist Geld von Natur aus beweglich; denn gerade auf Grund dessen hat man es erfunden. Geld ist ein Geselle, den ständig die Wanderlust packt, es ist ein Freund des Händlers. Der flinke Götterbote Merkur (Hermes) galt früher als Schutzpatron des Geldes und der Händler, allerdings auch der Diebe. Das Zeichen der Waage ist das Zeichen der Händler; denn sie wägen ab, wieviel sie erwerben und wieviel sie wieder veräußern müssen. Geld hat keinen anderen Nutzen, als sich auf andere nicht geldliche Werte zu fixieren, also Vermittler zu sein. Lehrgeld geben wir zwar sehr zögerlich, nicht selten auch äußerst ärgerlich aus, aber es ist sehr gut angelegt.

Geld und Geist als Kapital

Erst wenn Aktionen mit Geld vom Geist ergriffen und durchdrungen sind, wird es zum Kapital. Der Mensch muß fähig werden, mit Kapital unternehmerisch umzugehen. Für den Unternehmer ist der freie Geldfluß eine Notwendigkeit. Gesund ist ein verantwortungsvoller Einsatz von Geld aus der Einsicht, daß ein zeitgemäßes Wirtschaftsleben einen nicht egoistischen Umgang und Einsatz von Geld erfordert. Geld kann einen Menschen befähigen, etwas Sinnvolles zu initiieren, es kann ihn aber auch an den Rand des Abgrunds bringen. Es gibt tatsächlich Milliadäre, die sich ununterbrochen Sorgen um den kommenden Tag machen. Während Geld ein Zahlungsmittel ist, ist Kapital eine Verfügungsmacht über dasselbe. Kapital ist der ökonomische Ausdruck für Eigentum.

Um 1960 wurde die Theorie des Humankapitals entwickelt. Sie besagt, daß ein Großteil des Wirtschaftswachstums weniger auf wirtschaftlichen Investitionen als auf erworbenen menschlichen Fertigkeiten beruht.

Geld und Religion

Religion und Ökonomie gab es schon bei den Sumerern und Ägyptern in der gleichen Institution. Priester erfanden die Elemente der Buchhaltung. Der Abstraktionsprozeß, der zur Erfindung von Symbolen für Listen erforderlich war, begünstigte nicht nur die Entwicklung der Schriftzeichen, sondern auch die Erfindung des Geldes. Bürokratie begann also im Tempel. Die vier Evangelisten schreiben im Bericht über die Tempelreinigung von Jesu Empörung über das unangemessene Erscheinen, Verhalten und Auftreten der Händler und Geldwechsler im Haus seines Vaters (Mk 11,15-19; Mt 21,12-17; Lk 19,45-48; Joh 2,13-16).

In Rom gab es den Tempel der Göttin Juno, die den Beinamen „Moneta – Münzstätte“ trug, weil man in ihrem Tempel die Münzen, die sogenannten Moneten, prägte.

Im Umgang mit Geld unterscheiden sich die Weltreligionen. Auch die christlichen Konfessionen unterscheiden sich durch ihre verschiedene wirtschaftliche Praxis. Ein reformierter Schweizer Bankier geht zum Beispiel anderes mit Geld um als ein brasilianischer Franziskaner. Ein christlicher Grundkonsens besteht jedoch darin, daß dem Umgang mit Geld im christlichen Liebesgebot sein tiefsinnigster Wert beigemessen wird. Geistiges und religiöses Leben bedarf auf Erden einer finanziellen Grundlage, diese gestaltet sich oft durch Schenkungen und Erbschaften.

Geld oder auch anderer Besitz ist weder sündig noch tugendhaft. Leben und Wort Jesu zeugen an keiner Stelle von einer Neigung oder gar Verpflichtung zu Verarmung und Verelendung. Jesus hält allerdings Reichtum nicht für unverfänglich und harmlos. Wie gehen wir Christen damit um, daß Geld die Welt immer mehr regiert und wir diesem durch die davon ausgehenden Zwänge unterworfen werden?